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Höhere Löhne : Südkorea erhöht den Mindestlohn drastisch

Der Präsident von Südkorea, Moon Jae-in Bild: dpa

Um 16 Prozent erhöht Südkorea den Mindestlohn. Kleinunternehmer warnen vor Entlassungen. Auch die Regierung scheint Angst vor der eigenen Courage zu bekommen: Sie bittet den Steuerzahler zur Kasse.

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          Südkoreas Präsident Moon Jae-in hatte die Wahl im Frühjahr gewonnen auch mit der Verheißung, er werde zum Präsidenten der Arbeitsplätze und der sozialen Gerechtigkeit. In seinem Wahlprogramm versprach Moon, er werde den Mindestlohn bis 2020 auf mindestens 10.000 Won (7,70 Euro) je Stunde anheben. Ein solcher Lohn entspräche dem Recht, wie ein Mensch zu leben, wird Moon zitiert. Der Präsident setzt auch auf höhere Löhne, um den Konsum in Korea zu stärken. Seinem Ziel ist Moon nun einen großen Schritt nähergekommen.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Nach wochenlangen Verhandlungen zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern hat die Mindestlohnkommission, in der auch Regierungsvertreter sitzen, sich darauf geeinigt, dass der Mindestlohn im kommenden Jahr um 16,4 Prozent auf 7530 Won (5,80 Euro) je Stunde steigen wird. Das ist der höchste Anstieg seit 17 Jahren.

          Die Folgen für die Wirtschaft und die Beschäftigten sind noch nicht absehbar. Rund 17,4 Prozent der Beschäftigten in Südkorea werden nach Mindestlohn bezahlt, wobei die Angaben und Schätzungen stark differieren und sich ohnedies bei weitem nicht alle Arbeitgeber an die Vorgaben halten. Der recht hohe Anteil der Mindestlohnbezieher spiegelt wider, dass die südkoreanische Wirtschaft zweigeteilt ist zwischen den bekannten Großunternehmen wie Samsung oder Hyundai Motor und dem Gros der kleinen und Kleinstunternehmen, die vor allem im Dienstleistungsbereich oft nur so gerade über die Runden kommen. Die Erhöhung des Mindestlohnes trifft auf jeden Fall nicht nur eine Randgruppe der Gesellschaft.

          Ein besonderes Problem

          Die Sorgen richten sich vor allem auf die Kleinunternehmen. Der Verband der kleinen und mittelgroßen Unternehmen schätzt die Kostenbelastung auf 15,2 Billionen Won (12 Milliarden Euro). Die Koreanische Handels- und Industriekammer warnt vor Verlusten von Arbeitsplätzen, wenn der Mindestlohn zu schnell steige. Der Koreanische Arbeitgeberverband erinnerte daran, dass 42 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen ihre Zinsen nicht zahlen könnten und 27 Prozent der Kleinunternehmer weniger als 1 Million Won Gewinn im Monat machten. Der höhere Mindestlohn werde so den Arbeitsmarkt schädigen.

          Ein besonderes Problem ergibt sich für Besitzer von Kleinstunternehmen wie Kiosken, die oft vor der Arbeitslosigkeit in die Selbständigkeit geflohen sind. Sie machen im Schnitt einen Gewinn von 1,87 Millionen Won (1439 Euro) im Monat. Bei 40 Wochenstunden erreichen nun aber auch Mindestlohnbeschäftigte fast dieses Salär. Wie das den Arbeitsmarkt verändern wird ist offen.

          In einem bemerkenswerten Zug fürchtet auch die Regierung den wirtschaftlichen Schaden, den sie mit angerichtet hat, und hat umgehend Soforthilfen angekündigt. Bis zu 3 Billionen Won (2,3 Milliarden Euro) sollen als Lohnzuschüsse an Kleinunternehmen mit weniger als 30 Arbeitern gezahlt werden, um den überdurchschnittlich starken Anstieg der Mindestlöhne abzufedern. Mit etwa 1 Billion Won sollen Kleinunternehmen bei Kreditkartengebühren entlastet werden.

          Ob diese Finanzhilfen dauerhaft fließen ist ungewiss. Jedenfalls zahlt der Steuerzahler dafür, dass Moon Jae-in seine Wahlversprechen einhält. Im Endeffekt reguliert der Staat, subventioniert zur Schadenslinderung und weitet so seinen Einfluss auf die Marktwirtschaft in Südkorea weiter aus.

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