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Günstigere Online-Tarife : Nun aber wirklich den Stromanbieter wechseln!

  • -Aktualisiert am

Wer häufig wechselt, zahlt weniger für seinen Strom. Bild: dpa

Der Strom in Deutschland ist teuer. Das liegt unter anderem an der Stromsteuer und der EEG-Umlage. Doch die Verbraucher können sich wehren – wenn sie ihrem Anbieter untreu sind.

          Es gab einmal Zeiten, da war es in Mode, staatliche Unternehmen zu privatisieren und deren Branchen für den Wettbewerb zu öffnen. Das geschah mit der Lufthansa und dem Luftverkehr, mit dem Fernsehen und mit der Bundespost, aus der die Deutsche Telekom, die Postbank und die Deutsche Post hervorgingen. Genau vor 20 Jahren startete auch im Energiesektor der Wettbewerb: Yello Strom und RWE brachten Anfang August 1999 als erste Anbieter bundesweite Tarife für Privatkunden auf den Markt.

          Für die Konsumenten waren die Liberalisierung und der damit einhergehende Wettbewerb fast immer ein Gewinn: Die Flugpreise sanken, Telefonieren wurden billiger, und die Zahl der Fernsehprogramme wuchs kräftig.

          Und beim Strom? Hier ist die Bilanz nur durchwachsen. Unternehmen und Verbraucher müssen nicht mehr die lokalen Stadtwerke als Versorger akzeptieren, sondern haben die Wahl unter Hunderten Anbietern, die Strom und Gas deutschlandweit anbieten. Dahinter stecken dann auch oft die Stadtwerke, nur machen sie sich jetzt kräftig Konkurrenz.

          Teure Energie

          Die Folge war zeitweise tatsächlich ein niedrigerer Preis, vor allem für die Großkunden, die Unternehmen. Die Privatkunden zahlten nur kurzzeitig weniger. Mittlerweile kostet Energie wieder deutlich mehr als zu Beginn der Liberalisierung. Das ist angesichts der normalen Inflation erst einmal nicht ungewöhnlich.

          Allerdings kamen Sonderfaktoren hinzu. Zum einen waren die Rohstoffpreise zu Beginn der Liberalisierung extrem niedrig, eine Normalisierung war wahrscheinlich. Zum anderen sorgte der Staat für kräftige Erhöhungen. Die Stromsteuer stieg, eine Abgabe für erneuerbare Energien (EEG) wurde eingeführt, zudem wuchsen die Netzentgelte durch den Ausbau von Wind- und Solaranlagen.

          Die Verbraucher nutzen die Chancen des Wettbewerbs noch immer zu wenig. Rund die Hälfte von ihnen bezieht noch immer ihre Energie zum Grundversorger-Tarif, dem teuersten auf dem Markt. Durch den Wechsel in einen Online-Tarif des Grundversorgers oder zu einem Konkurrenten lassen sich mehr als hundert Euro im Jahr sparen. Wer jedes Jahr wechselt, streicht zudem eine Neukundenprämie ein. Das ist online in wenigen Minuten erledigt, und selbst wenn mal etwas schiefgeht: Strom und Gas fließen immer. Leichter geht Sparen kaum.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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