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Im Gespräch: Marshall Auerback : „Der Goldpreis steigt aus Misstrauen in die Politik“

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Marshall Auerback, Roosevelt Institute Bild: Privat,

Die Basel III-Beschlüsse werden kaum etwas am Status Quo der Banken ändern, statt sie stärker zu regulieren, erklärt Marshall Auerback. Der für den Hedge-Fonds RAB Capital und Pimco tätige Ökonom und Strategieberater rechnet mit weiteren Krisen.

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          Die Basel III-Beschlüsse werden kaum etwas am Status Quo der Banken ändern, statt sie stärker zu regulieren, erklärt Marshall Auerback. Der für den Hedge-Fonds RAB Capital und Pimco tätige Ökonom und Strategieberater rechnet mit weiteren Krisen.

          Die bisherigen Regulierungsansätze adressierten die wirkliche Ursache der Finanzkrise nicht, nämlich Bilanzbetrug in den Finanzunternehmen. Die politischen Kräfte tendierten dazu, die wahren Probleme auf die lange Bank zu schieben, statt sie anzugehen. In diesem Sinne seien steigende Rohstoffpreise das Resultat zunehmenden Misstrauens in die Politik.

          Nach monatelangem Tauziehen haben sich die weltweit wichtigsten Bankenaufseher unter dem Stichwort Basel III auf strengere Eigenkapitalvorschriften für die Kreditwirtschaft verständigt. Die Finanzmärkte nehmen's positiv. Wie kommt das?

          Die Märkte reagieren sehr logisch und konsequent auf die Basel-III-Beschlüsse. Die Marktteilnehmer haben rasch realisiert, dass sich am Status Quo kaum etwas ändern wird, da die Kapitalanforderungen nicht sonderlich anspruchsvoll für die Banken sind. Die Basler Standards sind nicht gut, sondern furchtbar. Sie bringen kaum etwas, wenn es um die Vermeidung künftiger Krisen geht. Und die Deutschen scheinen an der Schwächung der Anforderungen maßgeblich beteiligt gewesen zu sein.

          Wieso sind die Beschlüsse kein Fortschritt?

          Wir brauchen weit höhere Kapitalstandards als bisher vorgesehen. Dieser Regulierungsansatz adressiert die wirkliche Ursache der Finanzkrise nicht, nämlich den weit verbreiteten Bilanzbetrug in den Finanzunternehmen. Faktisch sind die Kapitalforderungen gemäß Basel III sogar noch geringer als unter Basel II. Denn wir Amerikaner und ihr Europäer habt unkonventionelle Buchungsmethoden eingeführt auf deren Basis Banken über den wahren Wert ihrer Vermögenswerte lügen können, um massivste Verluste auf Krediten und Anlagen zu verstecken. Die sind der Kern der Krise.

          Was müsste man ändern - und sehen sie jemanden, der das tun könnte?

          Nein. Wahrscheinlich müssen wir bedauerlicherweise erst die nächste Krise abwarten, bevor es zu den notwendigen Veränderungen kommen wird. Die ganze Ideologie, die uns zu diesem Punkt gebracht hat, muss erst einmal vollständig diskreditiert werden. Das dürfte nicht von heute auf morgen möglich sein. Die politischen Kräfte der heutigen Zeit tendieren dazu, die wahren Probleme auf die lange Bank zu schieben, statt sie auf realistische Weise anzugehen.

          Was heißt das für den Anleger?

          Der Privatanleger befindet sich zumindest aus regulatorischen Sicht in einem Umfeld, das deutlich gegen seine Interessen gerichtet ist. Institutionelle dagegen dürften die Märkte weiterhin wie ein Kasino behandeln. Aus diesem Grund wird ihre theoretische Funktion, Kapital effizient auf produktive Bereiche der Realwirtschaft zu verteilen, weiter degenerieren. In meinen Augen haben wir schon lange keine freien Kapitalmärkte mehr. Die Politik scheut sich davor, die Banken mit ihren Betrügereien und miesen Verhalten zu konfrontieren.

          Passen Strategien wie Hochfrequenzhandel in dieses Bild?

          Ja sicher. Sie sind erlaubt, obwohl sie keinerlei sozialen Zweck haben. Niemand scheint in seriöser Weise untersuchen zu wollen, was zum Flashcrash vor wenigen Monaten führte.

          Was war denn die Ursache?

          Irrtümer kommen immer dann vor, wenn menschliche Wesen involviert sind. Sie werden durch die hoch technisierten Handelsmaschinen potenziert und können die Wertpapiermärkte völlig verzerren. Ihre Zulassung ist so, als ob man Kinder mit Semtex (Plastiksprengstoff ) spielen lassen würde.

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