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Im Gespräch: William White : „Defizite und Schulden ohne Ende sind nicht möglich“

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William White Bild: Privat

Die Anleger hoffen auf Geldspritzen der amerikanischen Zentralbank. Mehr Geld zu drucken und höhere Schulden zu machen, sei aber riskant, erklärt William White, der ehemalige Chefökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich.

          Die Anleger hoffen auf weitere Geldspritzen der amerikanischen Zentralbank. Angesichts der schwachen Konjunkturdaten sei die Wahrscheinlichkeit beachtlich, dass es dazu kommen werde, erklärt William White, der ehemalige Chefökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich.

          Dabei hätten traditionelle makroökonomische Instrumente ihre Wirkungsgrenze erreicht, erklärt er weiter. Es sei nicht nur fragwürdig, mehr Geld zu drucken und höhere Staatsschulden zu machen, sondern riskant. Denn die Inflationserwartungen könnten urplötzlich außer Kontrolle geraten und die Zinsen deutlich steigen lassen.

          Die wirtschaftliche Lage sei sehr fragil. In erster Linie weil die Probleme, die in die Krise geführt hätten, noch nicht gelöst seien. Die Ungleichgewichte seien noch da, die Vermögenspreise im Verhältnis zu fundamentalen Kriterien in vielen Staaten noch zu hoch et cetera. Er klagt zudem, es gebe keinen Konsens in Währungsfragen. Aus symbolischer Sicht seien die jüngsten Interventionen Japans sehr signifikant. Sie zeigten, dass tatsächlich ein Währungskrieg vor sich gehe. Anleger macht er darauf aufmerksam, dass Pimco von Anleihen auf andere Anlageklassen umschwenke. Die Beimischung von Gold zum Depot hält er für sinnvoll.

          Interessant sei angesichts der tiefen Zinsen, wie wenig über die Verteilungseffekte berichtet werde. Dabei würden Sparer enteignet und Schuldner subventioniert. Sollten die Zinsen lange tief bleiben, gerieten Pensionskassen, Versicherungsunternehmen und viele Firmen unter Wasser. White hat die jüngste Finanzkrise kommen sehen und lange vergeblich vor ihr gewarnt.

          Wieso steigen die Rohstoffpreise so stark?

          Es gibt dafür verschiedene Gründe. Da die Rohstoffe in Dollar gehandelt werden, ist der erste der Wertverlust des Dollars, der unter anderem von der Aussicht auf eine weitere geldpolitische Lockerung der amerikanischen Zentralbank ausgelöst wird. Weiterhin ist die Nachfrage aus China nach Rohstoffen sehr groß, während es auf der Angebotsseite Probleme gibt. Im Nahrungsmittelbereich machen sich beispielsweise die Dürrenperioden in Russland, Australien und anderen Regionen bemerkbar. Erst jüngst musste das amerikanische Landwirtschaftsministerium die Ernteschätzung für Mais stark nach unten anpassen.

          Spielt die Finanzspekulation eine Rolle ?

          Ich bin nicht sicher. Die OECD hat zwar eine große Studie veröffentlicht, nach welcher sie keine signifikante Rolle spiele. Spekulation führe zwar zu zunehmender Volatilität, könne die Preisentwicklung jedoch nicht im Trend beeinflussen. Allerdings hatte ich bisher keine Gelegenheit, mir diese Studie genauer anzuschauen. Viele Leute wollen das Ergebnis der Studie so nicht glauben.

          Glauben Sie, dass die amerikanische Zentralbank die Geldpolitik weiter lockern wird?

          Das kommt darauf an, wie in den Vereinigten Staaten die Konjunkturzahlen ausfallen werden. Ich habe mehrere Präsentationen von Notenbankgouverneur Ben Bernanke gehört. Jüngst in Jackson Hole hat er sehr deutlich gemacht, dass er mehr tun wird, falls es erforderlich sein sollte. Da die Daten im Moment nicht gut aussehen, ist die Wahrscheinlichkeit dafür beachtlich.

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