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Rekordtiefs : Stresstest für Anleihen

An der Wall Street wurde der Handel kurzzeitig ausgesetzt, nachdem die amerikanischen Märkte im Minus eröffnet haben. Die Corona-Krise wirkt sich aber auch auf den Anleihemarkt aus – mit immer neuen Renditetiefs. Bild: AFP

Erstmals in der Geschichte ist die gesamte amerikanische Zinskurve zwischen zwei und 30 Jahren unter die Marke von 1 Prozent gefallen. Doch für Unternehmen schießen die Zinsen nach oben.

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          Der Corona-Crash hinterlässt auch am Anleihemarkt tiefe Spuren. Die Renditen deutscher und amerikanischer Staatsanleihen fallen weiter auf neue Rekordtiefs, während die Risikoaufschläge für riskante Unternehmensanleihen hoch springen. Damit spiegelt der Anleihemarkt die aktuelle Stimmung an den Finanzmärkten wider, Risiken weitestgehend zu vermeiden. Die Renditetiefs vieler Staatsanleihen sind das Ergebnis der Flucht in sichere Häfen und verbunden mit Kursgewinnen dieser Schuldtitel.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Am Montag fiel die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe bis auf minus 0,859 Prozent. Damit war das erst am Freitagnachmittag erreichte Rekordtief von minus 0,747 Prozent schon wieder Geschichte. Auch die Bundesanleihe mit 30 Jahren Laufzeit testet in kurzer Zeit neue Tiefs. Am Montag waren es minus 0,5601 Prozent.

          Historischer Renditeverfall amerikanischer Staatsanleihen

          Noch viel rascher und deutlicher vollzieht sich der Renditeverfall amerikanischer Staatsanleihen. Die zehnjährige Treasury fiel bis auf 0,3137 Prozent. Vor einer Woche, kurz vor der Leitzinssenkung der amerikanischen Notenbank um einen halben Prozentpunkt, lag die Rendite noch über 1,0 Prozent. Inzwischen liegt auch die 30-jährige Rendite mit 0,8793 Prozent unter der 1-Prozent-Marke. Erstmals in der Geschichte ist die gesamte amerikanische Zinskurve zwischen zwei und 30 Jahren unter die Marke von 1 Prozent gefallen.

          US TREASURY 2026

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          Euro mit Kursgewinnen

          Der Rückgang der amerikanischen Zinsen verhilft auch dem Euro zu Kursgewinnen. Am Montag kostete die Gemeinschaftswährung bis zu 1,1522 Dollar. Am 19. Februar lag der Euro-Kurs noch auf dem Dreijahrestief von 1,0792 Dollar. Das liegt auch an der überraschenden und in ihrem Ausmaß unerwartet deutlichen Zinssenkung der amerikanischen Notenbank. An den Märkten stellen sich die Anleger im März auf weitere Zinssenkungen der Fed im Ausmaß von 0,8 Prozentpunkten ein. Bis Juli dürfte eine weitere Lockerung folgen und dann der Leitzins (Fed Fund Rate) in der Spanne von 0,0 bis 0,25 Prozent liegen. Dann wäre die Fed wieder beim Nullzins angelangt.

          EUR/USD

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          Da befindet sich die Europäische Zentralbank (EZB) schon mit ihrem Leitzins. Der Einlagensatz, mit dem die Notenbank die von Geschäftsbanken bei ihr angelegten Mittel verzinst, liegt seit September 2019 bei minus 0,5 Prozent. Das bedeutet, die Banken müssen der EZB dafür einen „Strafzins“ zahlen. Viele Möglichkeiten für weitere Zinssenkungen hat die EZB nicht mehr. Das erklärt, warum der Euro aufwertet: Der Zinsvorteil des Dollars schwindet.

          Hinzu kommt der Ölpreiskrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland. Die Vereinigten Staaten gelten als Ölproduzent, weshalb der Ölpreisverfall belastet. Richtig gefährlich wird es am Markt für Unternehmensanleihen, insbesondere im hochverzinslichen Segment der High Yield Bonds. Dieser Markt für Schuldtitel finanzschwacher Unternehmen hat in den Vereinigten Staaten ein Volumen von 440 Milliarden Dollar. Jede zehnte High Yield Bond stammt von einem Unternehmen aus dem Energiesektor, in der Regel Schieferölproduzenten. Diese weisen hohe Schulden auf, und könnten nun von der Corona-Krise sowie dem Ölpreisverfall in die Zange genommen werden.

          Minsky-Moment für High-Yield-Markt

          Deutsche -Bank-Analyst Craig Nicol erkennt einen Minsky-Moment für den High-Yield-Markt. Benannt nach dem amerikanischen Ökonomen Hyman Minsky beschreibt der Minsky-Moment den Zusammenbruch von Vermögenswerten an einem Markt und das Ende einer Wachstumsphase. Vor allem in den Vereinigten Staaten hat sich der Markt für hochverzinsliche Anleihen in den vergangenen Jahren verdoppelt. Nun verlieren die Anleihen der Ölproduzenten an Wert, entsprechend steigen die Risikoaufschläge. Ein Anfang Januar von Range Resources zum Nennwert begebener Titel ist nur noch 65 Prozent wert. Die Rendite liegt bei knapp 20 Prozent.

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