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Im Gespräch: Professor James Galbraith : „Krise geht auf institutionalisierten Betrug zurück“

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Die amerikanische Regierung braucht kein Geld zu drucken, sie unterschreibt einfach einen Scheck, der ihre Bank dazu bringt, die Zahlen auf ihrem Bankkonto zu verändern. Wer befürchtet, das amerikanische Geld werde nicht mehr anerkannt, kann jederzeit das Gegenteil beobachten. Die amerikanische Öffentlichkeit wird es nutzen, so lange sie hier lebt. Es gibt absolut keine Tendenz, Transaktionen in Euro, mexikanischen Pesos oder kanadischen Dollar vorzunehmen.

Das mag sein. Aber was bedeutet es für den Außenwert des Dollars - im Verhältnis zum Euro oder zum Yuan zum Beispiel?

Überhaupt nichts. Denn im Verhältnis zum amerikanischen Sozialprodukt sind entsprechende Veränderung sehr klein. Selbst wenn - was soll die Aufregung? Die Kurse von Euro und Dollar bewegen sich im Verhältnis zueinander ohnehin 20 bis 30 Prozent jährlich. Einmal so herum - einmal anders herum.

Wieso kaufen dann immer mehr Anleger immer mehr Gold und andere Rohstoffe?

Es mag Personen geben, die ängstlich und misstrauisch sind. Wenn sie deswegen Gold kaufen wollen, so sollen sie es eben tun. Es ist nicht viel nötig, um den Goldpreis zu bewegen.

Ist das nicht irrational?

Kommt darauf an. Anleger, die ein spekulatives Investment in diesem Markt machen wollten, sind bisher ziemlich gut damit gefahren. Sie mögen den Goldmarkt gut verstehen. Allerdings ist der Markt kein Indikator dafür, dass die Vereinigten Staaten insolvent werden könnten. Die Entscheidung darüber liegt in ganz anderen Sphären.

Sind die Banken so gesund, wie die Regierungen immer wieder behaupten?

Lassen Sie uns zuerst über die irischen Banken sprechen, die alle die europäischen Stresstests bestanden haben. Ihre kritische Lage zeigt doch überdeutlich, wie zuverlässig dieser Mechanismus war. Und - war es nicht ein Genosse namens Geithner, von dem diese Idee ursprünglich stammte und der zufälligerweise eine Position in der amerikanischen Regierung innehat? Vielleicht werden wir über die Banken mehr wissen, wenn Herr Assange seine Archive öffnet.

Es gab schon so viele kritische Berichte über die Banken, aber niemanden scheint es richtig zu interessieren.

Der amerikanische Steuerzahler hat jeden Grund, sich dafür zu interessieren. Es gibt viele versteckte Verluste von Banken, die auf sie abgewälzt werden und entsprechende Risiken werden immer größer. Das Kernproblem ist, dass die Struktur des amerikanischen Bankensystems in der gegenwärtigen Form zementiert wurde. Sie zeichnet sich durch eine extreme Konzentration auf Institute aus, die sich vor der Krise sehr übel verhalten haben. Sie haben durch ihr Tun maßgeblich zu den Strukturproblemen unserer Volkswirtschaft beigetragen. Jeder weiß, dass der Finanzsektor viel zu groß ist und zudem von den falschen Unternehmen dominiert wird.

Die Banken müssten kleiner gemacht werden?

Natürlich. Es gibt überhaupt keinen Zweifel daran, dass es den amerikanischen und europäischen Volkswirtschaften vor 25 oder gar 30 Jahren besser ging, als die Finanzbereiche im Verhältnis zum Sozialprodukt deutlich kleiner als heute waren. Banken tun nichts, was gesellschaftlich wichtig wäre. Das wissen sogar die Banker selbst.

Kann das jemand ändern?

Die amerikanische Regierung hat alle Möglichkeiten dazu. Die Frage ist nur, ob sie ihre Macht auch nutzt.

Rechnen sie damit?

Ich mache keine Prognosen. Immerhin lässt sich aber beobachten, dass der Markt gegen einzelne Institute wettet.

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