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Amerikanische Notenbank : Das sind Trumps neue Kandidaten für die Fed

Donald Trump im Weißen Haus Bild: AP

Der amerikanische Präsident Donald Trump nimmt einen neuen Anlauf, zwei vakante Positionen der Notenbank Fed zu besetzen. Eine Sache ist ihm dabei besonders wichtig.

          Präsident Donald Trump hat über den Kurznachrichtendienst Twitter bekannt gegeben, dass er zwei neue Kandidaten für das Direktorium der amerikanische Notenbank Federal Reserve ins Auge gefasst hat. Er will nach eigenen Angaben Christopher Waller und Judy Shelton für die zwei vakanten Positionen nominieren. Waller passt als Chefökonom der Landeszentralbank von St. Louis in das konventionelle Anforderungsprofil für das Fed-Führungspersonal. Er war Professor für Geldpolitik an der renommierten Notre-Dame-Universität in Indiana, bevor er Forschungsdirektor der Fed von St. Louis wurde.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Trump dürfte Waller gewählt haben, weil dieser in seinen wissenschaftlichen Arbeiten eher Argumente für eine lockere Geldpolitik entwickelt hat. Waller sieht offenbar Vorzüge in einer Geldpolitik, die ein zumindest zeitweiliges Überschreiten der Inflationszielmarke von 2 Prozent in Kauf nimmt. Den Anleihekäufen der Federal Reserve steht er ebenfalls positiv gegenüber. Sein Vorgesetzter ist der Fed-Chef von St. Louis, James Bullard. Der hatte in der jüngsten Sitzung des Offen-Markt-Ausschusses der Federal Reserve als einziger für eine Leitzinssenkung um 0,25 Prozentpunkte votiert.

          Das könnte Trump zusätzlich für Waller eingenommen haben. Denn der Präsident torpediert die Fed seit gut einem Jahr mit der unverblümten Forderung, sie solle die Geldpolitik lockern. Seit einigen Wochen verlangt er Leitzinssenkungen und hat Spekulationen lanciert, er könnte Fed-Chef Jerome Powell degradieren. In dieser Hinsicht allerdings könnte auch Waller eine Enttäuschung für den Präsidenten werden. Er hält die Unabhängigkeit der Fed von politischer Einflussnahme für zentral und stützt damit Powell, der jüngst erst verkündet hatte, er werde sich politischem Druck nicht beugen.

          Judy Shelton

          Etwas mehr Hoffnung kann Trump in seine zweite Kandidatin Judy Shelton setzen: Sie war Beraterin für das Trump-Team und hat eine gewisse Flexibilität offenbart: In einem Interview mit dem „Wall Street Journal“ hatte sie sich für Leitzinssenkungen ausgesprochen, nachdem sie vor einigen Jahren die lockere Zinspolitik scharf verurteilt hatte. Ihre aktuelle Begründung klang ziemlich deckungsgleich mit Stellungsnahmen des Weißen Hauses. Sie lobte die wachstumsfreundliche Wirtschaftspolitik, die durch Steuersenkungen und Deregulierung zu Produktivitätsgewinnen und Lohnzuwächsen geführt habe. In solchen Situationen wolle man in den vollen Genuss der Chancen kommen und den Zugang zu Kapital erleichtern.

          Christopher Waller

          Shelton hat sich überdies zu einer Rückkehr zum Goldstandard ausgesprochen, um Währungsmanipulationen durch Zentralbanken zu stoppen. Eine internationale Währungskonferenz, die einen solchen Standard einführte, könnte statt in Bretton Woods in Mar-a-Lago, Trumps Golfhotel in Florida stattfinden, hatte sie einmal gewitzelt.

          Anders als Trump befürwortet sie einen starken Dollar. Offen ist, ob sie noch eine offene Grenze mit Mexiko befürworten würde. Das hatte sie nämlich in einem fulminanten Kommentar im „Wall Street Journal“ vor knapp 20 Jahren gefordert, heute dürfte das das Verhältnis zu Trump abkühlen lassen. Damals war sie BWL-Professorin in Mexiko. Inzwischen ist sie Amerika-Direktorin der Europäischen Bank für Wiederaufbau. Waller und Shelton müssen vom Senat bestätigt werden. Die vorherigen drei Kandidaten, die Trump in den Blick genommen hatte, hatte alle am Ende abgesagt.

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