https://www.faz.net/aktuell/finanzen/tanken-benzin-wird-billiger-und-dieselpreis-steigt-weiter-18398694.html

Tanken : Benzin wird billiger – aber der Dieselpreis steigt und steigt

Früher war es umgekehrt: Diesel ist teurer als Benzin Bild: dpa

Diesel ist ungewöhnlich teuer geworden: Der Preisabstand zu Superbenzin beträgt jetzt fast 21 Cent je Liter. Was steckt hinter der Preisrally?

          3 Min.

          Lange Zeit gab es für Autofahrer eine Faustregel. Dieselautos waren etwas teurer in der Anschaffung als Benziner. Dafür war der Sprit billiger, auch dank einer günstigeren Besteuerung. Deshalb kauften Leute, die viel weite Strecken fuhren, eher einen Diesel, andere eher einen Benziner. Dann kam das alles durch den Dieselskandal durcheinander, der Ruf des Diesels, besser für die Umwelt zu sein, war dahin. Entsprechend hatte sich auch die Ampelkoalition vorgenommen, die steuerliche Begünstigung für Diesel abzuschaffen. Dazu ist es bisher nicht gekommen. Stattdessen sind es jetzt andere Umstände, die dafür sorgen, dass Diesel erstmals in der jüngeren Geschichte deutlich teurer ist als Super E10 – und sogar noch von Woche zu Woche im Preis steigt.

          Rohöl ist wieder etwas billiger geworden

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Zahlen der Autoklubs ADAC, der wöchentlich die Preise von mehr als 14.000 Tankstellen auswertet, belegen das abermals. Demnach muss man für einen Liter Diesel jetzt im Schnitt 2,147 Euro zahlen, das sind noch mal 0,3 Cent mehr als vor einer Woche. Super E10 hingegen kostet 1,939 Euro je Liter, das sind sogar 1,7 Cent weniger als vor einer Woche.

          Der Autoklub erklärt den Rückgang beim Superpreis mit dem gesunkenen Preis für Rohöl um rund 4 Dollar je Barrel (Fass zu 159 Litern) für die Nordseesorte Brent. „Die Situation bei Diesel ist weitaus komplizierter“, schreibt der ADAC. „Hier kommen Sonderfaktoren zur Geltung.“

          BRENT

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Fast 21 Cent je Liter mehr für Diesel als für Super ist jedenfalls außergewöhnlich viel. Normalerweise ist es umgekehrt, allein durch den Steuervorteil ist Diesel ungefähr 20 Cent billiger, auch wenn der Preisabstand im Jahresverlauf immer etwas schwankt.

          Was steckt dahinter? An der Tankstelle spiegeln sich im Moment unterschiedliche weltpolitische Entwicklungen wider. Beim Benzin macht sich bemerkbar, dass die Ölstaaten es nicht so wie erhofft schaffen, durch eine Förderverknappung den Ölpreis hochzutreiben. Sie kämpfen gegen Rezessionssorgen an.

          Vor zwei Wochen hatten die Staaten des Ölverbunds OPEC plus beschlossen, die Ölförderung im November stärker zurückzufahren. Seither hat sich der Konflikt mit den Vereinigten Staaten, die das auf keinen Fall wollten, erheblich verschärft. Der amerikanische Präsident Joe Biden kündigte „Konsequenzen“ an. „Noch in dieser Woche soll Biden die Freigabe der verbliebenen 14 Millionen Barrel aus den bisher vorgesehenen 180 Millionen Barrel der strategischen Reserve bekanntgeben“, schreiben die Analysten der Commerzbank.

          Beim Diesel dagegen spielt der Ukrainekrieg eine wichtige Rolle. Die Herstellung von Heizöl und Diesel hängt eng zusammen. Im Moment aber ist nicht nur die Nachfrage nach Heizöl von privaten Haushalten aufgrund der beginnenden Heizperiode eher hoch. Es gibt auch zahlreiche Unternehmen, die in ihrer Produktion normalerweise Erdgas einsetzen, aber auf Heizöl ausweichen können und sich deshalb mit Vorräten eindecken. Der ADAC spricht von einem „hohen Bedarf in der Industrie als Gasersatz“.

          Der Autoklub hält sowohl Benzin als auch Diesel gleichwohl für „überteuert“. Auch das Bundeskartellamt hat angekündigt, sich den Markt genau ansehen zu wollen. Als Erklärung für den ungewöhnlich starken Preisanstieg gerade beim Diesel gegenüber Super aber reicht eine mögliche Ausweitung der Margen sicherlich nicht aus. „Preisunterstützend ist auch der anhaltende Streik in den Raffinerien und Kraftstoff-Depots in Frankreich, der zur Verknappung von Benzin und Diesel führt“, schreiben die Analysten der Commerzbank in ihrem Rohstoffbericht.

          Umgekehrtes Preisverhältnis erstmals im März

          Erstmals war Diesel im März nach Beginn des Ukrainekriegs teurer geworden als Super E10. Das hatte es bis dahin bundesweit nicht gegeben, allenfalls an einzelnen Tankstellen war es im Jahr 2019 schon mal vorgekommen. In jenem Jahr war das Preisverhältnis zwischen Benzin und Diesel im Schnitt zeitweise bis auf 7 Cent geschrumpft, in einzelnen Fällen hatte das auch schon mal bedeutet, dass Diesel teurer war als Benzin. Damals hatte neben der Witterung auch die Konjunktur als Erklärung herhalten müssen. Unternehmen verbrauchen eher Diesel als Benzin; wenn es bei ihnen gut läuft, steigt die Dieselnachfrage.

          Im März dieses Jahres war der hohe Dieselpreis unter anderem damit erklärt worden, dass Deutschland Diesel unmittelbar aus Russland beziehe. Zwischenzeitlich hatte sich das Preisverhältnis dann aber auch mal wieder umgekehrt; offenbar konnten sich die Mineralölunternehmen zumindest zum Teil an die neue Situation anpassen.

          In der Zeit des Tankrabatts in Deutschland, also von Anfang Juni bis Ende August, hatte sich Super E10 dann auch deshalb deutlich stärker verbilligt als Diesel, weil die Besteuerung, die beim Diesel ja ohnehin geringer ist, weniger stark abgesenkt wurde. Dieser Effekt kommt aber seit dem Ende des Tankrabatts natürlich nicht mehr zum Tragen. Aktuell scheinen die Reaktionen auf eine befürchtete Gasknappheit in diesem Winter entscheidend für die Diesel-Preisrally zu sein.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die Erd- und Höhlenhäuser von Peter Vetsch sind überraschend energieeffizient.

          Ungewöhnlich Wohnen : Wohnen geht auch anders

          Warum nicht mal was Neues ausprobieren? Unter der Erde oder auf dem Wasser, im Wehrturm oder Baumhaus – neun ­Wohnbeispiele, die alles andere als gewöhnlich sind.

          Einschlafen mit Anja Reschke : Gaulands Albtraum

          „Reschke-Fernsehen“ heißt die neue Late Night Show im Ersten, deren Star Anja Reschke ist. Die macht sich locker; lustig ist es aber nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.