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Thelen, Müller und Co : Vorsicht vor den Promi-Fonds!

  • -Aktualisiert am

Frank Thelen Anfang Dezember 2020 Bild: dpa

Der Investor Frank Thelen lädt Anleger mit einem Technologiefonds zum Wagnis ein. Dafür gibt es bessere Momente – und sein Ziel ist überaus ambitioniert.

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          Vorhang auf, Trommelwirbel, Frank Thelen betritt die Bühne. Noch vor einiger Zeit hat er in der „Höhle der Löwen“ als TV-Juror die Erfindungen von Jungunternehmern bewertet, nun erscheint er selbst mit einer Geschäftsidee, über die andere urteilen dürfen. Thelen, Buchautor und Kopf der Risikokapitalgesellschaft Freigeist, macht Privatanlegern den Mund wässrig. Das macht er mit einem Aktienfonds, der ähnlich heißt wie sein 2020 veröffentlichtes Buch, nämlich „10xDNA – Disruptive Innovation“. Darin geht es um Firmen, die die Welt verändern: sei es mit Künstlicher Intelligenz, Quantencomputer oder Blockchain. Heiße Eisen, die Thelen anpackt, getreu seiner Philosophie als Wagniskapitalgeber.

          Eigentlich hat Deutschland genug Promi-Fonds. Sei es der „Zukunftsfonds“, für den der frühere Bild-Chefredakteur Kai Diekmann den Kopf hinhält, sei es der „Grönemeyer Gesundheitsfonds Nachhaltig“ des Mediziners und Musiker-Bruders Dietrich Grönemeyer, ganz zu schweigen von den Produkten der Crash-Propheten, die auf Gold und Bitcoin setzen, oder der Mischfonds „Dirk Müller Premium Aktien“ des ehemaligen Börsenhändlers.

          Aber halt: Promifonds ist nicht gleich Promifonds. So ist Thelen sozusagen der Anti-Müller: Während er voll auf Risiko setzt, will Müller vor allem Verluste vermeiden (was seit drei Jahren schiefgeht). Für den Normalanleger mit durchschnittlichem Risikoprofil ist der eine so wenig geeignet wie der andere. Thelens Tech-Fonds mit 30 Titeln wird absehbar im Wert stark schwanken. Zudem sind darin enthaltene Werte wie Tesla, Tencent und Palantir schon arg teuer, sodass die Luft nach oben dünner wird. Dass Thelen eine Wertverdreifachung binnen vier bis acht Jahren anstrebt, ist überaus ambitioniert. Wer sein Depot dennoch mit disruptiven Firmen chancenreicher aufstellen will, kann dies günstiger mit einem Indexfonds. Was solchen ETFs fehlt, ist ein schillernder Name. Doch das sollte für Anleger kein Kriterium sein.

          Thomas Klemm
          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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