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Trigema-Jubiläum : Der Stoff, aus dem die Träume sind

Selten ohne Sakko: Unternehmer Wolfgang Grupp kleidet sich stets stilvoll Bild: dpa

Wolfgang Grupp setzt seit Jahrzehnten auf „Made in Germany“. Gerade das macht sein Textilunternehmen so modern. Jetzt lädt er zur 100-Jahr-Feier, auf der sogar Helene Fischer singen soll.

          3 Min.

          So ganz hat es nicht geklappt. Eigentlich sollte es der große Überraschungscoup für die Hundertjahr-Feier von Trigema werden: Die großartige Helene Fischer zu Gast beim wohl schrägsten Textilunternehmer Deutschlands, Wolfgang Grupp, und das in einem Jahr, in dem die Sängerin keineswegs atemlos durch die Konzerthallen tourt, sondern sich in der Öffentlichkeit komplett rar macht.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Eine halbe Million Euro kassiert Helene Fischer für ihre dreißigminütige Darbietung sowie den angeschlossenen Werbevertrag. Das schreibt jedenfalls das Wirtschaftsmagazin „Bilanz“, und es könnte schon stimmen, denn Wolfgang Grupp hat nie gespart, wenn es ums Feiern ging, und die Kombination mit einem Werbevertrag wird die Sache letztlich schon auch lukrativ für Grupp machen. Er ist schließlich ein erfolgreicher Kaufmann. Seit 50 Jahren leitet er das nun hundert Jahre alte Unternehmen, und in keinem einzigen Jahr, so beteuert er, auch das glaubhaft, habe er Verlust gemacht.

          Das Geheimnis um Helene Fischer hat er aber nicht wahren können und als es durchsickerte sorgte es in manchen Kreisen für phantasievolle Überlegungen, wie man es schaffen könnte, Zutritt zu bekommen, wenigstens einen Blick auf den Star zu werfen. Aber nichts da. Wer nicht eingeladen wurde, hat Pech.

          Es lohnt sich auch nicht, auf Verdacht die kurvenreiche Fahrt an den Trigema-Stammsitz Burladingen auf der Schwäbischen Alb anzutreten, denn das Festzelt für die Feier steht auf einem Parkplatz, der von einer eineinhalb Meter hohen Mauer umgeben ist: da wird wenig von Glanz und Glamour zu sehen sein und die Akustik wird auch nicht überragend sein.

          So singt Helene Fischer allein für die 1500 handverlesen Gäste von Wolfgang Grupp. Alle seine Mitarbeiter hat er eingeladen (unter ihnen einige, die wie er schon seit 50 Jahren bei Trigema arbeiten und dafür heute geehrte werden), die Pensionäre auch und auch eine Reihe von Prominenten, auf deren besonderen Komfort er als Gentleman natürlich Wert legt. „Die Betreuung Ihres Fahrers wird von unseren Fahrern übernommen“, heißt es in den detaillierten Erläuterungen zur Anreise.

          Simpel, aber wirkungsvoll: Textilunternehmer Wolfgang Grupp warb mit einem Schimpansen
          Simpel, aber wirkungsvoll: Textilunternehmer Wolfgang Grupp warb mit einem Schimpansen : Bild: dpa

          Die Rednerliste liest sich jedenfalls schillernd. Winfried Kretschmann darf das erste Grußwort sprechen. Der grüne Ministerpräsident hat es dem konservativen Wolfgang Grupp so sehr angetan, dass er sogar vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg öffentlich seine Sympathie für den Politiker bekundet hat und den Grünen bestimmt einige zusätzliche Stimmen eingebracht hat. Und umgekehrt kann Kretschmann natürlich froh sein, dass Trigema noch da ist, quasi eine Art Relikt einer großen Textil-Historie auf der Schwäbischen Alb, mit immerhin 1200 Mitarbeitern durchaus ein Faktor der wirtschaftlichen Stabilität.

          Entdecker der Nachhaltigkeit

          Und das Dauerversprechen, das die Deutschen viele Jahre lang vom Patriarchen selbst in einem legendären Werbespot mit Affen vor der Tagesschau eingetrichtert bekam, nämlich, dass Trigema nur in Deutschland produziere, das ist plötzlich auch ganz modern geworden: so gesehen ist Trigema nämlich ein Hort der Nachhaltigkeit, wie sie in Zeiten der Klimakrise chic ist. Wie selbstverständlich gehörte Wolfgang Grupp zu den ersten, der seit ein paar Wochen den „grünen Knopf“ als Zeichen für faire Textilproduktion beanspruchen darf.

          Keine Frage, dass unter solchen Umständen auch der Entwicklungshilfeminister Gerd Müller von Berlin angereist kommt. Der Noch-EU-Kommissar Günther Oettinger ist der nächste in der Reihe, es folgen auf der Rednerliste die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (auch sie ein Unternehmerkind von der Schwäbischen Alb), die Staatsministerin Annette Widmann-Mauz, der Landrat Günther-Martin Pauli und IHK-Vizepräsident Thomas Lindner.

          Selten wohl bringt es 100-Millionen-Euro-Unternehmen auf so einen Promifaktor, auch dann nicht, wenn es den hundertsten Geburtstag feiert. Dabei wird es wohl abgesehen vom singenden Überraschungsgast keine großartigen Höhepunkte geben, zumindest sind keine Neuigkeiten aus dem Haus Trigema zu erwarten. Wer nämlich glaubt, dass ein Unternehmer, nur weil er 77 Jahre alt ist, den Anlass seines Firmenjubiläums nutzen könnte, um zum Beispiel seine Nachfolge zu klären, der kennt Wolfgang Grupp nicht.

          Er hat zwar zwei Kinder mit Ende 20 mit ansehnlicher Ausbildung und mittlerweile auch einiger Erfahrung im Unternehmen, und erklärtermaßen traut er ihnen auch zu, das Unternehmen zu führen. Wer es aber letztlich werden soll, bleibt unklar, nur eine Doppelspitze würde ihm widerstreben, sagt Grupp immer wieder und macht einstweilen selbst weiter. Gut möglich, dass Trigema noch viele Feste mit Wolfgang Grupp als Gastgeber feiert. Er ist ja noch fit, schwimmt jeden Morgen seine Bahnen und jettet durch die Republik, gern auch immer wieder mit dem Trigema-Helikopter, um in den Geschäften nach dem Rechten zu sehen.

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