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Luxemburg : Schwere Zeiten für Bankhäuser

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Sinnbild einer Berufsgruppe auf Luxemburgs Finanzplatz Kichberg: Der „Lange Banker“ Bild: Zimmermann, Julia

Die Zahl der Banken in Luxemburg wird schrumpfen. Liegt das am automatischen Steuer-Austausch der EU-Staaten? Der luxemburgische Bankenpräsident sieht andere Gründe - und bleibt optimistisch.

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          Als Ende Juni das Düsseldorfer Bankhaus HSBC Trinkhaus & Burkhardt AG den Rückzug vom Finanzplatz aus Luxemburg ankündigte, fühlte sich manch Pessimist im Großherzogtum bestätigt. Die Ankündigung der Regierung, sich nach 2014 am grenzüberschreitenden automatischen Austausch der Steuerbehörden der EU-Staaten über Zinserträge ausländischer Anleger zu beteiligen, schien Wirkung zu zeigen.

          Dass die Zahl der in Luxemburg ansässigen Banken weiter schrumpfen wird, gilt zwar als sicher. Dies liege jedoch weniger an verängstigten Steuerflüchtlingen, die nun das Weite suchten, sagt Ernst Wilhelm Contzen. Er verweist auf die seit längerem laufende Neuordnung der Branche mit verschärften Aufsichtsregeln. Der Bankmanager steht seit 1998 an der Spitze der Deutschen Bank Luxembourg S.A., die mit einer Bilanzsumme von 85,3 Milliarden Euro auch 2012 mit großem Abstand vor der Caceis Bank Luxemburg (47,6 Milliarden Euro) Marktführer war.

          „Wir blicken zuversichtlich in die Zukunft“

          Contzen, seit drei Jahren auch Präsident der luxemburgischen Bankenvereinigung (ABBL), zeigt sich durch die Unkenrufe im In- und Ausland unbeeindruckt. „Wir blicken zuversichtlich in die Zukunft“, sagt der gebürtige Rheinländer, der seit kurzem auch die luxemburgische Staatsangehörigkeit besitzt. Er bestreitet nicht, dass nach der Einführung der deutschen Abgeltungssteuer im Jahr 1992 viele verschreckte Anleger ihre Ersparnisse - meistens Beträge zwischen 200.000 und 500.000 - in Luxemburg untergebracht hätten.

          Schon seit den sechziger Jahren habe der Finanzplatz jedoch seine Position als führender Standort für die internationale Fondsindustrie gefestigt. 320 Versicherungsgesellschaften seien inzwischen in Luxemburg präsent. „Auf Privatkunden entfallen heute nur 20 Prozent des gesamten Geschäftsvolumens“, erläutert Contzen.

          In den neunziger Jahren tummelten sich in Luxemburg noch 220 Institute. Nach einer Übersicht der luxemburgischen Bankenaufsichtsbehörde (CSSF) waren es zuletzt noch 141, darunter nur vier einheimische Geldinstitute. Der düsteren Prophezeiung, wonach sich die Zahl der Banken in den kommenden Jahren halbieren werde, teilen die Aufseher nicht- Die Zeitung „Tageblatt“ zitierte CSSF-Präsident Jean Guill mit den Worten: „Wir rechnen nicht mit einer solche starken Tendenz.“.

          Contzen, der als Leiter der Niederlassung der Deutschen Bank in Luxemburg auf mehr als 300 Mitarbeiter zählen kann, zeigt sich in seiner Eigenschaft als Verbandspräsident vor allem besorgt über das Schicksal der kleineren Institute. 50 Banken - mehr als ein Drittel - zählten weniger als 50 Mitarbeiter. Für sie werde es immer schwieriger, die wachsenden internationalen und einheimischen Regulierungsauflagen zu erfüllen.

          Dass Luxemburg ein Drehkreuz beim Vertrieb von Finanzprodukten bleiben wird, steht für Contzen fest. „In Luxemburg werden Kundenvermögen im Umfang von insgesamt 2,6 Billionen Euro verwaltet. Die Kunden haben also großes Vertrauen in die luxemburgische Fondsindustrie und sind der Überzeugung, dass ihr Vermögen hier gut verwaltet wird“, sagt der Bankmanager.

          Die „geographische Risikostreuung“ als Argument für Stabilität

          Routiniert rasselt er die Vorzüge des Bankenplatzes herunter: rasche Umsetzung von Regelwerken, gut qualifiziertes, vielsprachiges Personal, Abkommen mit derzeit 63 Staaten zur Vermeidung von Doppelbesteuerung sowie eine breite, ständig überarbeitete Palette von Finanzprodukten.

          Als Argument für die Stabilität des Bankenplatzes Luxemburg führt Contzen die „geographische Risikostreuung“ mit Tochtergesellschaften aus ganz Europa, Nord- und Südamerika, aber auch dem asiatisch-pazifischen Raum an. Unfair findet er es, die Glaubwürdigkeit des Bankenplatzes durch einen Vergleich der Bilanzsumme der Banken mit dem Bruttoinlandsprodukts des Großherzogtums anzuzweifeln.

          „Unser Markt ist der europäische Binnenmarkt mit 500 Millionen Verbrauchern. Das ist der richtige Vergleich. Man stellt doch auch keinen Zusammenhang zwischen dem Umsatz des Volkswagen-Konzerns und der niedersächsischen Wirtschaftsleistung her“, sagt Contzen.

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