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Im Gespräch: Professor James Galbraith : „Krise geht auf institutionalisierten Betrug zurück“

  • Aktualisiert am

Sie meinen die Bank of America?

Ja, genau.

Die Banken verhalten sich nach der Krise, als ob nichts passiert wäre . ..

... wann hat eine Bank zuletzt einen größeren Kredit vergeben?

Keine Ahnung, ich dachte bei der Frage primär ans Investmentbanking.

Sollte die Regierung ein Interesse daran haben, solche Geschäfte zu fördern? Ich denke nein. Die Regierung interessiert sich in erster Linie für die Versorgerfunktion der Banken. Die zeichnet sich durch die Sicherstellung der Zahlungsströme und die Vergabe von Krediten an Unternehmen der Realwirtschaft aus. Die Spekulationstätigkeit der Banken ist kein Argument, das für sie spricht. Im Gegenteil: Die Tatsache, dass die Banken wieder wie wild spekulieren, statt Kredite zu vergeben, zeigt, dass die Regierungspolitik in dieser Beziehung ein Desaster ist.

Wird das so weitergehen?

Ich fürchte schon. Die Banken werden künftig zwar mit der Zeit auch wieder mehr Kredite vergeben. Die Tatsache aber, dass der Finanzsektor Raubbau am restlichen Teil der Volkswirtschaft betreiben kann, ist ein wesentlicher Teil unserer Grundprobleme. Man kann sich zum Beispiel die Frage stellen, wieso die Spitzenbanker so riesige Gehälter beziehen. Ganz einfach, weil die Banken groß sind. Empirisch lässt sich ein Zusammenhang zwischen der Größe einer Organisation und den Gehältern ihrer Manager nachweisen. Die Öffentlichkeit dagegen hat absolut kein Interesse an großen Banken.

Wird uns das Verhalten der Banken in die nächste Blase und nächste Krise führen?

Wir haben die aktuelle Krise noch gar nicht verlassen. Seit 30 Jahren wurde das Wachstum in diesem Land in Zyklen immer wieder mit größerer Ausweitung der Kreditvergabe stimuliert. Die jüngste Expansionsrunde dieser Art setzte auf eine korrupte Industrie auf. Genauer gesagt meine ich damit die Hausfinanzierungsbranche. Der Markt, der am stärksten wuchs, war der mit Krediten, die nie zurückgezahlt werden würden, da der Markt mit Hypotheken, die bedient werden konnten, längst gesättigt war.

Wie war das möglich?

Ganz einfach. Man musste nur jemanden finden, der die Kredite übernahm und der letztlich auch die Verluste zu tragen hatte. Wissen Sie, wie die Industrie so jemanden damals nannte?

Nein.

Sie nannten sie Düsseldorfer.

Da hatten sie recht, weil die „smarten“ deutschen B anker den ganzen Mist kauften.

Genau, ganz genau. Wieso aber sind diese Leute aus Düsseldorf bisher nicht vor amerikanischen Gerichten vorstellig geworden und fordern Schadenersatz? Immerhin sind sie auf massivste Art und Weise betrogen worden. Es verblüfft mich ungemein, dass die deutschen Staatsanwälte bisher nicht aktiv geworden sind. Die deutschen Anleger wurden auf phantastische Weise von Leuten über den Tisch gezogen, die genau wussten, was sie taten. Sie luden schlechte Wertpapiere, die sie loswerden mussten, in vollem Bewusstsein bei jenen Anlegern ab, von welchen sie richtigerweise annahmen, dass diese ihnen verrückterweise vertrauen würden.

Es handelte sich um institutionalisierten Betrug?

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