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Teurer Sprit : Ungarn führt amtlichen Höchstpreis für Benzin ein

  • Aktualisiert am

Teuer tanken: Nicht nur in Ungarn sind die Spritpreise kräftig gestiegen. (Symbolbild) Bild: dpa

Ungarns Regierung reagiert auf den starken Preisanstieg für Benzin und Diesel. Auch in Deutschland fehlt es nicht an Ideen in diese Richtung. Aber sollen hohe Benzinpreise nicht dem Klima helfen?

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          Angesichts steigender Treibstoffpreise setzt Ungarns Regierung den Höchstpreis für Benzin amtlich fest. Ein Liter Super (95 Oktan) sowie ein Liter Diesel dürfen vom 15. November an jeweils maximal 480 Forint (1,33 Euro) kosten. Das gab Kanzleramtsminister Gergely Gulyas am Donnerstag vor Journalisten in Budapest bekannt.

          Auf andere Benzinsorten bezieht sich die Regelung nicht. Sie soll vorerst drei Monate lang in Kraft bleiben.Derzeit kostet ein Liter Super (95 Oktan) in Ungarn durchschnittlich 506 Forint, ein Liter Diesel 512 Forint. Nach der Ankündigung des Ministers sank der Aktienkurs des ungarischen Mineralölkonzerns MOL an der Budapester Börse um vier Prozent.

          Auch in Deutschland sind die Preise für Kraftstoff nach Erhebungen des Autoklubs ADAC auf Wochensicht weiter gestiegen. Ein Liter Super E10 kostet demnach im Bundesschnitt 1,689 Euro. Das entspricht einem Anstieg von 0,9 Cent gegenüber vergangener Woche. Beim Diesel ist ebenfalls ein Preisanstieg zu verzeichnen: 1,569 Euro kostet ein Liter im bundesweiten Mittel und somit 0,4 Cent mehr als in der Vorwoche.

          Shitstorm für Barley

          An Vorschlägen aus der Politik, wie man die starke Belastung der Verbraucher durch den Energiepreisanstieg mildern könnte, fehlt es auch in Deutschland nicht. Nachdem EU-Politikerin Katarina Barley einen regelrechten Shitstorm für die Idee geerntet hatte, Verbraucher sollten einfach weniger heizen und sich gleichsam einen warmen Pullover überziehen, wird über einen Energiepreisdeckel ebenso diskutiert wie über den Vorschlag, Steuern und Abgaben auf Benzin zu verringern. Dafür haben sich Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch und Noch-Verkehrsminister An­dreas Scheuer ausgesprochen.

          Dabei kommt man aber aus einem Dilemma nicht raus: Wenn die Politik für den Klimaschutz den CO2-Ausstoß senken will, muss sie Benzin verteuern und kann es nicht gleichzeitig aus Gründen des Verbraucherschutzes verbilligen.

          Andere Ideen gegen teures Benzin

          Es gibt noch weitere Ideen, was man machen könnte. „Österreichisches Modell“ nennt sich ein Konzept aus dem Alpen-Nachbarland, das dort unlängst bis Ende 2022 verlängert wurde. Es sieht vor, dass Tankstellen nur einmal am Tag die Preise anheben dürfen, immer mittags um 12 Uhr. Die Hoffnung der Erfinder war gleichsam, dass seltenere Gelegenheiten für Preiserhöhungen auch das Preisniveau dämpfen würden. Ökonomen um den Düsseldorfer Justus Haucap wiesen seinerzeit in Simulationen aber nach: Genau das Gegenteil ist der Fall. Tankstellen und Mineralölkonzerne heben die Preise dann lieber etwas mehr an, wenn sie wissen, dass an dem Tag keine weitere Preiserhöhung erlaubt ist.

          „Luxemburger Modell“ heißt ein anderes Verfahren, bei dem den Tankstellen eine Obergrenze für jede einzelne Preiserhöhung vorgegeben wird. Es besteht dabei aber die Gefahr, dass Tankstellen diese Obergrenze dann häufiger ausnutzen, als sie es ohne die Obergrenze getan hätten. In Experimenten der Düsseldorfer Wettbewerbsforscher kam jedenfalls am Ende auch ein tendenziell höherer Durchschnittspreis heraus.

          „Westaustralisches Modell“ nennt sich eine dritte Variante. In Westaustralien müssen Tankstellen stets um 14 Uhr ihre Preise für den jeweils nächsten Tag dem Handelsministerium melden. Das soll mehr Verlässlichkeit für die Autofahrer bringen. Es hatte in Simulationen weder höhere noch tiefere Preise zur Folge.

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