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Spritknappheit in Frankreich : Mehr als jede siebte Tankstelle mit Engpässen

In Frankreich ist es billiger – deshalb sind mancherorts auch die Schlangen länger. Bild: dpa

Wer derzeit mit dem Auto in Frankreich unterwegs ist, sollte besser nicht auf Reserve fahren. Für die Spritknappheit gibt es zwei Gründe.

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          Wer derzeit mit dem Auto in Frankreich unterwegs ist, sollte besser nicht auf Reserve fahren. Vor allem an der Grenze zu Belgien und Deutschland laufen seit Wochen immer mehr Tankstellen leer. So kann es passieren, dass phasenweise kein Benzin oder Diesel zur Verfügung steht.

          Niklas Záboji
          Wirtschaftskorrespondent in Paris

          Die Tanknot hat die Pariser Politik erreicht. Landesweit haben 12 Prozent der Tankstellen derzeit Schwierigkeiten mit mindestens einer Kraftstoffart, sagte Frankreichs Regierungssprecher Olivier Véran Mitte dieser Woche. Er betonte, dass es „Engpässe“, aber keine „Unterversorgung“ gebe – gestand aber ein, dass das Problem in Gebieten wie der Region Hauts-de-France im Nordosten an der Grenze zu Belgien noch mal deutlich größer ist.

          Die Lage verschärft sich. Am Freitag sprach Véran schon von 15 Prozent aller Tankstellen im Land mit Lieferschwierigkeiten – also mehr als jede siebte. Doch die Regierung versucht, die Gemüter zu beruhigen. Tags zuvor hatte die Energieministerin Agnès Pannier-Runacher angekündigt, „einige“ der strategischen Kraftstoffreserven freizugeben. „Wir sind dabei, die Situation zu verbessern, es wird a priori zwei oder drei Tage dauern“, sagte sie.

          Das richtete sich nicht zuletzt an die Adresse von Xavier Bertrand, Regionalratspräsident in Hauts-de-France. Er hatte in einem Brandbrief an die Regierung schnelle Abhilfe gefordert, da schon einzelne Schulbuslinien wegen Dieselmangels nicht verkehren könnten.

          „Es herrscht Funkstille“

          Für die Engpässe gibt es zwei Gründe. Zum einen den staatlichen Tankrabatt, den die französische Regierung zur Kaufkraftstärkung im April eingeführt und Anfang September noch einmal von 18 auf 30 Cent je Liter Kraftstoff erhöht hat. Der Preis für einen Liter Benzin der Sorte E10 fiel dadurch mitunter auf 1,50 Euro. Tanken und Autofahren in Frankreich hat sich also spürbar verbilligt.

          Das hat sich auch im Ausland herumgesprochen. Vor allem in Grenzregionen wie Lothringen und den Ardennen hat sich in den vergangenen Wochen ein Tanktourismus entwickelt, wie man ihn bislang nur aus Luxemburg oder Österreich kannte. Hinzu kam, dass der deutsche Tankrabatt Ende August ausgelaufen ist und Kraftstoff dadurch wieder 17 bis 35 Cent je Liter teurer wurde.

          Zweiter Grund für die Engpässe an den französischen Tankstellen sind Streiks in den Raffinerien des Energiekonzerns Totalenergies (vormals Total). In der Mehrheit der Anlagen ist die Produktion gedrosselt oder lahmgelegt, und das den nunmehr elften Tag in Folge. Die als radikaler geltende Gewerkschaft CGT fordert 10 Prozent mehr Lohn und stellte am Freitag klar, die Blockade angesichts mangelnder Gesprächsbereitschaft der Geschäftsleitung in den kommenden Tagen fortzusetzen. „Es herrscht Funkstille, wir haben keinen Kontakt“, sagte ein Gewerkschaftssprecher.

          Totalenergies, in Frankreich Marktführer im Tankstellengeschäft, spricht ebenso wenig wie die Regierung von einer „Unterversorgung“ und setzt nun verstärkt auf importierte Kraftstoffe. Doch schon vor dem Raffinerienstreik war der Konzern von Engpässen an den Zapfsäulen noch stärker betroffen als Konkurrenten wie Esso, Shell oder auch die Supermarktkette Leclerc.

          Denn parallel zur Anhebung des staatlichen Tankrabatts auf 30 Cent Anfang September weitete Totalenergies auch den konzerneigenen, zuvor nur vereinzelt gewährten Tankrabatt auf alle Stationen in Frankreich aus und erhöhte ihn auf 20 Cent je Liter Kraftstoff. Das macht in Summe 50 Cent. Totalenergies sprach bereits Mitte September von einem „Ansturm“ auf die Tankstellen und rund 40 Prozent mehr Kundschaft als im Vorjahreszeitraum.

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