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Studie der DZ Bank : Geringste Dividenden seit langem

Die Dividenden ersetzen die Zinsen nicht. Bild: mauritius images / Masterfile RM

Die Aktienkurse haben sich kräftig erholt, doch die Ausschüttungen an Aktionäre sinken auf den niedrigsten Stand seit der Finanzkrise. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung.

          2 Min.

          Blickt man auf die jüngsten Kursanstiege an den Aktienmärkten, kann einem sehr schnell die Frage einfallen: „Krise? Was für eine Krise?“ Der deutsche Aktienindex Dax ist am Dienstagnachmittag der Marke von 12.000 Punkten bis auf 250 Stellen nahe gekommen. Die Werte in den Depots haben sich so weit erholt, dass sie den Anlegern wieder einen entspannten und ruhigen Schlaf ermöglichen.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch die spüren die Corona-Krise auch weiterhin, insbesondere in den sinkenden Gewinnausschüttungen. Wie in einer der F.A.Z. vorliegenden Studie Michael Bissinger, Analyst der DZ Bank, schreibt, werden die für das zurückliegende Geschäftsjahr zu zahlenden Dividenden auf das niedrigste Niveau seit der Finanzkrise sinken.

          Gestrichen oder unter Vorbehalt

          Die Dividendenprognosen seien seit Jahresbeginn für den Euro Stoxx 50, den Leitindex für den Euroraum, um rund 20 Prozent gesenkt worden und lägen auf dem niedrigsten Wert seit 2006, also schon tiefer als während der Finanz- und Euro-Schuldenkrise. „Es ist aktuell sehr schwierig, sich ein präzises Bild über die Lage bei den Dividenden zu machen“, räumt Bissinger ein. Bislang steht nach seiner Beobachtung fest: 26 Prozent der 86 deutschen Unternehmen aus dem H-Dax, der sich aus Dax, M-Dax und Tec-Dax zusammensetzt, zahlen keine oder nur die Mindestdividende.

          Bei weiteren 15 Prozent der Unternehmen stehe die Auszahlung unter Vorbehalt, weil die Hauptversammlung verschoben worden sei. Solange die Hauptversammlung die Dividende nicht beschlossen hat, kann diese noch gestrichen oder gekürzt werden. Ihre Dividende gestrichen haben dem Dividendenkalender der DZ-Bank-Analysten zufolge unter anderen Thyssen-Krupp, Osram, Puma, Adidas oder die Lufthansa, die Staatshilfen über 9 Milliarden Euro benötigt.

          Auch die Banken wie Commerzbank, Deutsche Pfandbriefbank oder Aareal Bank mussten ihre Gewinnausschüttung aussetzen, nachdem die Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) die Institute aufgefordert hatten, bis Oktober keine Dividenden zu zahlen oder Aktienrückkäufe zu tätigen. Die Deutsche Bank hatte nach ihrem Milliardenverlust 2019 schon vorher von einer Gewinnausschüttung abgesehen.

          Für Bissinger war es selten so schwierig wie heute, sich ein Bild über die Lage der Dividenden zu machen. Zum einen seien die Unsicherheiten über die weitere wirtschaftliche Entwicklung, von der die Dividendenzahlungen abhängen, sehr groß. Zum anderen sei häufig nicht klar, ob die Dividende eines Unternehmens nicht ausbezahlt werde, weil die Hauptversammlung verschoben worden sei oder weil diese aufgrund der angespannten finanziellen Lage gestrichen worden sei. Unter Vorbehalt sieht die DZ Bank die von Volkswagen oder dem Autozulieferer Continental angekündigten Dividenden.

          Gerade die Automobilhersteller – neben VW, BMW und Daimler – sowie der Chemiekonzern BASF haben mit ihren geplanten Gewinnausschüttungen für Diskussionen gesorgt, weil diese Unternehmen in der Corona-Krise Kurzarbeit und damit staatliche Leistungen in Anspruch genommen haben. Erschwerend kommt für die Autobranche hinzu, dass die Kreditwürdigkeit aufgrund des Absatzeinbruchs in diesem Jahr wohl sinken dürfte. Die Ratingagentur Moody’s hat VW, Daimler und BMW mit negativem Vorzeichen auf die Beobachtungsliste gesetzt.

          Regulatorische Restriktionen

          Das bedeutet, den Konzernen droht eine Ratingherabstufung, womit sich die Finanzierung am Anleihemarkt tendenziell verteuert. Die Bonitätsprüfer von Moody’s und Standard & Poor’s sehen Dividendenzahlungen an die Anteilseigner in einem solchen Krisenumfeld ungern, weil Liquidität den Konzern verlässt. Ein ausreichend hoher Liquiditätspuffer wäre für die Kreditwürdigkeit besser.

          Für Bissinger kommt derzeit mit Blick auf die Dividendenlage erschwerend hinzu, dass nicht ersichtlich sei, wann die Unternehmen, die ihre Gewinnausschüttung zunächst ausgesetzt haben, wieder Dividende zahlen würden. Dies sei auch von regulatorischen Empfehlungen wie bei den Banken oder der Rückzahlung von Staatshilfe abhängig. So darf die Lufthansa erst dann wieder Gewinne ausschütten, wenn sie ihre Staatshilfe zurückgezahlt hat.

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