https://www.faz.net/-gv6-t5bd
 

Im Gespräch: Professor James Galbraith : „Krise geht auf institutionalisierten Betrug zurück“

  • Aktualisiert am

Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass die amerikanische Zentralbank viele dieser Papiere übernimmt. Was bedeutet das für die Qualität ihrer Bilanz?

Ich denke, die Buchprüfung, die vom Kongress angeordnet wurde, wird es zeigen.

Was wird passieren, wenn sie viele Papiere miserabler Qualität gekauft haben sollte?

Es wird wieder die Frage aufkommen, wer letztlich die Verluste zu tragen und die notwendigen Abschreibungen vorzunehmen haben wird. Sollte sich zeigen, dass die von Banken als Sicherheiten hinterlegten Papiere nicht das wert sind, was sie sein sollten, könnte die Zentralbank die auf ihrer Basis vergebenen Kredite zurückrufen. Insgesamt wird sich die Restrukturierung des Finanzsektors so oder so nicht ewig aufschieben lassen.

Im Moment wird darüber diskutiert, die Rolle der amerikanischen Zentralbank - sie hat Vollbeschäftigung, bei solidem Wachstum, vernünftiger Produktivitätsentwicklung und angemessener Preisentwicklung als Ziel - zu verändern. Was denken Sie darüber?

Ich halte den Angriff von politisch rechter Seite mit obskurem Ziel für gefährlich. Denn wäre er erfolgreich, würde er dem Kongress das Recht nehmen, routinemäßig Fragen zu stellen. Sinn und Zweck des Humphrey-Hawkins-Gesetzes war es, einen Rechnungslegungsrahmen zu schaffen und nicht, die Zentralbank zu beeinflussen. Nachdem ich damals sowohl die Gesetzesvorlage geschrieben als auch die damit verbundenen Anhörungen organisiert habe, war man gemeinhin der Meinung, der geldpolitische Prozess sei erfolgreich geregelt worden. Die Federal Reserve findet die Anhörungen nützlich, weil sie in diesem Rahmen der Öffentlichkeit ihre Strategie regelmäßig kommunizieren kann. Der Kongress schätzt sie, weil er Fragen stellen kann, sobald er sie für sinnvoll hält. Insgesamt halte ich neue Diskussionen darüber nicht für durchdacht.

Oft sorgt das Verhältnis und die personelle Verflechtung zwischen der Zentralbank und privaten Unternehmen für Bedenken.

Tatsächlich sitzen in den Direktionen der regionalen Zentralbanken viele Banker. Das war zwar schon immer so, unter dem Aspekt unabhängiger Staatsführung jedoch ist das ein Problem. Ich zähle mich grundsätzlich nicht zu Verschwörungstheoretikern. Faktisch jedoch sah die Federal Reservebank von New York ihre primäre Rolle in der Krise darin, die Banken zu stützen. Das jedoch war nicht notwendigerweise die richtige Entscheidung, um der amerikanischen Wirtschaft weiterzuhelfen..

Wollen Sie damit sagen, sie hätte sich falsch verhalten?

Nachdem die Obama-Adminstration ins Amt kam gekommen war und nachdem der damalige Präsident der New Yorker Fed Finanzminister wurde, sorgten sie zuerst für das Überleben der Banken. Dabei ging es sowohl bei den Stresstests, bei der Nullzinspolitik und auch bei der Behinderung der Bankenaufsicht darum, durchzugreifen. Man wollte den Banken die Gelegenheit geben, aus ihrer Misere herauswachsen zu können. Die entsprachen jedoch nicht diesen Erwartungen. In diesem Sinne war die Regierungsstrategie eine Fehlzündung und stellte das politische Fundament für alle Fehlentscheidungen dar, die folgten. In der Öffentlichkeit konnte so der Eindruck entstehen, die Obama-Administration sei zum Werkzeug der Wall Street verkommen.

Wo führt das hin?

Ich denke, wir befinden uns mitten in einem politischen Veränderungsprozess in den Vereinigten Staaten. In zwei Jahren werden die Republikaner sehr wahrscheinlich sowohl die Mehrheit im Senat als auch das Weise Haus übernehmen und damit die gesamte Regierung kontrollieren.

Dann hätten die Banken endgültig wieder Oberhand und könnten die Märkte inflationieren?

Ja, sie wären „high“. Ob das gut wäre für die Volkswirtschaft ist eine andere Frage. Denn die deflationären Kräfte sind so immens, dass ich nicht zu viel Geld auf Risiko setzen würde.

Topmeldungen

Erledigen Sie die Spieler des gegnerischen Teams: Szene aus dem Handyspiel Call of Duty Mobile

Anschlag von Halle : Vom Ballerspiel zum Mordanschlag

Stephan B. wollte seine Attacke in Halle aussehen lassen wie ein Videospiel. Eine Spurensuche in einer Welt, in der alles nur ein Witz sein kann – oder bitterer Ernst.
Solaranlage im niedersächsischen Stedebergen

Internationale Energieagentur : Solarstrom auf der Überholspur

In den kommenden Jahren dürfte die Erzeugung von Ökostrom laut Internationaler Energieagentur kräftig zulegen – vor allem in China. Doch in anderen Bereichen bleibt die Entwicklung hinter den Erwartungen zurück.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.