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Im Gespräch: William Black : „Die Lehman-Pleite war vorsätzlicher Betrug“

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Was bedeutet das für Goldman Sachs, welche Konsequenzen kann es haben?

Das bedeutet viel, abhängig davon wie es weitergeht. Denn die Geschäfte, um die es geht, sind groß genug. Unter Umständen auch für John Paulsen, sollte man ihm das Wissen nachweisen können, dass Goldman seine Kunden falsch informierte. Sollte Goldman zur Zahlung von Entschädigungen verpflichtet werden, könnte das große Teile der Gewinne aufzehren - alleine aufgrund dieses einen Geschäftsvorfalls. Allerdings tätigte Goldman über seine Vehikel viele andere Geschäfte dieser Art.

Was heißt das generell?

Viele Fälle dieser Art und die darin verwickelten Unternehmen sind bisher nicht ernsthaft untersucht worden. Schauen wir auf die wesentlichen Marktteilnehmer - so finden wir Betrug bei Lehman Brother und wir stoßen auf klassischen Bilanzbetrug bei Washington Mutual, der sich über Jahre hinzog. Citicorp verkaufte Jahr für Jahr riesige Beträge - von 50 Milliarden Dollar und mehr jährlich - an „Nicht-Premium-Vermögenswerten“ mit der Garantie, sie seien auf Basis der eigenen Kreditvergabestandards zustande gekommen und entsprechend guter Qualität. Interne Untersuchungen zeigten schon früh, dass das bei 60 Prozent der Werte nicht der Fall war. Entsprechende Warnungen jedoch wurden vom Top Management ignoriert, unter anderem auch von Robert Rubin. Mit der Folge, dass der Anteil verkaufter Vermögenswerte, der nicht den Qualitätskriterien des eigenen Hauses entsprach, sogar auf 80 Prozent zunahm.

... und, wer kaufte so schlechte Produkte?

Vor allem Freddie Mac und Fannie Mae! Folglich brauchte man sich grundsätzlich nicht zu wundern, wenn Fannie und Freddie Citicorp auffordern würde, hunderte Milliarden Dollar an unter betrügerischen Umständen verkauften toxischen Papieren dieser Art zurückzukaufen.

Taten sie das?

Nein, bisher nicht. Die amerikanische Regierung zögert, Fannie und Freddie zu ermuntern, von Citi und anderen Verkäufern toxischer Papiere den Rückkauf zu verlangen, weil sie die Konsequenzen fürchtet. Stattdessen hat sie am Heiligabend des vergangenen Jahres unlimitierte Staatsgarantien für Fannie und Freddie ausgesprochen. Das heißt, die amerikanischen Finanzinstitute können ihren toxischen Müll nun bei diesen beiden Instituten abladen. Nur so können sie behaupten, die Krise sei vorbei, können auf dem Papier wieder große Gewinne ausschütten und den Managern riesige Boni ausschütten.

So werden die Oligarchen der Finanzindustrie geschützt. Nicht nur die Lehmans, die Countrywides, die Washington Mutuals, die Citicorps, die Goldmans und andere, sondern auch Fannie und Freddie waren in betrügerische Aktivitäten verwickelt. Die Wertpapieraufsicht SEC fand schon früh heraus, dass die beiden Immobilienriesen ihre Bücher gefälscht hatten. Später begannen die dann, Rekordbeträge an toxischen Wertpapieren aufzukaufen. Und was ist bisher passiert? - Keine Festnahmen, keine Anklagen, keine Verurteilung. Nicht einer ist verurteilt worden, der in führender Position für diese toxischen Geschäfte verantwortlich war. Die Oligarchen setzen ihre Betrügereien heute noch fort.

Wer sind denn diese „Oligarchen“?

Es handelt sich im Kern um die 13 Banken, die zu den entscheidenden Krisensitzungen ins Weise Haus eingeladen wurden und einige andere global bedeutende Institute. Sind diese in irgendeiner Form diskreditiert worden? Nein - im Gegenteil, sie tun heute noch dasselbe wie früher und werden sogar zur politischen Beratung herbeigezogen.

* früherer Chairman and Chief Executive Officer von Lehman Brothers

** früheres Mitglied des Board of Directors und Vorsitzender des Lehman Brothers' Audit Committees

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