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Geldpolitik im Euroraum : Target-Saldo steigt auf mehr als eine Billion Euro

  • Aktualisiert am

Ob im Target-Saldo eine Gefahr steckt, ist unter Fachleuten umstritten. Bild: dpa

Der Saldo der Deutschen Bundesbank aus dem europäischen Zahlungsverkehrssystem ist auf einen Rekordwert gestiegen. Dafür gibt es mehrere Gründe.

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          Der Saldo der Deutschen Bundesbank aus dem europäischen Zahlungsverkehrssystem Target 2 ist im Juli erstmals über die Marke von einer Billion Euro gestiegen. Nach einer Mitteilung der Deutschen Bundesbank belief er sich Ende Juli auf 1019 Milliarden Euro im Vergleich zu 995 Milliarden Euro Ende Juni.

          Der Anstieg kommt nicht überraschend, da nach aller Erfahrung die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank den Saldo beeinflussen. Die EZB ist derzeit gleich mit zwei Anleihekaufprogrammen im Markt: Neben dem im Jahre 2015 in Kraft gesetzten Programm kauft sie seit dem Frühjahr auch im Rahmen eines im Zusammenhang mit der Corona-Krise aufgelegten Programms Anleihen.

          Sind Target-Salden gefährlich?

          Der Saldo der Deutschen Bundesbank beschreibt Forderungen gegenüber der Europäischen Zentralbank, die wiederum Forderungen aus dem Zahlungsverkehrssystem unter anderem gegenüber den Notenbanken in Italien und in Spanien hat. Allgemein ausgesprochen bilden sich Salden, wenn Zentralbankgeld, das in einem Land der Eurozone von einer nationalen Notenbank geschaffen wird, in ein anderes Land der Eurozone transferiert wird.

          Da italienische Staatsanleihen im Rahmen EZB-Programme von der Banca d’Italia gekauft werden, viele von außerhalb der Eurozone stammende Verkäufer aber traditionell Konten bei Banken in Frankfurt unterhalten, entsteht bei einem Kauf einer italienischen Staatsanleihe durch die Banca d’Italia zunächst Zentralbankgeld in Rom. Dieses wird anschließend über Target an die Deutsche Bundesbank überwiesen.

          Targetsalden können auch auf andere Weise entstehen; allerdings scheint die früher vor allem thematisierte Finanzierung von Leistungsbilanzdefiziten in Südeuropa keine bedeutende Rolle zu spielen, da Italien seit mehr als fünf Jahren einen Überschuss in seiner Leistungsbilanz ausweist. Die Targetsalden sind in keinem Land intensiver und kontroverser diskutiert worden als in Deutschland. Bis heute existiert in wichtigen Fragen kein Konsens in der Fachwelt.

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