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Technische Analyse : Es gibt auch Aktien ohne Kursperspektiven

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Bild: dpa

In der Konsolidierung an den Aktienmärkten trübt sich die technische Lage einiger europäischer Titel ein.

           Nach den Jahren 2012 und 2013 mit sehr ausgeprägten Kursgewinnen sollte es nicht überraschen, wenn die Aktienmärkte zum Jahresauftakt mit einer Konsolidierung zum Abbau der überkauften Lage und der zu positiven Stimmung zu kämpfen haben. Es sollte deshalb hohe Priorität haben, Standardwerte, die diese Aktienhausse nicht mitgetragen und zuletzt weitere technische Eintrübungen zu verzeichnen haben, zu verkaufen. Im Regelfall fehlen bei diesen Werten auch nach Ablauf der Gesamtmarktkonsolidierung die mittelfristigen technischen Perspektiven. Aus dem Stoxx 50 sind hier die britischen Werte BG Group, HSBC, Standard Chartered und Tesco sowie Ericsson aus Schweden zu nennen. Aus dem Euro Stoxx 50 enthält die Verkaufsliste aus Frankreich die Titel Air Liquide, Danone, GDF Suez und Sanofi sowie aus Spanien Repsol.

          BG Group: Bleibt ein Verkauf bzw. Tausch

          Die britische BG Group, die als integriertes Erdgasunternehmen zu den großen Titeln im europäischen Öl- und Gas-Sektor gehört, bewegte sich von Mai 1996 bis ins Jahr 2012 in einem sehr langfristigen Aufwärtstrend. Hierbei war es zu einem Kursanstieg von 76 britischen Pence auf den bisherigen historischen Höchststand von 1595 Pence im Februar 2011 gekommen. Dieser technische Charakter als Marathonläufer für Aktien, die sich in sehr langfristigen Aufwärtstrends befinden, ist in den letzten Jahren durch die seit dem Jahr 2010 bestehende Seitwärtspendelbewegung verlorengegangen.

          Innerhalb der Seitwärtspendelbewegung hat sich seit Mitte 2012 eine Handelsspanne mit der Unterstützungszone um 1000 Pence und der Widerstandszone um 1355 Pence ergeben. Seit Anfang 2013 bis zum Jahresanfang 2014 hatte die Aktie eine Erholung mit einem klassischen, mittelfristigen Aufwärtstrend und einem Kursanstieg von 1000 auf 1355 Pence durchlaufen. Nachdem die Aktie die Widerstandszone um 1355 Pence getestet und bestätigt hatte, kam der Titel nach neuen Unternehmensdaten mit einem ausgeprägten Verkaufssignal deutlich unter Druck. Da die technische Gefahr besteht, dass BG Group einen neuen, mittelfristigen Abwärtstrend etabliert und diesmal die mehrjährige, gestaffelte Widerstandszone um 1000 Pence nicht verteidigen kann, bleibt BG Group aus technischer Sicht ein Verkauf. Am Donnerstag kostete eine Aktie 1008 Pence.

          Der schwedische Technologiekonzern Ericsson, der mit seiner B-Aktiengattung im Stoxx 50 vertreten ist, befindet sich seit dem Jahr 2008 in einer Seitwärtspendelbewegung. Diese wird durch die Widerstandszone von 90 bis 96,70 schwedische Kronen begrenzt. Abgesehen von dem kurzfristigen Kurseinbruch zum Jahreswechsel 2008/2009 mit Kursen bis 40,60 Kronen besitzt die Seitwärtspendelbewegung zusätzlich noch die Unterstützungszone von 50,30 bis 55,90 Kronen. Während die Aktie von Mitte 2011 bis zum ersten Quartal 2013 mit einer ausgeprägten relativen Schwäche gegenüber dem Stoxx 50 in einem Abwärtstrend festhing, hatte sich ab dem Jahreswechsel 2012/2013 ein moderater Aufwärtstrend ergeben. Hierdurch wurde weder die Relative-Schwäche-Position zum Index noch die seit fast sechs Jahren bestehende Seitwärtspendelbewegung zur Disposition gestellt. In den letzten Handelstagen haben Gewinnmitnahmesignale/Verkaufssignale für eine neue Eintrübung der mittelfristigen technischen Lage gesorgt, was sich an der Kursen unterhalb der 200-Tage-Linie zeigt. Die seit vielen Quartalen vorliegende relative Schwäche hat dafür gesorgt, dass die Ericsson-B-Aktien zum kleinsten Wert im Stoxx 50 geworden sind, so dass die Aktie die Diskussion um eine Entnahme aus diesem Index zur regulären, jährlichen Indexanpassung im September 2014 nur noch schwer loswerden sollte. In Kombination mit der eingetrübten technischen Lage stellt Ericsson einen technischen Verkauf dar.

          Air Liquide: Ein technischer Verkauf

          Der französische Chemiekonzern Air Liquide, der auf die Produktion und den Vertrieb von Industrie- und Spezialgasen fokussiert ist, befindet sich sowohl im Stoxx 50 als auch im Euro Stoxx 50. Jedoch hat die relative Schwäche der letzten Quartale dafür gesorgt, dass die Aktie mittlerweile der zweitkleinste Wert im Stoxx 50 ist und mit Blick auf die Indexanpassung im September Gefahr läuft, ebenfalls aus dem Index genommen zu werden. Air Liquide war es gelungen, seit August/September 2011, ausgehend von Kursen um 73,40 Euro, zwei technische Hausse-Phasen zu etablieren. Zuerst der Hausse-Trend von August 2011 bis zum März 2013, der insgesamt für einen Kursanstieg bis auf 100 Euro sorgte. Dieser Trend ging dann direkt in einen zweiten Hausse-Trend mit einer moderateren Aufwärtsdynamik über.

          Hierbei war es der Aktie im August 2013 mit einem Kaufsignal gelungen, die Widerstandszone um 100 Euro zu überwinden und neue historische Höchststände um 105,70 Euro zu etablieren. Seitdem steckte die Aktie in einer Flaggenkonsolidierung direkt oberhalb der 200-Tage-Linie und des zweiten Hausse-Trends. Was zunächst wie eine mittelfristig trendbestätigende Konsolidierung nach oben aussah, hat sich in den Folgemonaten aber zu einer Trading-Top-Formation entwickelt. In den letzten Tagen ist Air Liquide sowohl aus diesem Trading-Top wie aus dem zweiten Hausse-Trend mit einem von steigenden Handelsvolumina begleiteten Verkaufssignal unter Druck gekommen. Da mit Kursen unterhalb der 200-Tage-Linie die mittelfristige technische Eintrübung erst begonnen hat, stellt auch Air Liquide einen technischen Verkauf dar.

          Der Autor leitet das europäische Index-Research von Commerzbank Corporate & Markets.

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