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Staatsverschuldung : Technische Reaktion sorgt für Kursvolatilität

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Bild: FAZ.NET

Mit zum Teil außerordentlichen Kursgewinnen und -verlusten reagieren die Finanzmärken auf Vermutungen und Hoffnungen, Griechenland werde bei der Lösung seiner Finanzprobleme geholfen. Es ist offen, ob das mehr sind als technische Impulse.

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          Mit zum Teil außerordentlich starken Kursgewinnen und -verlusten reagieren die Finanzmärken am Dienstag und Mittwoch auf Vermutungen und Hoffnungen, Europa oder gar Deutschland alleine möge Griechenland bei der Lösung seiner Finanzprobleme helfen.

          Der Kurs griechischer Staatsanleihen legte, gemessen am bis in den Juli des Jahres 2019 laufende Papier mit einem Kupon von sechs Prozent, in den vergangenen beiden Handelstagen um bis zu 6,7 Prozent zu von 94,56 auf bis zu 101 Prozent. Die Rendite fiel von 7,15 Prozent Ende Januar auf zuletzt sechs Prozent.

          Technische Gegenbewegung zu vorhergehenden Kursextremen

          Auf der anderen Seite gerieten die Kurse deutscher Staatsanleihen unter Druck. Der Kurs des Terminkontrakts, der sich auf Papiere mit einer Laufzeit von 30 Jahren bezieht, verlor seit Wochenbeginn bis zu 3,2 Prozentpunkte von 101,88 auf bi zu 98,68 Prozent. Der Kurs des Bund-Futures gab von einem Spitzenwert von 124,53 auf bis zu 122,81 Prozent nach.

          Am Devisenmarkt erholte sich der Euro gegen von Dollar von 1,36 Dollar am Freitag auf zwischenzeitlich bis zu 1,4060 Dollar je Euro. An den Börsen schossen die Kurse nach oben. Der Dax legte seit Freitag 2,6 Prozent zu, während der Kurs des MSCI Euro sogar um knapp drei Prozent stieg.

          Genau an diesem Index lässt sich am Mittwoch auch ablesen, was an den Finanzmärkten im Moment tatsächlich vor sich geht. Denn der Index wird beinahe ausschließlich von den Finanzwerten nach oben gezogen: Der Kurs der Aktie der National Bank of Greece legt am Mittwoch am Mittag im Vergleich mit dem Vortag um etwas mehr als acht Prozent zu, der der Erste Group um fünf Prozent, der der Intesa Sanpaolo um 4,4 Prozent, die der Société Généreale um 4,3 Prozent, auch die der Crédit Garicole und der Unicredit legen um mehr als vier Prozent zu. Auch am deutschen Aktienmarkt liegen die Finanzwerte in der Rangliste der Kursgewinner vorne.

          Das zeigt erstens, dass die Marktteilnehmer kurzfristig in großem Stile zuvor leer verkaufte Papiere, mit denen sie auf fallende Kurse gesetzt hatten, zurückkaufen. Ob die Kursgewinne mehr sind als eine technische Reaktion, ist jedoch offen. Denn sollte Griechenland tatsächlich finanziell geholfen werden, käme das einer Einladung an andere Staaten gleich, das gleiche zu tun, statt finanzpolitische Stabilität und Solidität zu fördern. Tatsächlich müssen nicht nur in den europäischen Randstaaten wirtschafts- und finanzpolitische Strukturprobleme nachhaltig und glaubwürdig bereinigt werden.

          Selbst Deutschland hat deutliche Strukturprobleme

          Sondern selbst in Deutschland sind die Strukturen völlig verzerrt. Das Land gibt schon seit Jahrzehnten mehr Geld aus als es einnimmt. Auch ohne Krise sind die Schulden selbst während der Boomzeiten stetig gewachsen. Längst ist die Zinsbelastung zu einem der größten Budgetposten im Jahreshaushalt geworden. Sollte das Zinsniveau auch nur leicht anziehen, so wird diese Belastung zusammen mit der nun rasant zunehmenden Verschuldung förmlich explodieren.

          Spätestens dann muss es zu ebenso dramatischen Sparbemühungen kommen, wie sie nun in Irland, Lettland, Griechenland, Portugal, Spanien und anderen anstehen. Sozialausgaben in der aktuellen Höhe lassen sich dann genauso wenig finanzieren, wie „die üppige Versorgung“ der Beamten und der Angestellten des öffentlichen Dienstes. Geschweige denn ihre generösen Altersbezüge. Tatsächlich ist Griechenland überall.

          Das wird allerdings nicht einfach werden. In Griechenland streiken schon am Mittwoch die Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes, um gegen die Sparmaßnahmen der Regierung zu protestieren, während man aus Irland und Großbritannien nicht viel hört. Gerade in den bisher verwöhnten Staaten können die Proteste beachtlich werden können. Das ändert allerdings nichts daran, dass es aus finanziellen Gründen zu Ausgabekürzungen kommen muss. Denn die in der Vergangenheit politisch gern genutzten Möglichkeiten, Wachstum auf Pump zu schaffen, sind an ihre natürlichen Grenzen gelangt. Sollten sie überschritten werden, kann das Wirtschafts- und Finanzsystem, an das man sich in den vergangenen Jahrzehnten gewöhnt hatte, völlig aus den Fugen geraten.

          Letztlich stehen auch hinter diesem Debakel die Banken, die in Ländern wie Griechenland und in anderen Kredite in großem Stile Kredite vergeben haben, ohne die Risiken richtig zu bewerten. Die scheinen nun gefährdet zu sein. So mag es nahe liegen, Länder in ihren finanziellen Schwierigkeiten zu helfen, um den ohnehin schon angeschlagenen Finanzinstituten weitere Schwierigkeiten zu ersparen. Das jedoch wäre riskant, führte es doch auch in Zukunft zu riskantem Verhalten dieser Institute. Wieso sollten sie das Spiel mit dem Feuer vermeiden, wenn sie im Notfall letztlich auf die staatliche Feuerwehr vertrauen können? Die inkompetenten Ökonomen, Manager, Anteilseigner und Gläubiger der Banken müssen die Hitze endlich spüren. Nur dann werden sie künftig die Finger von der heißen Herdplatte und von überhitzten Vermögensmärkten lassen.

          Tatsächlich schlummern in den Bankbilanzen weltweit noch große Risiken. Das zeigt sich nicht zuletzt daran, dass die Hauspreisblasen in Kanada, Australien, in Spanien und weiten Teilen Asiens noch lange nicht geplatzt sind. In Spanien ist der Wert der Hauspreise im Januar nach Angaben von Tinsa um weitere 5,5 Prozent gefallen. An der Mittelmeerküste fielen sie sogar um 7,1 Prozent und auf den Balearen um 6,7 Prozent.

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