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Im Gespräch: Professor James Galbraith : „Krise geht auf institutionalisierten Betrug zurück“

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James Galbraith Bild: Privat

Betrügerisches Verhalten der Führungsriege von Finanzunternehmen führte in die Finanzkrise, erklärt Professor James Galbraith. Die Krise sei nicht vorbei. Er wundert sich, dass es nicht längst zu einer massiven Klagewelle gekommen ist.

          Betrügerisches Verhalten der Führungsriege von Finanzunternehmen führte in die Finanzkrise, erklärt Professor James Galbraith von der University of Texas in Austin. Die Wirtschafts- und Finanzkrise sei noch lange nicht vorbei, da der konjunkturellen Erholung einige Hindernisse entgegenstünden.

          Galbraith fragt sich, wieso es nicht längst zu einer massiven Klagewelle gegen jene Finanzinstitute gekommen ist, die schlechte Produkte auf betrügerische Art und Weise verkauften. Und wieso sind die deutschen Staatsanwälte nicht längst aktiv geworden?

          Der Finanzsektor müsse außerdem stark restrukturiert werden, erklärt er weiter. Die Banken seien zu groß und betrieben in ihrer gegenwärtigen Form Raubbau an den verschiedenen Volkswirtschaften.

          An den Börsen steigen die Kurse, weil Aktionäre optimistisch sind. Sind Sie es auch?

          Kommt darauf an. Unternehmen können hohe Gewinne erzielen, ohne dass sich die Wirtschaft gut entwickeln muss. Abgesehen von verschiedenen, kurzfristigen Aufholprozessen stehen der konjunkturellen Erholung einige Hindernisse entgegen. Erstens die hohe Arbeitslosigkeit und zweitens die katastrophale Lage am amerikanischen Häusermarkt. Unternehmen können sich zwar vergleichsweise robust entwickeln. Der Bevölkerung dagegen wird es auf absehbare Zeit kaum besser gehen.

          Die Gewinnmargen der Unternehmen sind im Vergleich zur historischen Norm sehr hoch. Werden sie zu ihrem Mittelwert zurückkehren?

          Die Wahrscheinlichkeit dafür ist groß. Denn es gibt viele Hinweise, die gegen einen neuen Wirtschaftsboom in den Vereinigten Staaten sprechen.

          Welche sind das?

          Die hohe Arbeitslosigkeit, der schwache Häusermarkt und nicht zuletzt auch die demographische Entwicklung. Gerade der ältere Teil der Arbeitnehmer ohne Job wird große Schwierigkeiten haben, wieder unterzukommen. Diese Tendenz war zwar schon länger absehbar, durch die Rezession hat sie sich beschleunigt.

          Was würden Sie ändern, wenn Sie das Sagen hätten?

          Zunächst müsste man älteren Arbeiternehmern den Weg zur Pensionierung erleichtern, damit sie mit den jüngeren nicht mehr um Arbeitsplätze konkurrieren. Zweitens müsste man mit Blick auf die komplizierten Verhältnisse am Immobilienmarkt dafür sorgen, dass möglichst viele Leute in ihren Häusern und in funktionierenden Kommunen verbleiben können. Die massive Zwangsvollstreckungswelle schädigt das Umfeld.

          Das kann teuer werden für die öffentlichen Kassen.

          Sicher, aber öffentliche Gelder sollten dort eingesetzt werden, wo sie am dringendsten benötigt werden. Tatsächlich müssen diese Leute ohnehin irgendwie ernährt und untergebracht und dafür öffentliche Gelder eingesetzt werden. Die entscheidende Frage ist nur, ob sie sinnvoll verwendet werden.

          Aber der amerikanische Staat hat doch schon ernorme Schulden!

          Es ist frustrierend wahrzunehmen, wie viele Leute über Schulden denken. Manche glauben sogar, der amerikanischen Regierung werde das Geld ausgehen oder sie werde sich nicht mehr refinanzieren können. Im Gegensatz zu Irland, das die eigene Währung nicht mehr kontrollieren kann, trifft das für Amerika einfach nicht zu.

          Sie meinen, die amerikanische Zentralbank kann einfach das notwendige Geld drucken?

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