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Trump begnadigt Finanzhai : Ein Wolf der Wall Street zeigt Reue

Michael Milken moderiert eine Diskussionsrunde Bild: AP

Amerikas Präsident rehabilitiert den ehemaligen Schrottanleihen-König Michael Milken – weil der sich vom gierigen Banker zum Philanthropen gewandelt hat.

          3 Min.

          Der legendäre Finanzier Michael Milken, der in den achtziger Jahren eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung des Marktes für Hochzinsanleihen gespielt hat, ist von Präsident Donald Trump begnadigt worden. Milken hatte eine führende Position in der Investmentbank Drexel Burnham, wo er Ende der siebziger Jahre eine Division für den Handel mit sogenannten Junkbonds aufbaute. Damit sind Anleihen von Unternehmen mit zweifelhafter Kreditwürdigkeit gemeint.

          Unerhörte Summe

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Milken hatte offenkundig ein besonderes Talent für dieses Geschäft. In den achtziger Jahren hatte er den Ruf, dank seines Netzwerks wie kaum ein zweiter riskante Finanzierungen organisieren zu können. Milken bereitete damit den Weg für spektakuläre per Junkbonds finanzierte Übernahmen. So kaufte die Investmentbank Kravis Kohlberg Roberts (KKR) in den achtziger Jahren den Lebensmittelriesen Nabisco für die damals unerhörte Summe von 25 Milliarden Dollar.

          Die Transaktion stieß auf ein geteiltes Echo. Die eine Seite prangerte die mit der Übernahme verbundenen Auszahlungen von Vergütungen an beteiligte Investmentbanker in zweistelliger Millionenhöhe an. Sie sah pure Gier am Werk. Die Interpretation fügte sich ein in die hochumstrittene von einzelnen Finanzinvestoren und Ökonomen verbreitete Idee, dass Gier gut sei für Wachstum und Wohlstand. Das Narrativ von geldgeilen Investoren fand seinen Niederschlag im Bestseller „Barbarians at the Gate“ (Barbaren an dem Tor), der später verfilmt wurde. Die alternative Deutung allerdings war, dass Milkens Hochzinsanleihen träge gewordene Konglomerate zwangen, ihre Wasserköpfe abzubauen und sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Denn schließlich landeten die Schulden, mit denen die Übernahmen finanziert wurden, am Ende bei den übernommenen Unternehmen. Sie mussten ihre Prozesse straffen, um die Zinszahlungen erwirtschaften zu können.

          Im Visier der Börsenaufsicht

          Ende der achtziger Jahre endete Milkens Karriere schlagartig. Die Börsenaufsicht hatte, so berichtet ein einstiger Weggefährte bei Drexel Burnham, Milken schon seit den siebziger Jahren im Visier. Sie verdächtigte ihn unethischer und illegaler Machenschaften, schreibt Dan Stone, Ex-Manager von Drexel Burnham in seinem Buch „April Fools“. Im Jahr 1986 erhärtete sich der Verdacht. Ein Spekulant namens Ivan Boesky, selbst im Visier der Börsenaufsicht wegen Betrugsverdacht, belastete Milken schwer: Insiderhandel, Kursmanipulation und Betrug gehörten zu den Vorwürfen. Rudy Giuliani, damals Staatsanwalt in New York, leitete ein Verfahren gegen Drexel Burnham ein, das sich ausschließlich auf Milkens Aktivitäten in der Hochzinsanleihen-Division konzentrierte. Drexel hielt zu Milken, ihrem wichtigsten Gewinnbringer, bis sie herausfand, dass er ein Rechtsvehikel nutzte, mit dem er persönlich, seine Kinder und Fondsmanager durch Seitengeschäfte an den Transaktionen verdienten. Das verletzte Drexels interne Regeln, aber auch Gesetze.

          Im Jahr 1989 wurde Milken angeklagt und später zu zehn Jahren Haft verurteilt, nachdem er sich in sechs Fällen schuldig bekannt hatte. Verletzung von Börsenrecht und Steuerhinterziehung gehörten dazu. Milken zahlte aus eigener Tasche 200 Millionen Dollar Strafe und 400 Millionen Dollar an Investoren, die unter Milkens Transaktionen zu Schaden gekommen waren. Die Haftstrafe wurde später auf zwei Jahre reduziert. Es war ihm außerdem verboten, je wieder professionell als Investmentbanker aktiv zu werden. Die Börsenaufsicht verdächtigte ihn einige Jahre später, dieses Gebot verletzt zu haben. Die Untersuchungen mündeten in einen Vergleich, für den Milken abermals Millionen berappen musste.

          In den letzten Jahren ist Milken vor allem als großer Philanthrop bekannt geworden, der durch Stiftungen und hohe Spenden vor allem die Forschung von Prostata- und Hautkrebs fördert. Schon Präsident Bill Clinton hatte erwogen, Michael Milken zu begnadigen, aber den Gedanken schließlich doch verworfen. Zu den Befürwortern der Begnadigung gehörte Rudy Giuliani, der ihn einst als Staatsanwalt verfolgt hatte.

          Auch der Medienunternehmer Rupert Murdoch, der Investmentbanker David Rubinstein und der Finanzier Nelson Peltz unterstützten die Begnadigung. Peltz verdankt seinen Aufstieg auch der Hilfe Milkens. Kürzlich war Peltz Gastgeber eines Fundraisings für Donald Trumps Wiederwahl, bei dem laut „Washington Post“ rund zehn Millionen Dollar von reichen Gästen gesammelt wurden. Trump wiederum verbindet mit Milken etwa, dass beide Betriebswirtschaft an der Wharton Business School in Pennsylvania studiert haben.

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