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Wegen Übernahmegerüchten : Thyssen-Krupp-Aktie schießt um bis zu 23 Prozent in die Höhe

  • Aktualisiert am

Im Fokus: Firmenlogo von Thyssen-Krupp vor einer Stahlfabrik in Duisburg Bild: Reuters

Der kriselnde Konzern sorgt für einen turbulenten Börsentag. Anleger hoffen auf eine Übernahme der Stahlsparte durch einen Konkurrenten, während Arbeitnehmer lieber den Staat an Bord holen wollen. Die europäischen Aktienmärkte erholen sich derweil leicht vom düsteren Donnerstag.

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          Ein erwartetes Übernahmeangebot für die Stahlsparte von Thyssen-Krupp hat am Freitag für Jubel an der Börse und für Entsetzen bei den Arbeitnehmervertretern gesorgt. Während der Aktienkurs des Unternehmens zeitweise um bis zu mehr als 23 Prozent in die Höhe schoss, ging die Gewerkschaft IG Metall auf die Barrikaden. Bis zum Mittag lag der Kurs immer noch um satte 14 Prozent im Plus. Bei einem Verkauf des Stahlgeschäfts an Liberty droht laut Gewerkschaften eine Zerschlagung von Thyssen-Krupp Steel Europe und der Verlust vieler Arbeitsplätze.

          Am Vormittag wollen Stahlkocher von Thyssen-Krupp in Düsseldorf für einen Staatseinstieg bei der Stahlsparte demonstrieren. Thyssen-Krupp Steel Europe beschäftigt rund 27.000 Mitarbeiter und schreibt derzeit hohe Verluste.

          Einem Insider zufolge will sich der britische Konzern die schwächelnde Stahlsparte schnappen und noch am Freitag ein Angebot vorlegen. Liberty Steel hat insgesamt mehr als 30.000 Mitarbeiter in Europa, Großbritannien, den Vereinigten Staaten und China und verfügt über eine Produktionskapazität von 18 Millionen Tonnen. Gegründet wurde das Unternehmen 1992 von Sanjeev Gupta, einem in Großbritannien ansässigen Industrie-Mogul. Er baute den Konzern auch durch Übernahmen aus, darunter Geschäfte von Tata Steel Europe sowie von ArcelorMittal.

          „Liberty will offenbar im Ein-Euro-Laden einkaufen“, sagte IG-Metall-Bezirkschef Giesler. Die Gewerkschaft und der Betriebsrat fordern seit Wochen einen Einstieg des Staates bei der Stahlsparte. Sie stößt damit aber bislang sowohl in NRW als auch beim Bund auf Ablehnung. Thyssen-Kkrupp-Vorstandschefin Martina Merz hat einen Verkauf der Stahlsparte nicht ausgeschlossen und auch einen Staatseinstieg plus Partner als Option bezeichnet.

          Laut Kreisen plant der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet, an der Kundgebung teilzunehmen. Er wolle sich in einer Rede an die Stahlkocher wenden, sagten mehrere mit den Plänen vertraute Personen. Der CDU-Politiker sitzt im Kuratorium der Krupp-Stiftung, dem größten Einzelaktionär des Konzerns. Thyssen-Krupp Stahlbetriebsratschef Tekin Nasikkol hatte in einem Interview Laschet zu einem klaren Bekenntnis zum Stahl aufgefordert.

          THYSSENKRUPP

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          Nach dem jüngsten Kursrutsch an den europäischen Aktienmärkten nutzen einige Anleger die Gelegenheit zum Wiedereinstieg. Wegen der steigenden Corona-Neuinfektionen bleibe die Stimmung aber angeknackst, warnte Analyst Timo Emden von Emden Research. „Sollte es zu einem zweiten Lockdown kommen, dürften Anleger früher oder später das Handtuch werfen.“ Dax und Euro Stoxx 50 stiegen am Freitag zunächst aber um jeweils mehr als ein halbes Prozent auf 12.787 und 3220 Punkte, nachdem sie am Donnerstag 2,5 Prozent verloren hatten.

          Wenn die Ausbreitung der Pandemie wie bisher voranschreite, bleibe auch denjenigen Politikern, die landesweite Lockdowns vermeiden wollen, nichts anderes übrig, als nachzugeben, sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. Dies würde die Wirtschaft wieder abwürgen. Außerdem hätten Investoren die Hoffnung auf rasche zusätzliche amerikanische Konjunkturhilfen trotz des jüngsten Kompromissangebots von Präsident Donald Trump aufgegeben. „Angesichts der bisherigen Differenzen scheint eine Einigung vor der Wahl enorm schwierig.“

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