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Treibhausgasemissionen : „Netto-Null“ fällt Banken schwer

Windkraft- statt Kohleenergie: Der nachhaltige Umbau der Wirtschaft bietet Banken enorme Chancen. Bild: ddp

Die Zeb-Berater stellen in einer Studie fest: Die Messung von Treibhausgasemissionen in den Instituten steht noch am Anfang.

          3 Min.

          Banken und andere Finanzdienstleister nutzen seit geraumer Zeit den grünen, nachhaltigen Umbau der Wirtschaft als Marketinginstrument für neue Finanzprodukte. Geht es aber darum, das eigene Geschäftsmodell auf das Ziel des Pariser Klimaabkommens auszurichten, klaffen noch große Lücken zwischen Anspruch und Wirklichkeit. In einer aktuellen, der F.A.Z. vorliegenden Studie stellt die Beratungsgesellschaft Zeb fest, dass die 50 größten europäischen Banken vor einem Marathon stehen, wenn sie bis zum Jahr 2050 die Treibhausgasemissionen in ihrem Kredit- und Anlageportfolio auf „netto Null“ reduzieren wollen.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ohne auf einzelne Institute einzugehen, verweisen die Autoren auf die mangelnde Transparenz der Banken, was konkrete Ziele und nachvollziehbare Messzahlen betrifft. „Die frühzeitige Messung der Emissionen in den Bankportfolios sowie konkrete Pläne für ihre Reduzierung innerhalb der nächsten Jahrzehnte sind die zentralen Herausforderungen für Europas Finanzinstitute auf ihrem Weg zur Netto-Null. Den bisherigen Ankündigungen müssen jetzt konsequente Taten folgen“, empfiehlt Dirk Holländer, leitender Zeb-Partner und Mitautor der Studie.

          Die untersuchten Institute hätten meistens noch keine konkreten Ziele festgelegt und gewährten keinen Einblick in die Treibhausgasemissionen ihres Kreditportfolios, lautet ein zentrales Ergebnis der Studie. Die Autoren haben deshalb auf Basis extern verfügbarer Daten ein Verfahren entwickelt, die Emissionsintensität der Kreditportfolios zu ermitteln. Dabei ist zum einen die Größe des Portfolios entscheidend: Je mehr Kredite vergeben werden, desto höher sind auch die Emissionen. Zum anderen kommt es darauf an, welche Wirtschaftssektoren in welchen Ländern finanziert werden.

          Hohes Risiko der Commerzbank

          Vor wenigen Wochen kam die amerikanische Investmentbank Jefferies in einer vergleichbaren Analyse zu dem Ergebnis, dass die Commerzbank sehr hohe CO2-Risiken aufweise. Hier dürfte zum einen die starke Positionierung der Bank in der Finanzierung deutscher Unternehmenskunden eine Rolle spielen. Viele Kredite an Autohersteller und -zulieferer führen zu entsprechend hohen Emissionswerten. Zum anderen ist die Commerzbank mit ihrer Tochtergesellschaft M-Bank eine führende Bank in Polen, das im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt, BIP) einen sehr hohen CO2-Ausstoß aufweist.

          Das würde sich mit den Zeb-Ergebnissen decken, denn die Berater sehen die Treibhausgasemissionen als Abbild der Kreditvergabe mit ihren individuellen Schwerpunkten in bestimmten Wirtschaftssektoren und Ländern. Die meisten Emissionen weisen deshalb westeuropäische Universalbanken auf, weil sie sehr stark international engagiert sind und CO2-intensive Branchen wie Transport, Verkehr oder Energie einen hohen Geschäftsanteil haben. Dazu dürften auch die großen deutschen Banken wie die Commerzbank zählen. Besser schneiden nach Zeb-Angaben skandinavische Institute ab, weil sie von dem hohen Anteil erneuerbarer Energien in ihrer Region profitieren.

          Daten sind der Lackmustest

          Die Zeb-Berater raten den Banken, die Messung ihrer Treibhausgasemissionen weiterzuentwickeln, um ihren Startpunkt bestimmen zu können. Danach sollten sie ihre Ziele in operative Meilensteine übertragen. Darauf aufbauend sollten die In­stitute ihre Portfolioemissionen kontinuierlich berichten und überprüfen. Für Ekkehardt Bauer, leitender Manager im zeb.research und Mitautor der Studie, stellen über den gesamten Themenkomplex der Nachhaltigkeit Daten und Datenverfügbarkeit das grundlegende Problem dar. Der Lackmustest für jede Bank seien Daten und Datenmodelle, ohne die der Weg nach Paris nicht gelingen werde. „Instituten, die sich des Themas konsequent und frühzeitig annehmen, eröffnen sich Chancen“, stellt Zeb-Partner Holländer in Aussicht.

          Denn den Banken kommt in der grünen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft eine Schlüsselrolle zu. Das Finanzierungs- und Investitionsvolumen wird erheblich sein. Das gilt auch für deutsche Banken, die wegen der hohen Emissionslast der deutschen Industrie einen entsprechend größeren Umbau in Zukunft finanzieren müssen. Schließlich zwingen die Aufsichtsbehörden wie die Europäische Zentralbank (EZB) die Banken bald dazu, ihre Klimarisiken zum Beispiel in Stresstests zu ermitteln und zu quantifizieren. Qualitativ gute Datenmodelle können dabei helfen, die Risiken zielgenauer zu erfassen. Das beeinflusst die Eigenkapitalunterlegung des Kreditgeschäfts. Verlässliche Emissionszahlen der Banken werden auch für institutionelle Investoren immer wichtiger.

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