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Strengere Regeln für Manager : London schränkt Boni und Dividenden ein

Blick auf die Londoner City im November 2020 Bild: AFP

Ein Weißbuch, das Wirtschaftsminister Kwasi Kwarteng präsentierte, beinhaltet diverse Reformvorschläge. Auch die Dominanz der vier großen Prüfungsgesellschaften soll reduziert werden.

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          Die britische Regierung plant eine schärfere Regulierung von Boni- und Dividenden-Zahlungen von Unternehmen und will die Regeln für eine verantwortliche Geschäftsführung überarbeiten. Wirtschaftsminister Kwasi Kwarteng präsentierte in einem am Donnerstag veröffentlichten Weißbuch Reformvorschläge. Dazu zählt, dass börsennotierte Großunternehmen mit ungenügenden Liquiditätsreserven künftig keine Boni an Manager und Dividenden an Aktionäre auszahlen dürfen. Falls sich Fehler in der Buchhaltung herausstellen, drohen Managern Strafen sowie die Rückforderung von Boni und in schweren Fällen sogar Berufsverbote.

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Die Reform der britischen Corporate-Governance-Regeln wurde durch mehrere spektakuläre Unternehmenszusammenbrüche ausgelöst, darunter der Kollaps des Baukonzerns und Dienstleisters Carillion vor drei Jahren, der erst noch Rekorddividenden gezahlt hatte und dann Milliarden an Verbindlichkeiten hinterließ. Es gebe „prominente Beispiele, wo erhebliche Dividenden ausgezahlt wurden kurz vor einer Gewinnwarnung und in manchen Fällen sogar einer Insolvenz“, heißt es in dem Weißbuch. Wirtschaftsminister Kwarteng sagte:

          Mehr Chancen für kleinere Prüfgesellschaften

          „Wenn große Unternehmen pleitegehen, dann sind die Konsequenzen weit und breit zu spüren durch Arbeitsplatzverluste, und die britischen Steuerzahler müssen die Rechnung zahlen.“ Fälle wie die Pleiten von Carillion, des Reisekonzerns Thomas Cook oder der Warenhauskette BHS machten auch klar, dass die Wirtschaftsprüfungsregeln reformiert werden müssten.

          Das Weißbuch regt an, die Dominanz der „Großen Vier“ in der Wirtschaftsprüfungsbranche (Deloitte, EY, KPMG und PwC) zu reduzieren, indem auch andere, kleinere Prüfgesellschaften hinzugezogen werden. Zudem sollen die Großen Vier Wirtschaftsprüfung und Unternehmensberatung operativ trennen.

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