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Türkische Lira : Zentralbank stemmt sich gegen Abwertung

  • Aktualisiert am

Die vielbestaunte Blaue Moschee Bild: H. W. Rodrian/SRT

Die türkische Zentralbank wirft Dollar auf den Markt, um eine weitere Abwertung der Lira zu verhindern. Der Wechselkurs hat sich seitdem etwas stabilisiert.

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          Die türkische Zentralbank stemmt sich weiter gegen die Abwertung der Lira. Am Freitag verkaufte sie weitere 350 Millionen Dollar aus ihren Währungsreserven in einer Auktion und erzielte einen durchschnittlichen Preis von beinahe 1,84 Lira. Die Gebote der an der Auktion beteiligten Banken haben sich nach Angaben der Zentralbank in Ankara auf 1,33 Milliarden Dollar belaufen. Damit war die Auktion überzeichnet, allerdings ging das Interesse etwas zurück verglichen mit der Auktion am gestrigen Donnerstag. Da hatte die türkische Zentralbank ebenfalls 350 Millionen Dollar verauktioniert und dafür Gebote in Höhe von insgesamt etwas mehr als 2 Milliarden Dollar bekommen.

          Die Türkische Lira wertet seit Jahresbeginn ab. Zum Jahreswechsel konnte man einen Dollar noch für 1,54 Lira tauschen, zuletzt waren sogar bis zu 1,90 Lira notwendig. An dieser Schwelle hat die Zentralbank begonnen, einzugreifen, um eine weitere Abwertung womöglich sogar auf mehr als 2 Lira je Dollar zu verhindern. Eine schwache Währung ist aufgrund der gestiegenen Inflationsraten in dem Land ein Problem zumal in Kombination mit der hohen Abhängigkeit von Energieimporten, etwa von Rohöl.

          Der Sonderweg der Notenbank

          Die Ursache für die Währungsentwicklung führen Marktbeobachter vor allem auf die Zinspolitik der türkischen Zentralbank zurück. Während die Notenbanken anderer Schwellenländer die bereits ab Mitte des vergangenen Jahres anziehende Inflation mit
          Leitzinserhöhungen zu bekämpfen suchten, wählte die türkische Zentralbank den umgekehrten Weg. Sie senkte im vergangenen Dezember den Leitzins von 7 auf 6,5 Prozent und anschließend im Januar in einem weiteren Zinsschritt auf 6,25 Prozent. Zugleich erhöhte sie die Mindestreservesätze der Geschäftsbanken. Auf diese Weise wollten die türkischen Zentralbanker die Teuerungsrate im Zaum halten und zugleich eine die Exporte belastende Aufwertung der Lira verhindern. Brasiliens Notenbank wählte hingegen beispielsweise den traditionellen Weg, wodurch der Real aufwertete. Infolgedessen hat die brasilianische Regierung mittlerweile eine Sondersteuer auf Kapitalimporte eingeführt, mit der sie versucht, den Zustrom ausländischen Kapitals und damit eine weitere Währungsaufwertung zu stoppen.

          Die türkische Lira wertete wie erwartet ab, gleichwohl sind sowohl die Teuerungsrate wie auch das nach wie vor hohe Leistungsbilanzdefizit ein Problem für das Land. In diesem August dann senkte die Zentralbank den Leitzins abermals auf mittlerweile 5,75 Prozent, was die Lira nochmals unter Druck setzte.
           

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