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Terminbörse ISE : Lob für Übernahmepläne der Deutschen Börse

Bild: F.A.Z.

Die Deutsche Börse will die amerikanische Terminbörse ISE übernehmen. Analysten halten das Kaufangebot für strategisch sinnvoll, aber teuer, denn es soll bei insgesamt rund zwei Milliarden Euro liegen.

          3 Min.

          Das Kaufangebot der Deutschen Börse für die amerikanische Terminbörse International Securities Exchange (ISE) stößt bei den Analysten auf einhelliges Lob. Der Einstieg in den amerikanischen Terminmarkt sei strategisch richtig, hieß es. Gleichwohl wurde der Preis für die Transaktion als hoch bezeichnet.

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Börse quittierte dies am Mittwoch mit Kursabschlägen von rund 4 Prozent bei den Aktien der Deutschen Börse. Die hatte 67,50 Dollar je ISE-Aktie geboten. Dies entspricht einem Kaufpreis von 2,8 Milliarden Dollar (gut 2 Milliarden Euro) und bedeutet einen Aufschlag von mehr als 40 Prozent auf die ISE-Börsenbewertung. Die ISE ist nach der Chicago Board Options Exchange (CBOE) die zweitgrößte amerikanische Börse im Optionshandel und führend beim Handel mit Aktienoptionen.

          „Eine der wenigen Möglichkeiten, sich zu verstärken“

          „Das Kaufangebot ist strategisch sinnvoll. Die ISE hat eines der besten Derivatehandelssysteme und ist ein etablierter Marktplatz unter den amerikanischen Terminbörsen“, sagt Heiko Frantzen, Aktienanalyst beim Bankhaus Sal. Oppenheim. „Außerdem ist dies eine der wenigen Möglichkeiten, sich da zu verstärken.“ Im europäischen Terminmarkt ist die Deutsche Börse mit der Eurex schon gut aufgestellt.

          Die stark wachsende Bedeutung von Termingeschäften hat dazu geführt, dass die Eurex mittlerweile den größten Teil zum Unternehmensgewinn der Deutschen Börse beiträgt. An den Terminmärkten werden die Basiswerte - zum Beispiel Aktien - nicht direkt gehandelt, sondern Verträge über einen Kauf oder Verkauf der Basiswerte zu einem späteren Zeitpunkt und einem festgelegten Preis.

          Kaufpreis von 2,8 Milliarden Dollar gilt als hoch

          „Die Deutsche Börse will sich in dem Bereich des Finanzmarkts mit den höchsten Wachstumsraten verstärken“, sagt Konrad Becker von Merck Finck & Co. Zudem schaffe sie damit den Sprung nach Nordamerika und könne auf Basis des führenden Anbieters von Aktienoptionen auch andere Bereiche des Derivatemarktes in Amerika besser erschließen. Nach Ansicht der Börsianer hat die Deutsche Börse dabei eine gute Wahl getroffen, da die ISE hochprofitabel sei und zudem als schlank und effizient gilt.

          Gleichwohl gilt der Kaufpreis von 2,8 Milliarden Dollar als hoch. Die ISE machte im Jahr 2006 einen Umsatz von 178 Millionen Dollar bei einem Gewinn von 55 Millionen Dollar. Aktienanalyst Bernd Müller-Gerberding von der Hypo-Vereinsbank hält den Preis unter der Annahme, dass lediglich die als Untergrenze erwarteten 50 Millionen Dollar an Synergien ab dem Jahr 2012 ausgeschöpft werden, für um rund 400 Millionen Dollar zu hoch.

          „Der Preis impliziert hohe Erwartungen an die ISE“

          „Die Deutsche Börse will wohl einen Bieterwettstreit ausschließen“, sagt Müller-Gerberding. „Darauf deuten der hohe Preis, die Zahlung in bar und auch die Vereinbarung einer Vertragsstrafe von 85 Millionen Dollar, die der Deutschen Börse zufließen, falls die ISE an einen anderen Bieter verkauft werden sollte, hin. Der Preis impliziert hohe Erwartungen der Deutschen Börse an zusätzliche Synergien und langfristige Wachstumsraten der ISE.“

          Die Mehrzahl der Marktteilnehmer rechnet zwar nicht mit einem höheren Angebot eines Konkurrenten, wirklich ausschließen kann man es aber nicht. Die New York Stock Exchange (Nyse) hat sich jüngst einen Kreditspielraum von 3 Milliarden Dollar zusichern lassen. „Es deutet einiges darauf hin, dass die Nyse aktiv wird, zumal es meistens ein konkurrierendes Angebot bei Börsenübernahmen gibt“, sagt Heiko Frantzen.

          „Davon wird man künftig wohl nicht mehr viel sehen“

          Ein erneutes Scheitern wäre äußerst unangenehm für die Deutsche Börse und ihren Chef Reto Francioni. Zunächst war die Übernahme der London Stock Exchange (LSE) missglückt, und dann kam auch die Fusion mit der europäischen Mehrländerbörse Euronext nicht zustande. In der weltweiten Konsolidierung der Börsenlandschaft war die Deutsche Börse daher zuletzt nur Zuschauer, was mit viel Kritik begleitet wurde.

          Die besonders kritischen Aktionäre - die Hedge-Fonds TCI und Atticus - hatten sogar eine Zerschlagung der Deutschen Börse ins Spiel gebracht, um so mehr Kapital aus ihrer Investition schlagen zu können. Zu dem neuen Vorhaben wollten sie sich öffentlich bislang nicht äußern. Die Zahlung des Kaufpreises aus Barmitteln macht jedoch weitere Sonderdividenden und Aktienrückkäufe unwahrscheinlicher. „Davon wird man künftig wohl nicht mehr viel sehen“, sagt Becker. „Und die Hedge-Fonds sind ja bekanntlich sehr daran interessiert, Barmittel aus den Unternehmen zu ziehen.“

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