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Im Gespräch: William Black : „Die Lehman-Pleite war vorsätzlicher Betrug“

  • Aktualisiert am

William Black, Wirtschafts- und Juraprofessor - ehemaliger Regulator Bild: Privat

Angesichts der Schuldenkrise geraten die eigentlichen Ursachen für die Kreditkrise beinahe in Vergessenheit. Dabei geht sie auf Betrug zurück, erklärt Professor Bill Black. Finanzoligarchen bereicherten sich in großem Stile.

          9 Min.

          Angesichts der Schuldenkrise geraten die eigentlichern Ursachen für die Kreditkrise beinahe in Vergessenheit. Dabei geht sie auf Betrug zurück, erklärt Bill Black, Wirtschafts- und Juraprofessor sowie ehemaliger Regulierer.

          Finanzoligarchen bereicherten sich nicht nur in der Vergangenheit in großem Stile auf Kosten der Allgemeinheit, sondern sie tun das heute noch.

          Wie fühlten Sie sich vor wenigen Tagen an der Seite von Richard S. Fuld* und Thomas Cruikshank** vor dem Finanzkomitee des amerikanischen Repräsentantenhauses zur Untersuchung der Pleite von Lehman Brothers - kam die Wahrheit zu Tage?

          Ich bin sicher, daß sie vieles sagten, was falsch war. Richard Fulds Darstellung des Falles jedenfalls hatte kaum etwas zu tun mit der Realität.

          Bild: Deutsche Bank

          War Fuld schon als Boss von Lehman fern der Wirklichkeit?

          Nein, sondern er verfolgte eine Strategie, die von vorneherein und absehbar desaströs war.

          Wie fiel die Reaktion der Komiteemitglieder auf seine Präsentation aus?

          Es wurde viel Zeit verschwendet mit parteiischem Gezänke. Herr Fuld wurde nicht ernsthaft befragt. Denn die Fragen kamen nicht von den Experten im Hintergrund und Folgefragen waren kaum erlaubt. Im Kern war es ein Theaterspiel.

          Sie spielten eine große Rolle, indem sie eine aggressive Präsentation (Video!) ablieferten. Wurde jemand aufgeweckt?

          Ja, ich denke schon. Denn die Teilnehmer solcher Anhörungen sind nicht an Zeugen gewohnt, die offen, direkt reden, die die Fakten effektiv analysiert haben und die keine konkreten politischen Ziele verfolgen.

          Können solche Präsentationen Meinungen ändern?

          Nur allmählich. Ich führte zum Beispiel in einem Interview mit Bill Moyers vor etwa einem Jahr die Metapher ein, nach Flugzeugunfällen tue man gerade das Gegenteil dessen, was Präsident Obama damals mit Bezug auf die Finanzkrise erklärte: Man wolle nicht zurückschauen und parteipolitisch nach Schuldige suchen, sondern nach vorne blicken. Hätte man sich so in der Luftfahrt verhalten, wäre sie nicht zum sichersten Verkehrsmittel schlechthin geworden. Aus diesem Grund müssten wir in der Finanzbranche genau so gründlich wie dort verfahren und die Ursachen für die Krise detailliert untersuchen. Inzwischen nutzte sogar Finanzminister Tim Geithner in seiner jüngsten Aussage vor dem House-Comitee dieses Bildnis.

          Was würde das praktisch bedeuten?

          Wir müssen vorgehen wie während der Sparkassenkrise der 80er und 90er-Jahre. Damals sezierten wir jeden Einzelfall und versuchten Verhaltensmuster zu identifizieren. Tatsächlich haben wir solche gefunden, die nur schlüssig waren, wenn die Manager der beteiligten Institute in den Betrug verwickelt waren. Auf dieser Basis konnten wir Regeln entwickeln, die eine weitere Verbreitung der Betrügereien verhindern konnten.

          Ist das ein Ansatz, der sich durchsetzen wird?

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