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Südafrika : Ende des Streiks in Platinmine

Der Arbeitskampf dauerte sechs Wochen und forderte 45 Todesopfer Bild: REUTERS

Die streikenden Arbeiter von Lonmin nehmen das neue Lohnangebot an. Der Platinpreis sinkt nach der Einigung. Der Streik kostete den Staat 450 Millionen Euro.

          Der wohl schlimmste Arbeitskampf in Südafrika seit dem Ende der Rassentrennung ist am Dienstagabend zu Ende gegangen. Die streikenden Arbeiter von Lonmin, des drittgrößten Platinförderers der Welt, hätten ein neues Lohnangebot ihres Arbeitgebers unter Jubel angenommen, teilten Verhandlungsführer der Streikenden mit. Es soll sich um eine Lohnerhöhung um 22 Prozent handeln. Auch der Marktführer Anglo Platinum nahm am Dienstag wieder die Arbeit in seinen in der vergangenen Woche aus Sicherheitsbedenken geschlossenen Bergwerken auf. In anderen Minen, darunter Goldminen und eine Chrommine, dauern die Streiks noch an.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Der Arbeitskampf in der Marikana-Mine von Lonmin nahe der Stadt Rustenburg hatte fast sechs Wochen gedauert und 45 Todesopfer gefordert. Führende Fondsmanager hatten im größeren Umfang Geld aus Südafrikas Minenbranche abgezogen. Der Platinpreis war zwischenzeitlich auf den höchsten Stand seit fünf Monaten gestiegen, auch die Währung Südafrikas geriet unter Druck. Der Streik hatte dem Ansehen Südafrikas bei Investoren schweren Schaden zugefügt und auch zu harscher Kritik an Staatspräsident Jacob Zuma geführt.

          „Es ist ein enormer Erfolg. Keine Gewerkschaft hat je zuvor eine 22-Prozent-Erhöhung erreicht“, sagte ein Vertreter der Arbeiter. Am Dienstagabend waren Einzelheiten des Tarifangebots jedoch noch unklar. Nach Angaben von Gewerkschaftsführern blieb das Angebot unter den von den Arbeitern geforderten 12.500 Rand (1250 Euro). Sie äußerten sich dennoch zufrieden über das Ende des Streiks. Der Platinpreis sank nach der Mitteilung um 2 Prozent auf 1627 Dollar je Feinunze. Der südafrikanische Rand legte um 1 Prozent gegenüber dem Dollar auf 8,166 Rand je Dollar zu.

          Am Ende tanzen die Bergarbeiter: 22 Prozent Lohnerhöhung

          Mehrere Analysten zeigten sich besorgt, dass die Lohnerhöhung eine Welle weiterer Forderungen in der Minenbranche auslösen könnten. „Ein solcher Anstieg ist kaum finanzierbar in einer Industrie, die schon unter so großem Kostendruck steht“, sagte Peter Attard-Montalto von Nomura International. Noch am Nachmittag hatten Arbeiter wutentbrannt angebliche Lohnangebote von Lonmin verbrannt. Zuvor hatten Demonstranten Streikbrechern und Managern mit dem Tode gedroht, sollten ihre Forderungen nicht erfüllt werden. Staatspräsident Zuma hatte die Gesamtkosten der Streiks für die Volkswirtschaft auf 4,5 Milliarden Rand (450 Millionen Euro) beziffert. Wegen gewalttätiger Ausschreitungen hatte die Regierung am Wochenende 150 Soldaten in der Gegend um Rustenburg stationiert.

          80 Prozent der Platinreserven

          In Südafrikas Erde ruhen 80 Prozent der Platinreserven auf der Welt. Das weiße Edelmetall wird ungefähr zu gleichen Teilen in der Schmuckindustrie und in der Autozulieferindustrie zum Bau von Katalysatoren eingesetzt. Die Arbeitskämpfe ereignen sich in einer Zeit, in der die Konzerne ohnehin wegen einer schwachen Nachfrage von Europas Autoindustrie zu kämpfen haben. Der Platinpreis ist seit dem vergangenen Jahr deutlich gesunken, während die Kosten vor allem für Arbeit und Energie immer weiter steigen. Kleinere Konzerne wie Aquarius Platinum mussten Bergwerke schließen, weil sie bei einem Preis von weniger als 1500 Dollar je Feinunze Verluste verbuchen.

          Der jüngste Anstieg des Platinpreises ist aus Sicht von Analysten eher Folge von Spekulationen am Finanzmarkt als einer Angebotsknappheit. Zwar verursachte allein der Streik bei Lonmin einen Produktionsausfall von mehr als 80 000 Feinunzen. Ein ähnlicher wilder Streik bei Impala im Februar hatte zu Einbußen von 120 000 Feinunzen geführt. Der Überschuss am Markt aber sei noch weitaus höher, sagte Robin Bhar von der Bank Societe Generale. Nach dem Ende der Krise wird daher mit einem Rückgang des Platinpreises auf 1400 Dollar je Feinunze gerechnet.

          Am Aktienmarkt hatte sich schon in den vergangenen Tagen eine Entspannung abgezeichnet. Die Lonmin-Aktie notiert aber immer noch um 38 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres, die Aktie von Marktführer Anglo Platinum um 20 Prozent und die Aktie des zweitgrößten Förderers Impala Platinum um 13 Prozent. „Warum soll man das Risiko eingehen, eine südafrikanische Bergbauaktie zu kaufen, wenn man auch eine australische oder kanadische kaufen kann“, sagte Ryan Wibberley von Investec Asset Management in Kapstadt. Viele Investoren hätten wegen der Unruhen von der gesamten Branche Abstand genommen

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