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Klimawandel : Finanzkonzerne werden in Neuseeland an die Kandare genommen

  • Aktualisiert am

James Shaw ist Neuseelands Minister für Klimawandel. Bild: AP

Kurz vor dem Gipfel COP26 knöpft Neuseeland sich die Finanzindustrie vor, mehr als 200 Unternehmen sind betroffen. Damit soll beim Klimaschutz deutlich aufgeholt werden.

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          Kurz vor der Klimakonferenz COP26 hat Neuseeland als erstes Land der Welt ein Gesetz erlassen, das Finanzinstitutionen vorschreibt, die Wirkung ihres geschäftlichen Handelns auf das Klima zu berechnen und zu veröffentlichen. Ab dem Haushaltsjahr 2023 (1. April) müssen Banken, Versicherer, aber auch Vermögensverwalter ausweisen, wie sie es auch im Auftrag ihrer Kunden mit dem Klimaschutz halten. „Neuseeland ist auf diesem Feld führend auf der Welt, und wir haben nun die Chance, anderen Ländern den Weg zu ebnen, Klimaberichte verpflichtend zu machen“, sagte James Shaw, Neuseelands Minister für Klimawandel. Im vergangenen Jahr, bei der Vorlage des Gesetzes, hatte Shaw gesagt: „Australien, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Japan und die Europäische Union arbeiten alle an einer Form der Klimarisikoberichterstattung für Unternehmen. Aber Neuseeland ist ihnen voraus, indem es die Offenlegung von Klimarisiken im gesamten Finanzsystem zur Pflicht macht.“

          Mehr als 200 Unternehmen auf den Inseln, unter anderem Banken mit Anlagen oberhalb von einer Milliarde Neuseeland-Dollar (616 Millionen Euro) müssen nun aktiv werden. Die neuen Regeln gelten aber auch für ausländische Banken, die in Neuseeland tätig sind; dazu zählen vor allem die vier börsennotierten Banken des Nachbarlandes Australien, die Commonwealth Bank of Australia, die Australia and New Zealand Banking Group, Westpac Corp und die National Australia Bank. „Klimabezogene Angaben werden Klimarisiken und Widerstandsfähigkeit in den Mittelpunkt jeder finanziellen und geschäftlichen Entscheidungsfindung rücken“, sagte Shaw. „Das Gesetz wird Unternehmen ermutigen, nachhaltiger zu werden, indem sie die kurz-, mittel- und langfristigen Auswirkungen des Klimawandels in ihre Geschäftsentscheidungen einbeziehen.“ Unter dem neuen Gesetz müssen Finanzunternehmen erklären, wie sie Klimarisiken bewerten und damit umgehen. Diese Bewertung ist alles andere als beliebig. Sie muss entlang den Grundsätzen von Neuseelands unabhängigem Buchführungsgremium, dem External Reporting Board, erfolgen.

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