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Im Gespräch: William White : „Defizite und Schulden ohne Ende sind nicht möglich“

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Schauen sich doch bitte die Risikoindikatoren an. Die Volatilitäten und die Spreads sind dramatisch gefallen. Ist das zu schön, um wahr zu sein?

Ich denke, marktbasierte Risikofaktoren sollten nur beachtet werden, wenn ihre Vorzeichen wechseln. Denken sie nur zurück an die Jahre 2006 und 2007, bevor die Krise zuschlug. Alle Indikatoren für Marktrisiken waren sehr, sehr tief und erweckten den Eindruck, es gebe keine Risiken. Das war unglaublich, wenn man bedenkt, was danach passierte. Sobald die Märkte keine Risiken mehr einpreisen, ist es Zeit, sehr nervös zu werden.

Die Volatilität als Kontraindikator?

Ja, effektiv. Aus zyklischer Perspektive scheinen die Märkte systematisch daneben zu liegen.

Was heißt das für die Risikomodelle der Banken?

Wenn sie zu kurze Zeitreihen nehmen oder Daten aus Perioden, in welchen alles gut lief, werden sie mit Value-At-Risk-Modellen kaum Probleme sehen. Es ist schon nötig, lange Zeitreihen zu nutzen. Manche erklären sogar, selbst das sei nicht gut genug und man solle Stress-Tests mit radikalen Szenarien nutzen.

In Europa wurden jüngst Stresstests für die Banken durchgeführt. Waren sie hart genug?

Ich habe es nicht genau verfolgt. Manche argumentieren, die Annahmen für mögliche Ausfälle von Staatsanleihen in europäischen Randstaaten seien nicht angemessen gewesen. Auf der anderen Seite waren die makroökonomischen schon sehr anspruchsvoll.

Was würden sie im Moment als Privatanleger tun. Würden sie auf diesem Niveau noch Anleihen kaufen ?

Ich möchte nicht über mein persönliches Portfolio reden. Interessant ist jedoch, dass Pimco, der größte Rentenfondsmanager der Welt, seine Anlageorientierung ausweitet. Weg von Anleihen und hin zu einer ganzen Reihe anderer Anlageklassen. Das spricht für sich.

Interessant ist angesichts der tiefen Zinsen, wie wenig über die Verteilungseffekte berichtet wird. Denn im Kern werden die Sparer enteignet, um die Schuldner zu subventionieren. Es wird unterstellt, günstige Kredite förderten den Konsum und damit das Wachstum. Man könnte jedoch auch anders herum argumentieren. Wären die Zinsen hoch, hätten die Sparer höhere Einnahmen und könnten sie ausgeben.

Abgesehen davon werden die Banken mittels tiefer Zinsen auf Kosten der Versicherungsunternehmen und der Pensionsfonds rekapitalisiert. Diesen fehlen die Erträge. Sollten die Zinsen lange Zeit so tief bleiben, gingen zumindest in Großbritannien viele Firmen pleite, weil ihre Pensionsfonds unter Wasser gerieten.

Würden Sie Gold kaufen?

Ich denke, wir leben in einer Welt, in der für unwahrscheinlich gehaltene Ereignisse häufiger auftreten, als gemeinhin angenommen. In diesem Umfeld ist es in meinen Augen sinnvoll, Gold zu haben. Wann man es kauft und wieviel - diese Frage übersteigt meinen Horizont.

Deutet die Preisentwicklung auf eine Blasenbildung hin?

Der Goldpreis liegt im Moment bei 1.370 Dollar je Feinunze. Rechnet man frühere Preisspitzen in aktuelle Dollars um, so lägen sie heute bei etwa 2.000 Dollar. Das heißt, Gold kann noch viel teurer werden. Sollte es jedoch zu einem globalen Wirtschaftskollaps kommen, geriete der gesamte Rohstoffbereich unter Druck.

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