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Fondsmanager im Gespräch : „Trump euphorisiert die amerikanischen Konservativen“

Präsident Donald Trump auf einer Wahlkampfveranstaltung in Pennsylvania. Bild: EPA

Bernhard Langer legt für das Finanzhaus Invesco 200 Milliarden Dollar an. Er erklärt, was gerade an der Börse los ist, welche Rolle Amerikas Notenbank spielt – und was seine Computer voraussagen.

          Herr Langer, es geht ja ganz schön turbulent zu an den Börsen in diesen Tagen. Wie tief fallen die Kurse denn noch?

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Ich glaube nicht, dass wir vor einem großen Crash stehen.

          Der amerikanische Präsident Trump macht seine Notenbank verantwortlich, die seiner Ansicht nach „verrückt“ geworden ist. Hat er recht?

          Wenn die Zinsen steigen, ist die Frage immer: Wann kippt das, ab welchem Niveau verkaufen die Leute Aktien und schichten um? Wir haben historisch nicht so viele Beispiele, um das genau vorhersagen zu können. Zudem hatten wir eine solche Situation auch noch nicht – erinnern Sie sich daran, dass die Zinsen eigentlich seit den 80er Jahren gefallen sind.

          Haben die Währungshüter um Jerome Powell die Zinsen zu schnell angehoben?

          Das denken wir nicht. Allerdings gilt mit Blick auf das gesamte Panorama schon: Die Liquidität auf der ganzen Welt wird zurückgeführt, nicht nur die amerikanische Notenbank zieht die Zügel, auch die EZB drosselt die Dynamik. Wenn es um den Zuwachs an Liquidität geht, dann haben wir die Spitze gesehen.

          Bernhard Langer in seinem Büro in Frankfurt.

          Werden die Währungshüter denn auf Trump hören?

          Fakt ist: An der Wall Street diskutieren die Anleger gerade heftig die Zinsfrage. Und die amerikanische Regierung macht Druck – Trump auf seine Weise. Wenn es noch einmal eine breite Kurskorrektur wie in den vergangenen Tagen zeitnah gibt und der Präsident seine Kritik erneuert, dann würde ich darauf wetten, dass die Notenbanker reagieren.

          Und nachgeben?

          Sie werden zumindest signalisieren, dass sie die Zinsen langsamer erhöhen oder eine Orientierung geben, wann die Erhöhungen enden werden voraussichtlich.

          Die Notenbanker erhöhen die Zinsen, weil die Wirtschaft schneller wächst – was wiederum wesentlich dem durch neue Schulden finanzierten Steuersenkungs- und Ausgabenprogramm Trumps geschuldet ist. Droht die größte Volkswirtschaft zu überhitzen?

          Unsere Modelle sagen ein robustes Wachstum auch für das kommende Jahr voraus und eine stabile Teuerungsrate.

          Welche?

          Zwei Prozent für 2019.

          Trotz der immer höheren Beschäftigung?

          Ja. Klassische Gefahren wie eine Lohn-Preis-Spirale sehen wir nicht, die gibt es so auch nicht mehr, weil die Lohnfindung viel weniger kollektiv stattfindet als in der Vergangenheit – in den Vereinigten Staaten sowieso.

          Wieso ist das Schuldenmachen eigentlich gerade offenkundig kein großes Thema auch unter den amerikanischen Konservativen - unter dem Präsidenten Obama haben die noch ganz anders gesprochen und entschieden?

          Was wir Europäer manchmal unterschätzen, das ist: Trump euphorisiert große Teile der Konservativen mit seinen Steuersenkungen und Deregulierungen regelrecht; er ist in diesen Kreisen – und das sind nicht wenige Menschen – sehr beliebt. Da tritt das in den Hintergrund. Und klar ist ja auch: Amerika kann wegen der Rolle des Dollar auf der Welt faktisch nicht pleitegehen.

          Zurück zu den Märkten: Sie rechnen nicht mit einem Crash. Aber werden die Kurse weiter fallen?

          Unsere Modelle weisen neutrale Signale auf, keine negativen. Ich denke aber, dass da noch eine Welle kommen wird. In den vergangenen Tagen waren die Handelsvolumina nicht exorbitant hoch und die amerikanischen Privatanleger haben das noch nicht umfänglich realisiert – mindestens sie werden reagieren. Das liegt übrigens auch an der Marktstruktur.

          Wieso?

          Die Konzentration ist heute viel größer. Das Gros der Mittel liegt in sogenannten kapitalgewichteten ETF…

          …börsennotierten Indexfonds, die ihre Anlagen nach dem Börsenwert der Unternehmen gewichten…

          …und wenn da eine Verkaufswelle einsetzt, dann trifft sie gerade einige wenige Werte sehr stark: Die großen Tech-Konzerne, die eben jetzt gerade die wertvollsten Unternehmen der Welt sind.

          Apple, Amazon, Alphabet (Google) & Co.

          Ja. So wie der Aufschwung am amerikanischen Aktienmarkt in den vergangenen Monaten von eher wenigen Werten wesentlich getragen war, merken wir das jetzt umgekehrt eben auch.

          Wohin gehen denn Ölpreis und die Rendite zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen, die ja wichtige Preise für alle Anlagen sind?

          Der Ölpreis sollte auf Basis der Trendfolgemodelle weiter steigen tendenziell. Wenn es um die Zehnjahresrendite geht, so glauben wir nicht, dass sie auf mehr als 4 Prozent zulegt.

          Und es kommt wirklich kein Crash?

          Nein, was wir gerade erleben, sollte eher eine gesunde Korrektur sein.

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