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Ranking : Die Aktien der Dekade

Fielmann - find' ich gut... Bild: AP

Aktien sind eine Langfristanlage. Zumindest wird das gemeinhin immer wieder behauptet. Wer indes die Zahlen betrachtet, dem mögen Zweifel kommen. Immerhin 26 Aktien aber qualifizierten sich Ende Mai für den Titel der „Aktie der Dekade“.

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          Auf lange Sicht bringen Aktien immer Gewinn. Dieses Argument werden leidenschaftliche Aktionäre nicht müde zu wiederholen. Betrachtet man indes die Werteentwicklung deutscher Aktien in den vergangenen 10 Jahren, so kommen leise Zweifel an der wohlklingenden These auf.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          1964 deutsche Aktien kennt die Datenbank des Finanzdienstleisters Bloomberg. Schließt man indes nur diejenigen ein, die in den vergangenen 10 Jahren Kursgewinne verzeichneten, so reduziert sich die Auswahl sofort auf rund ein Zehntel. Lediglich 191 Aktien notieren derzeit auf höheren Kursen als dies vor 10 Jahren der Fall war.

          Indexwerte schneiden gut ab

          Und nicht in jedem Fall können die Anleger damit glücklich sein, obwohl sie doch wesentlich besser gefahren sind als die Aktionäre der 112 Gesellschaften, deren Kurse um mehr als 99 Prozent gefallen sind und unter denen sich Namen finden, die einmal als Geheimtipps galten wie Heyde, Azego (ACG), Babcock-Borsig, Intershop oder - Arcandor. Doch auch jede Sechste der Gewinner-Aktien brachte noch nicht einmal Kursgewinne in Höhe der Inflation, so beispielsweise die Dax-Mitglieder Bayer, BMW und Metro.

          Bild: F.A.Z.

          Immerhin sind die Index-Werte gut vertreten: Immerhin 30 Prozent der Gewinner-Aktien sind oder waren zu diesem Zeitpunkt in einem der vier großen Indizes Dax, MDax, TecDax oder SDax vertreten. Das ist keine schlechte Bilanz, machen sie doch unter den deutschen Aktien nur wenig mehr als 7 Prozent aus.

          Viele Werte sind wenig liquide

          Doch blickt man genauer auf die Liste, so kommt man ins Grübeln. Fast jede dritte Sieger-Aktie stammt von einem kleinen Unternehmen, dessen Marktkapitalisierung unter 100 Millionen Euro liegt, bei mehr als der Hälfte sind es weniger als 250 Millionen. Das gilt auch für die ersten drei der Liste: Die Aktien von Camera Work, Arques Industries und das Aluminiumwerk Unna verzeichneten Kursgewinne zwischen 1960 und 5100 Prozent, bringen aber zusammen nur ein Gewicht von knapp 400 Millionen Euro auf die Waage.

          Im Falle des Aluminiumwerks Unna kommt hinzu, dass gerade einmal rund 6000 der insgesamt ebenfalls lediglich 1 Million Aktien im Streubesitz ist. 25,1 Prozent halten über einen Verein die Mitarbeiter des Werks, knapp 73 Prozent hält der Vorstandsvorsitzende Thomas Wiese. In den vergangenen 3 Monaten wurden gerade einmal 52 Aktien gehandelt. Insofern ist die Kursentwicklung wenig aussagekräftig.

          Börsenmantel-Effekte

          Sowohl die Aktie von Camera Work als auch die von Arques profitierten auf Sicht von 10 Jahren vor allem von einem Umstand. Im Jahr 2000 waren beide Gesellschaften noch Börsenmäntel. So wurde 2003 aus der früheren Nordhäuser Tabakfabrik Camera Work. Schon ein Jahr zuvor war aus dem 1900 gegründeten Kurmittelbetrieb der Stadt Bald Salzschlirf, die 2001 in die Insolvenz gegangen war, die Beteiligungsgesellschaft Arques Industries geworden.

          Gerade dies zeigt, dass eine gute langfristige Wertentwicklung nicht unbedingt aussagekräftig hinsichtlich der Qualität des Investments ist. Denn der Kurs der AG Bald Salzschlirf hatte im Jahr 2000 bei 0,12 Cent gelegen. Erst am 16. Dezember 2003 wurde aus dem Unternehmen Arques Industries. Da lag der Kurs schon bei 1,08 Euro und bei drei Viertel des heutigen Werts. Dieser liegt unter dem Niveau des Jahresendes 2003 und hat sich dabei schon erholt. Aufstieg und Fall liegen nahe beieinander: Im September 2007 hatte Arques sogar die MDax-Mitgliedschaft erhalten. Neun Monate später war dies vorbei, mittlerweile ist die Aktie auch nicht mehr im SDax notiert.

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