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Studie zum ersten Halbjahr : Finanzinvestoren pumpen mehr Geld in deutsche Unternehmen

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Die Finanzinvestoren lassen Geld auf deutsche Unternehmen regnen. Bild: dpa

10,7 Milliarden Euro – das ist der höchste Wert seit der Finanzkrise und doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Andere Investoren halten sich aber zurück.

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          Finanzinvestoren waren im ersten Halbjahr 2018 in Deutschland so aktiv wie seit Jahren nicht mehr. Drei Großtransaktionen ließen das Gesamtvolumen auf 10,7 Milliarden Euro und damit den höchsten Wert für ein erstes Halbjahr seit der Finanzkrise steigen, wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten Analyse der Unternehmensberatung EY (Ernst & Young) hervorgeht. Das bedeutete eine Verdopplung gegenüber dem ersten Halbjahr 2017. Die Zahl der Transaktionen ging zwar gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 97 auf 96 zurück – das war aber immer noch die zweithöchste Zahl der vergangenen zehn Jahre.

          Finanzinvestoren steigen bei Unternehmen ein, um sie auf Rendite zu trimmen und sie anschließend mit Gewinn zu verkaufen. In der Regel steigen sie nach einigen Jahren über einen Börsengang oder den Verkauf an andere Finanzinvestoren aus dem Unternehmen aus. Nach Jahren des billigen Geldes der großen Notenbanken sitzen die Firmen auf Rekordsummen an noch nicht investiertem Geld.

          Am meisten Geld brachte im vergangenen Halbjahr der Verkauf des Eschborner Energiedienstleisters Techem ein, der für 4,6 Milliarden Euro vom australischen Infrastrukturinvestor Macquarie an ein Konsortium um die Schweizer Partners Group verkauft wurde. Die Reederei Scandlines wechselte für 1,7 Milliarden Euro den Besitzer. Auch der Verkauf der HSH Nordbank an ein Konsortium um die Finanzinvestoren Cerberus und JC Flowers für eine Milliarde Euro trug zur hohen Gesamtsumme bei.

          Strategische Investoren halten sich zurück

          Strategische Investoren hielten sich im Gegensatz zu Finanzinvestoren merklich zurück. Das Volumen der Transaktionen lag mit 13,3 Milliarden Euro zwar immer noch über den Investitionen von Finanzinvestoren, sackte gegenüber den 23,1 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum aber deutlich ab. Die Zahl der Verkäufe erreichte mit 218 den niedrigsten Wert seit 2011.

          Finanzinvestoren verfügen über viel Kapital, das investiert werden muss. Gleichzeitig ist die Zahl potentieller Ziele begrenzt. „Gerade für profitable Übernahmekandidaten, die auch für die Zukunft weiteres Wachstum versprechen, greifen Finanzinvestoren daher tief in die Tasche“, sagte EY-Experte Michael Kunz.

          Das hohe Interesse von Finanzinvestoren an Anlagemöglichkeiten zeigt sich auch daran, dass so viele Unternehmen wie noch nie von Finanzinvestoren an den nächsten Finanzinvestor weiterverkauft wurden. EY zählte im ersten Halbjahr 26 sogenannte Secondary Buyouts. Nur 22 Beteiligungen verkauften Finanzinvestoren an Unternehmen – der niedrigste Wert seit 2013. Dafür legten die Unternehmen mehr Geld auf den Tisch und zahlten insgesamt 2,7 Milliarden Euro, drei Mal so viel wie im ersten Halbjahr 2017.

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