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Osram : Hedgefonds sind nicht böse

  • -Aktualisiert am

Ob keine Übernahme tatsächlich eine Lösung ist? Bild: dpa

Auf Hedgefonds lässt sich trefflich schimpfen. Insbesondere wenn man sich nicht darum schert, was diese tatsächlich tun.

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          Es hat in Politik und Wirtschaft Tradition, auf Hedgefonds zu schimpfen. Gelten solche Finanzinvestoren doch vielen als Inbegriff skrupelloser Gier, ohne dass sie sich im Detail mit deren Arbeit auseinandersetzen würden. Nun haben die Manager von Hedgefonds sicher auch selbst zu ihrem schlechten Ruf beigetragen. Aber heutzutage haben sie ihn oft zu Unrecht.

          Dies zeigt sich an einem der spannendsten Übernahmekämpfe, die sich derzeit in der deutschen Finanzszene abspielen, der Auseinandersetzung um den Leuchtenkonzern Osram. Lange hatte der österreichische Chiphersteller AMS gegen den Widerstand des Osram-Vorstands mit allen Mitteln die Übernahme forciert. Im Oktober schien man fast am Ziel zu sein. Da nämlich gab die Osram-Führung ihre Gegenwehr auf.

          Nun aber steht AMS vor einem neuen Problem: Hedgefonds haben mittlerweile einen hohen Anteil an Osram-Aktien erworben. Viele von ihnen halten das Übernahmeangebot von 41 Euro je Osram-Aktie für zu niedrig und wollen mehr herausholen. Ihnen wird wie stets verantwortungslose Gier vorgehalten.

          Doch wer so denkt, macht sich die Sache zu einfach. Hedgefonds sind nicht von Natur aus die Bösen. Sie tragen ihren Namen („to hedge“ heißt „absichern“), weil sie anders als normale Fonds sowohl an steigenden als auch an fallenden Kursen verdienen können – allerdings gehen sie dabei auch ein höheres Risiko ein. Trotzdem sind die Anleger, die den Fonds ihr Geld zur Verfügung stellen, in der Regel keine Hasardeure, sondern oft seriöse Institutionen wie Pensionskassen.

          Diesen Anlegern sind die Hedgefonds verpflichtet. Sie müssen darauf achten, dass sie den besten Preis für ihre Leute herausholen. Denn genau darum geht es im Kern bei jeder Übernahme: Es wird ausgehandelt, wie viel ein Unternehmen nach Ansicht der verschiedenen Aktionäre wert ist.

          AMS kämpft dabei mit Bandagen, die jedem skrupellosen Hedgefonds zur Ehre gereichen würden. Das aktuelle Übernahmeangebot konnte AMS nur dank eines juristischen Kniffs abgeben. Wer trotzdem denkt, dass der Zusammenschluss eine gute Idee ist, steht vor einem Problem. Verkauft er seine Osram-Aktien, kommt die Übernahme vielleicht zustande, der Anleger selbst hat ohne Aktien aber in Zukunft nichts davon. Behält er seine Aktien dagegen, scheitert voraussichtlich die Fusion. Das ist die Ironie der ganzen Geschichte.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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