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Nachhaltige Geldanlage : Vermittler sollen sich zu Ökothemen weiterbilden

Grüner Zeitgeist: Auch die Versicherungsbranche ist im Umbruch. Bild: Edgar Schoepal

Der Versicherer und Finanzvertrieb sieht nur eine Chance für eine ökologische Geldanlage, wenn der Vertrieb diese Aufgabe annimmt. Vermittler müssten Wissen sammeln, um ihre Kunden zu dem Thema gut beraten zu können.

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          Eine Geldanlage, die auf ökologischer, sozialer und unternehmenspolitischer Nachhaltigkeit (ESG) beruht, ist bei Kunden zunehmend beliebt. Viele Verbraucher lassen sich von dem Argument überzeugen, dass sie mit ihren Investitionen der Veränderung eine Richtung geben können. Doch dadurch werden andere Informationen wichtig für ihre Entscheidung als früher. Kunden und Finanzvermittler müssen sich mit den komplizierten ESG-Themen befassen.

          Philipp Krohn
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Auf Vermittler komme eine wichtige neue Aufgabe zu, meint Jörg Arnold, der Vorstandsvorsitzende der Swiss Life in Deutschland. Dazu gehört auch der Finanzvertrieb Swiss Life Select (früher AWD). In Umfragen und in der Praxis lasse sich ein Grundinteresse an Nachhaltigkeit feststellen.

          Dadurch entstehe aber noch nicht automatisch eine Nachfrage: „Erst wenn Menschen von Experten über die Angebote informiert werden, entsteht Interesse“, sagt er. Die Aufgabe der Vertriebe bestehe darin, dem Kunden zu verdeutlichen, wie die neuen Produkte zu ihrem Finanzbedarf passten. „Durch ebendiese Lotsenaufgabe sorgt die Beratungsdienstleistung dafür, dass Altersvorsorge nicht nur zu den individuellen Bedürfnissen der Menschen passt, sondern auch nachhaltige Entwicklungen stärkt“, sagt er.

          Vermittler haben eine Lotsenfunktion auch durch die nachhaltigen Anlageangebote

          Zu dieser Lotsenfunktion zähle, dass Vermittler nur solche Angebote an ihre Kunden herantragen, die auch einer strengen Prüfung standhalten. Damit würden die Finanzvermittler zu Standardsetzern gegenüber den Produktgebern. „Es geht also auch darum, die Spreu vom Weizen nachhaltiger Finanzprodukte zu trennen. Ein Qualitätswettbewerb ist dann die positive Folge“, sagt Arnold.

          Vermittler, die nicht im Auftrag der Anbieter handeln wie Makler, unabhängige Finanzvertriebe (MLP, Swiss Life Select), haben diese Rolle schon immer übernommen. Neuerdings kommt aber zu der Aufgabe, das leistungsfähigste Angebot für den Verbraucher zu finden, auch die Nachhaltigkeit hinzu.

          In Arnolds Vorstellung eines fairen Finanzmarktes sollen auch Bezieher geringer und mittlerer Einkommen einen Zugang zu Anlagen in ökologischen, sozialen und gut geführten Unternehmen erhalten. An dieser Stelle widerspricht er der Auffassung vieler Politiker, die in den vergangenen Jahren Sympathien für die Beratung gegen Honorar entwickelt haben. In Großbritannien und in den Niederlanden hat das sogar dazu geführt, dass Provisionen und Courtagen für die Vermittlung von Finanzprodukten verboten wurden.

          Niedrige Einkommensgruppen sollen Zugang zur Beratung behalten

          Doch Arnold vertritt die Haltung vieler Finanzdienstleister, wenn er sagt, dass die vor dem Produktabschluss kostenfreie Beratung gerade solchen Haushalten zugutekomme, die nicht so hohe Einkommen haben. „Auch die niedrigen und mittleren Einkommensgruppen erhalten dadurch Zugang zu nachhaltigen Geldanlagen“, sagt Arnold.

          Mit diesem Schwenk zur Nachhaltigkeit sollte nach seiner Auffassung auch ein Schwenk zur Diversität einhergehen. „Die Vermittlerschaft ist heute noch in weiten Teilen zu männlich dominiert“, sagt er. Damit sich nachhaltige Geldanlagen weiter verbreiten, müssten auch andere Lebenswirklichkeiten erreicht werden. „Ich bin davon überzeugt, dass durch Vielfalt in der Beratung Menschen erreicht werden, die sich heute womöglich aufgrund ihres Alters, Geschlechts, Herkunft oder sexuellen Orientierung noch nicht ausreichend unterstützt fühlen“, sagt Arnold.

          Die Niveauunterschiede in der Finanzanlage zwischen Männern und Frauen (Gender Pay Gap) seien ein Thema, um das sich Finanzvertriebe kümmern müssten. Doch das sei nicht nur ihre Aufgabe, sondern auch die der Finanzdienstleister. Die Branche müsse dafür sorgen, dass der Berufsstand der Finanzvermittler attraktiver werde für solche Gruppen, die bislang unterrepräsentiert waren. Nur wenn das gelinge, werde eine nachhaltige Geldanlage auch im Markt von allen Konsumenten akzeptiert werden.

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