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Im Gespräch: William White : „Defizite und Schulden ohne Ende sind nicht möglich“

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Was muss sich ändern - und gibt es eine Institution, die die Initiative übernehmen könnte?

Der Internationale Währungsfonds (IWF) bietet sich förmlich dafür an, die Effekte binnenwirtschaftspolitischer Strategien auf andere Länder zu erläutern. Er würde den Amerikanern erklären, ihre Politik der tiefen Zinsen und des Gelddruckens treibe Zinsen sowie Rohstoffpreise nach oben und führe zu Vermögenspreisblasen im Ausland. Auf der anderen Seite würden sie China und anderen Staaten, die ihre Währungen künstlich schwächen, die Konsequenzen klar machen, die andere tragen müssen. Wenn China den Yuan aufwerten ließe, könnte Amerika mehr exportieren, bräuchte keine tiefen Zinsen et cetera. Allerdings hat der Währungsfonds so gut wie keine Durchsetzungsmöglichkeiten und ist darauf angewiesen, überzeugend darlegen zu können, dass ein gut funktionierendes, internationales Wirtschafts- und Finanzsystem in aller Interesse wäre.

Also hängst alles vom politischen Einfluss ab?

Absolut. Das Problem ist, dass die Schwellenländer denken, der IFW werde von den Industriestaaten in ihrem eigenen Sinne verwaltet, da sie im Vorstand unterrepräsentiert sind und zu wenig Einfluss haben. Ich denke, gerade die Europäer sollten selbst konzentrierter auftreten und einige ihrer Sitze abtreten. Das könnte ihren Einfluss, der im Moment vergleichsweise gering zu sein scheint, sogar steigern. Die Europäer sollten sich die Zusammenarbeit in und das Auftreten der Europäische Zentralbank als europäische Institution als Vorbild nehmen.

Wie würden Sie die wirtschaftliche Lage beschreiben?

Sie ist sehr fragil. In erster Linie weil die Probleme, die uns in die Krise geführt haben, noch nicht gelöst sind. Die Ungleichgewichte sind noch da, die Vermögenspreise sind im Verhältnis zu fundamentalen Kriterien in vielen Staaten noch zu hoch ...

... Sie meinen die Immobilienpreise?

Ja. In Ländern, in welchen die Banken nicht so stark von der Krise getroffen wurden, sind die Immobilienpreise höher als vor der Krise und in den Schwellenländern steigen sie stark.

Manche erklären, wir hätten Immobilienblasen in Kanada und in Australien ...

Ja, mit Sicherheit. Und auch in Norwegen, Schweden sowie in vielen anderen Ländern, in denen das Problem nicht so schnell verschwinden wird.

Wie sieht es aus mit den Banken?

Manche haben sich in den vergangenen Jahren vergleichsweise erfolgreich rekapitalisiert. Ich denke, die meisten großen Banken werden die Basel-III-Kapitalanforderungen vergleichsweise komfortabel erfüllen.

Genügen die?

Mit dieser Frage kommen wir zurück zu vielen der angesprochenen Probleme. Denn Kapital kann in einer Krise sehr schnell verschwinden und knapp werden. Ich fürchte, es schwirren zudem noch viele dieser toxischen Papiere herum, die bis jetzt nicht sauber neubewertet wurden. In vielen Staaten sind die Immobilienpreise bisher nicht auf das Niveau gefallen, auf das sie eigentlich gehören. Im nächsten Abschwung können zudem viele der im Moment als gesund betrachteten Kredite „sauer“ werden. Insgesamt mögen wir besser als vorher dastehen. Aber ich würde nicht die These aufstellen, alles sei gut. Das Finanzsystem muss weiterhin sehr sorgfältig beobachtet werden.

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