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Lira-Schwäche : Scheich von Abu Dhabi hilft Erdoğan bei Währungskrise

Helfende Hand: Scheich Mohammed bin Sajid al-Nahjan, Kronprinz von Abu Dhabi (l) und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan im November in Ankara. Bild: dpa

Die Türkei will ihre Abhängigkeit von Dollar und Euro reduzieren. Mit den Vereinigten Arabischen Emiraten will man jetzt mehr in lokaler Währung abrechnen, wie auch schon mit China und Qatar. Abu Dhabi gibt nun einen großzügigen Überziehungskredit.

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          Die von einer galoppierenden Inflation und grassierenden Lira-Schwäche getroffene Türkei baut bilaterale Währungskooperationen zur Stützung ihrer Landeswährung aus. Am Mittwoch gab die türkische Notenbank den Abschluss eines Swap-Abkommens mit der Zentralbank der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) bekannt. Es wurde auf drei Jahre geschlossen und beläuft sich auf knapp fünf Milliarden Dollar. Zentralbankgouverneur Şahap Kavcıoğlu erklärte, es zeige den Willen, „den bilateralen Handel in lokalen Währungen zu vertiefen, um die wirtschaftlichen und finanziellen Beziehungen zwischen unseren Ländern voranzutreiben“.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Swap-Geschäfte unterstützen den Handel in lokaler Währung und erhöhen die Bruttoreserven der Zentralbank. Amtlichen Angaben zufolge betrugen diese in der Türkei am 7. Januar knapp 110 Milliarden Dollar. Analysten verwiesen aber darauf, dass sie negativ seien, wenn man Forderungen aus Swap- und kommerziellen Kreditgeschäften abziehe.

          Wiederannäherung zahlt sich aus

          Die Türkei hat bereits Swap-Verträge mit China, Qatar und Südkorea im Umfang von etwa 23 Milliarden Dollar abgeschlossen, mit Aserbaidschan, einem Öl- und Gaslieferanten, wird ein weiterer „Überziehungskredit“ verhandelt. Der mit den VAE folgt einer politischen Aussöhnung der lange zerstrittenen Staaten, Kronprinz Abu Dhab hatte erst im November Istanbul besucht. Das zahlt sich nun aus.

          Der Kurs der Lira hat 2021 zum Dollar um mehr als 44 Prozent nachgegeben. Ein Grund dafür ist nach Auffassung von Ökonomen auf die Niedrigzinspolitik, zu der Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan die Zentralbank zwingt. Die hat den Leitzins auf 14 Prozent gesenkt, obwohl die Inflation bei 36 Prozent liegt, was die Lira zusätzlich unter Druck brachte. Von der ersten Sitzung des Offenmarktausschusses an diesem Donnerstag wir keine Änderung der Zinsen erwartet.

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          Um deren Lirakurs zu stützen, hatte die Zentralbank im Dezember Lira für 7,2 Milliarden Dollar gekauft. Nachdem auch damit der rapide Verfall auf bis zu 18,4 Lira je Dollar nicht gestoppt werden konnte, setzte die Regierung auf ein neues Instrument und versprach Anlegern eine staatliche Versicherung gegen potentielle Währungsverluste, wenn sie ihr für Geld in Landeswährung statt in Devisen oder Geld aufbewahrten. Das zunächst nur für Privatanleger geöffnete Programm wurden inzwischen auch auf Geschäftskonten ausgeweitet. Der Staat verspricht den Geldgebern, rechnerisch entstandene Währungsverluste im Anlagezeitraum von 3 bis 12 Monaten aus dem Etat zu bezahlen.

          Bankberater ermuntern zu Lira-Investments

          In der Folge hatte die Lira wieder dazugewonnen und liegt seither unter 14 Lira je Dollar, am Mittwoch notierte sie bei 13,60 Lira je Dollar und 15,40 Lira je Euro. Erdoğan äußerte sich über die Stabilisierung sehr zufrieden. Man werde noch mehr tun, „um die Stabilität auf den Finanzmärkten zu erhalten und das Interesse an der Lira zu steigern“. Laut Finanzminister Nureddin Nebati hatten bis Ende voriger Woche 300.000 Kunden knapp 10 Milliarden Dollar auf die neuen Lira-Konten eingezahlt. 15 Prozent davon sollen von Fremdwährungskonten stammten.

          Anlageberater ermuntern nach einem Reuters-Bericht Kunden gezielt zum Umtausch. Staatliche Banken böten bis zu 19 Prozent, private Banken bis zu 26 Prozent Zinsen auf Lira-Anlagen, die aus Fremdwährungen stammten. 

          Frohe Kunde verbreitet auch Finanzminister Nebati: bis zur Präsidentenwahl Mitte nächsten Jahres werde die Inflation wieder einstellig sein. Aktuell erwarten Analysten jedoch erst einmal einen Anstieg auf 50 Prozent.

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