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Vor Kommunalwahlen : Türkische Finanzmärkte weiter unter Druck

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Sorgenkind der Finanzmärkte: der türkische Präsident Erdogan Bild: dpa

Die Situation an den türkischen Finanzmärkten bleibt weiter angespannt. Es gibt heftige Ausschläge und auch die Lira wertet wieder ab.

          Die Kursturbulenzen an den türkischen Börsen sind am Donnerstag zunächst weiter gegangen. Trotz der massiven Bemühungen der Notenbank, den Handel in der Lira zu beschränken, wertete diese am Donnerstag wieder von 5,33 Lira für den Dollar auf zuletzt 5,59 Lira ab.

          Auch die Kurse türkischer Staatsanleihen standen zunächst weiter unter Druck. Die Rendite der 2029 fälligen, rege gehandelten Dollar-Anleihe stieg bis auf 8,29 Prozent, die der zehnjährigen Lira-Anleihe auf 18,1 Prozent. Während die Lira-Anleihe jedoch schwach gehandelt wird, fielen die Kurse der Dollar-Anleihen bei einer Rendite von aktuell 8,05 Prozent fast wieder auf das erhöhte Niveau zurück, das sie schon am Mittwoch erreicht hatten.

          Insgesamt zeigen sich die türkischen Finanzmärkte damit weiter höchst volatil. Ob auf der Staatsanleihenseite etwaige Stützungskäufe aus der Türkei die Rendite drückten, ist nicht gewiss. Deutlich zeigen sich die Befürchtungen an den Preisen der Kreditabsicherungen.

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          Betrug die Prämie für ein Volumen von zehn Millionen Dollar am Mittwoch noch 441.000 Dollar, so sind es am Donnerstag schon 523.000 Dollar. Damit haben sich die sogenannten Credit Default Swaps (CDS) binnen einer Woche um etwa 200.000 Dollar verteuert. Nur noch libanesische, ukrainische und Anleihen aus Kamerun sind in der Region Europa, Afrika, naher Osten teurer abzusichern als türkische Anleihen.

          Am Londoner Geldmarkt fiel der Zins für täglich fällige Lirakredite auf 50 Prozent, nachdem er am Mittwoch auf bis zu 1200 Prozent gestiegen war. Börsianern zufolge hatten türkische Banken ausländischen Investoren keine Lira  mehr geliehen, um weitere Wetten auf einen Verfall der Währung zu erschweren. Der Chef des türkischen Bankenverbandes wies dies allerdings
          zurück.

          Er habe so ein Vorgehen in 21 Jahren nicht erlebt, sagte Julian Rimmer, Händler bei der Investec Bank in London der Nachrichtenagentur Bloomberg. Man opfere langfristigen Pragmatismus kurzfristigen politischen Gewinnen. Händler begönnen sich die Frage zu stellen, ob die Lira überhaupt noch investierbar sei.

          Händler berichten, dass türkische Unternehmen und Haushalte derzeit Dollar horteten. der Anteil der Ersparnis in Fremdwährung habe ein Rekordniveau erreicht.

          Dies erschwert auch die Refinanzierung von Auslandsschulden in Höhe von 177 Milliarden Dollar, die in den kommenden 12 Monaten fällig werden.

          Der Aktienindex BIST100 erholt sich am Donnerstag ein wenig, nachdem er am Mittwoch um 7 Prozent gefallen war. Seit Dienstag der Vorwoche ist er um 14 Prozent gefallen.

          Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wiederholt der weil seine Vorwürfe an andere Staaten. Die Vereinigten Staaten und andere westliche Länder versuchten das Land durch Angriffe auf den Wechselkurs in eine Falle zu locken, sagte er am Donnerstag vor Jungwählern in Ankara. Die Banken trieben Spielchen mit der Währung. Welche Geldhäuser er meinte, ließ er offen. Die Türkei müsse den "Spekulanten an den Märkten Disziplin beibringen".

          Selbst wenn Erdogan damit recht haben sollte, zeigt allerdings die Erfahrung, dass Versuche eines Landes  einen Trend an den Märkten mit Druck und kurzfristigen Maßnahmen zu bekämpfen zum Scheitern verurteilt sind.

          Zugleich erneuerte Erdogan seine Forderung an die Notenbank, dass die Inflation durch Leitzinssenkungen bekämpft werden müsse. Diese Forderung gilt als, gelinde gesagt, unkonventionell. es entspricht der ökonomischen Standardlehre, dass Zinssenkungen die Kreditnachfrage und damit Konsum- und Investitionsausgaben erhöhen. Dies bewirkt notwendigerweise einen Anstieg der Güterpreise.

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