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„The Big Short“ : Die Finanzkrise als großes Kino

Melissa Leo mit Sonnenschutzbrille Bild: AP

„The Big Short“ erzählt, wie vier tollkühne Männer auf den Crash des Finanzsystems wetten. Regisseur Adam McKay hat ein kurioses Mittel gegen die Drögheit von Finanzthemen gefunden.

          4 Min.

          Finanzbegriffe können ziemlich dröge sein. Es ist verzeihbar, wenn jemand wegnickt, sobald die Rede auf „Hypothekenanleihen“ oder „Subprime-Darlehen“ kommt – selbst wenn diese Kredite im Zentrum der großen Finanzkrise vor sieben Jahren standen. Der amerikanische Regisseur Adam McKay hat in seinem neuen Finanzkrisenfilm „The Big Short“ ein kurioses Mittel gegen diese potentielle Langeweile gefunden. In einer Szene erläutert die junge australische Schauspielerin Margot Robbie Finanzjargon mit einem Glas Champagner in der Hand, während sie ein Schaumbad nimmt.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          „Think shit – Denken Sie an Scheiße“, sagt die schöne Blondine, als sie die Qualität der an zahlungsschwache Hauskäufer verkauften Ramschhypotheken beschreibt, die hinter den Wertpapieren standen. In einer anderen Szene versucht sich Starkoch Anthony Bourdain am Begriff Collateralized Debt Obligations (CDO) – den berüchtigten Anlagepaketen, die mit Hypotheken und Anleihen besichert waren. Bourdain nimmt drei Tage alten Heilbutt, den er keinem Gast mehr servieren würde, und macht Eintopf daraus. „Es ist kein alter Fisch. Es ist eine ganz neue Sache“, sagt er.

          So ungewöhnlich wie diese Erzähltechniken ist das Thema selbst. McKay, der einst die Schreiber der legendären Sketch-Comedy-Serie „Saturday Night Live“ anführte, ist bisher eher für Komödien wie „Anchorman“ bekannt. Die Finanzkrise bietet sich nicht auf den ersten Blick als Thema für eine Komödie an. Denn das Sachbuch des Starautors Michael Lewis, auf dem der Film basiert, war ein ernsthaftes Stück Journalismus, das mit den erzählerischen Mitteln des Romans die Ursachen der großen Krise beschrieb. Aber McKay sieht trotz allem auch einen gewissen Humor in der Sache.

          „Denken Sie Scheiße“: In „The Big Short“ erklärt Margot Robbie, was Ramschanleihen sind. Sehen Sie hier Szenenbilder aus dem Film. Bilderstrecke
          Szenenbilder aus „Big Short“ : Die Finanzkrise als großes Kino

          Schon die vier Hauptfiguren, die mit ihren großen, erfolgreichen Wetten auf fallende Häuserpreise gegen die allgemeine Konsensmeinung der Wall Street reich werden, sind eine schräge Truppe. Der von Hollywoodstar Christian Bale gespielte kalifornische Hedgefondsmanager Michael Burry ist ein ehemaliger Neurologe mit Glasauge, der am Asperger-Syndrom, einer milden Form von Autismus, leidet. Burry läuft barfuß, in kurzen Hosen und T-Shirt im Büro herum und lässt seine Trommelstöcke zu Heavy-Metal-Musik wirbeln, während er auf Computerbildschirme starrt.

          Schräge Hauptfiguren

          Steve Carrell spielt den Hedgefondsmanager Mark Baum, einen aggressiven Wirbelwind. Baum ist ein Typ, der zu spät in eine Gruppentherapiesitzung stürmt, alle mit seiner Geschichte unterbricht, ein Telefonat auf dem Handy annimmt und wieder verschwindet.

          Hedgefondsmanager Michael Burry (Christian Bale) ist die Börsenwette seines Lebens eingegangen: Mit all seinem Geld spekuliert er auf den Zusammenbruch des amerikanischen Häusermarktes.
          Hedgefondsmanager Michael Burry (Christian Bale) ist die Börsenwette seines Lebens eingegangen: Mit all seinem Geld spekuliert er auf den Zusammenbruch des amerikanischen Häusermarktes. : Bild: AP

          Superstar Brad Pitt, der den Film auch produziert hat, verkörpert Ben Rickert, einen desillusionierten ehemaligen Wertpapierhändler, der an eine ständige Überwachung durch die Regierung glaubt und zwei jungen Hedgefondsmanagern dabei hilft, ihre Wetten zu plazieren. In der vierten Hauptrolle spielt Frauenschwarm Ryan Gosling den auf Hypothekenanleihen spezialisierten Wertpapierhändler Jared Vennett von der Deutschen Bank, der vielleicht dem traditionellen Klischee eines Bankers am nächsten kommt. Er ist ein arroganter, selbstgefälliger Händler, der bei einer Präsentation erst seinem Mitarbeiter über den Mund fährt und dann in der Luft schnüffelt, um seinen Punkt zu machen. „Ich kann das Geld riechen“, sagt er.

          Diese Anti-Helden eint, dass sie früh die spekulative Blase erkennen, die sich im amerikanischen Häusermarkt gebildet hatte: Nahezu jeder Amerikaner kam Mitte der 2000er Jahre ohne Schwierigkeiten an einen Hauskredit – den Händlern ist klar, dass dies nicht lange gutgehen kann. Also machen sie das, was ein ordentlicher Trader in so einer Situation tut: Sie suchen nach Mitteln, um vom Platzen der Blase zu profitieren („Short“ gehen bedeutet im Jargon der Wall Street, auf den Zusammenbruch der Kurse zu setzen).

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