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Jetzt den Anbieter wechseln : Strom kann auch günstig sein!

Viele Versorger erhöhen die Strompreise. Höchste Zeit, sich einen anderen Anbieter zu suchen. Bild: dpa

Viele Versorger erhöhen die Strompreise. Höchste Zeit, sich einen anderen Anbieter zu suchen. Denn Wechseln ist überhaupt nicht schwer.

          2 Min.

          Wir Deutsche sind widersprüchliche Wesen. Einerseits nutzen wir gerne Rabatte, buchen Spartarife für Bahn und Flugzeug, betanken unser Auto zu Tageszeiten, an denen es wenig kostet, und sparen überhaupt wie die Weltmeister. Andererseits sind wir mitunter erschreckend träge, wenn es darum geht, mit geringem Aufwand ein besseres Angebot zu bekommen.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Alte Versicherungsverträge lassen wir laufen, obwohl neue günstiger sind oder bessere Konditionen haben. Und auch unseren altbekannten, aber sehr teuren Stromanbieter zu wechseln kommt uns nur selten in den Sinn. Über dessen gelegentliche Preiserhöhungen regen wir uns vielleicht kurz auf, bezahlen dann aber doch brav weiter. Wirtschaftliche Vernunft sieht anders aus.

          Jetzt wäre wieder eine gute Zeit, um zumindest den Stromanbieter zu wechseln. Denn 365 der mehr als 800 Energiefirmen, die in einer Region für die Grundversorgung zuständig sind, haben laut Vergleichsportal Check24 für 2020 Preiserhöhungen angekündigt. Familien mit einem jährlichen Durchschnittsverbrauch von 5000 Kilowattstunden müssen dann bis zu 15 Prozent oder 233 Euro mehr bezahlen als in diesem Jahr.

          Eine Reihe von Grundversorgern wie Stawag in Aachen oder die Stadtwerke Augsburg erhöhen den Strompreis sogar zum zweiten Mal binnen zwölf Monaten. Andere Energieversorger werden vermutlich 2020 nachziehen. Schon jetzt zahlen deutsche Verbraucher Rekordpreise für Strom.

          Rekordpreise für Strom

          Wenn Energieversorger ihre Preiserhöhungen begründen, dann oft mit dem Argument höherer Kosten. Tatsächlich müssen viele Unternehmen bald mehr für die Nutzung der Stromnetze bezahlen, zudem steigt 2020 die EEG-Umlage zum Ausbau der erneuerbaren Energien. Diesen Erhöhungen gegenüber steht, dass die Versorger Strom billiger einkaufen können als 2018. An den Strombörsen deutet nichts darauf hin, dass die Anschaffungspreise wieder stark anziehen.

          Trotzdem höhere Preise vom Verbraucher zu verlangen, können sich die Grundversorger leisten. Denn mehr als jeder vierte Deutsche bleibt seinem vertrauten Anbieter treu – komme, was wolle. „Die Trägheit ist so ausgeprägt, dass in der Heimatregion nur theoretisch Wettbewerb herrscht“, sagt Arik Meyer, Gründer und Chef des Tarifaufpassers Switchup. Sobald aber die Energieversorger ihren Strom fern der Heimatregion anbieten und in Wettbewerb mit dem dortigen Grundversorger treten, verlangen sie deutlich niedrigere Preise.

          Strom von Vattenfall ist in Berlin und Hamburg, wo das Unternehmen die Grundversorgung sichert, 300 Euro im Jahr teurer als in Augsburg, wo die Stadtwerke der Platzhirsch sind. Die Mainova verlangt daheim in Frankfurt 240 Euro mehr als in Gelsenkirchen, wo sie zu den Günstigsten zählt. Das zeigt zweierlei: Die Versorger haben viel Spielraum, und treue Kunden kommen stets schlechter weg als neue Kunden.

          Wie hoch das Sparpotential ist, unterscheidet sich eklatant von Stadt zu Stadt. In Frankfurt beträgt der Unterschied zwischen der Grundversorgung 2020 und dem günstigsten Fremdanbieter 300 Euro. In Düsseldorf dagegen sind die Stadtwerke so günstig, dass ein Wechsel nur 126 Euro einbringt. „Das lässt den Rückschluss zu, dass die Stadtwerke Düsseldorf effizient arbeiten“, sagt Meyer.

          Den Stromanbieter zu wechseln ist nicht schwer. Man kann sich selbst darum kümmern, zum Beispiel über Vergleichsportale wie Verivox und Check24. Oder man überlässt es Tarifaufpassern. Diese Wechselassistenten haben verschiedene Geschäftsmodelle: Switchup bekommt Provisionen von Energiefirmen und ist für Verbraucher kostenlos. Andere wie ESave und Wechselpilot verlangen vom Kunden einen Teil der Ersparnis als Servicehonorar. So oder so, ein Wechsel lohnt sich fast immer.

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