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„Too big to fail“ : Allianz ist systemrelevant

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Bild: dpa

Die deutsche Allianz SE muss künftig mit einer strengeren Kontrolle durch die Aufsichtsbehörden rechnen. Europas größter Versicherer ist „Too big to fail“ und könnte bei einem Zusammenbruch das globale Finanzsystem gefährden. Das hat Folgen.

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          Die Allianz  und andere große Versicherer wie AIG  müssen sich künftig auf strengere Regeln einstellen. Der internationale Finanzstabilitätsrat (Financial Stability Board/FSB) erklärte in der Nacht zum Freitag insgesamt neun Institute aus Europa, den Vereinigten Staaten und China für systemrelevant. Die Unternehmen gelten damit als „Too big to fail“ - zu groß, um sie im Krisenfall pleite gehen zu lassen. Damit drohen ihnen härtere Anforderungen an die Kapitalausstattung und eine schärfere Regulierung. Die genauen Folgen sind aber noch offen.

          Strengere Regeln

          Exakte Vorgaben für strengere Eigenkapitalregeln und weitere Maßnahmen zur Krisenvorbeugung müssen noch erarbeitet werden. „Ein solider Kapital- und Aufsichtsrahmen für den Versicherungssektor ist essentiell zur Unterstützung der finanziellen Stabilität“, erklärte Mark Carney, Chairman des Finanzstabilitätsrates.

          Die Versicherungswirtschaft forderte das Gremium wiederum auf, nun auch klare Vorgaben an die Versicherer zu stellen: „Es ist wichtig, dass die Kriterien und Maßstäbe, die zur Bestimmung eines G-SII (global systemrelevante Versicherer) verwendet werden, so bald wie möglich zur Verfügung stehen und transparent, verlässlich und messbar sind“, sagte Mike McGavick, Chairman der Geneva Association, einem Forschungsinstitut der Versicherungswirtschaft, und CEO der XL Group. „Ohne einen transparenten und verlässlichen Prozess ist es dem Management unmöglich, die systemischen Gefahrenstufen zu überwachen und zu managen.“

          Allianz sieht sich gut gerüstet

          Gleichzeitig warnte das Forschungsinstitut der Versicherungsbranche vor möglichen Problemen der neuen Vorschriften. Die Ergebnisse der FSB deuteten darauf hin, dass eine starke (regulatorische) Überwachung einer Versicherungsgruppe effektiver sein kann, als höhere Kapitalbeträge, um systemische Risiken anzugehen, sagte John H. Fitzpatrick, der Generalsekretär des Instituts.

          Die Allianz will nun gemeinsam mit den Aufsichtsbehörden klären, welche konkreten regulatorischen Anforderungen nun auf sie zukommen. „Daher ist es für eine detaillierte Einschätzung der Auswirkungen noch zu früh“, teilten die Münchener mit. Der DAX-Konzern sei aber „gut aufgestellt, um die neuen, aus der Nominierung folgenden Anforderungen bewältigen zu können.“

          Allianz-Vorstandsmitglied Dieter Wemmer sieht Europas größten Versicherer für die künftigen Anforderungen gut gerüstet. Wie sich die Einstufung genau auswirke, sei allerdings noch nicht einzuschätzen. Die Allianz selbst betrachtet die Versicherungsbranche und sich selbst jedoch weiterhin nicht als systemisches Risiko für die Finanzmärkte.

          Der italienische Versicherer Generali betonte, dass er nur deshalb auf die Liste geraten sei, weil er zu maßgeblichen Teilen auch außerhalb des Versicherungsgeschäfts aktiv sei. Der Konzern stößt derzeit Randbereiche ab und will sich auf das Kerngeschäft mit Versicherungen konzentrieren. Die Regeln zur Systemrelevanz dürften sich vor 2019 nicht auf den Konzern auswirken, hieß es.

          Analysten: Keine Überraschung

          Die Aktien der Versicherer reagierten am Freitag unterschiedlich auf die Nachrichten. Während es für die Papiere von Axa, Generali, Aviva und die britische Prudential nach oben ging, erlitten die Allianz-Titel leichte Verluste. Ein Analyst wertete die Neuigkeiten allerdings nicht als Überraschung. Um Europas größten Versicherer müsse sich niemand Sorgen machen. Einem Händler zufolge dürfte die Allianz die neuen Anforderungen „mit Leichtigkeit“ erfüllen.

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