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Im Gespräch: Clive Dennis, Schroders : „Der Euro wird auf 1,50 Dollar steigen“

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Der Euro hat in den vergangenen Wochen deutlich gegen den Dollar aufgewertet. Dieser Trend wird sich fortsetzen, erklärt Fondsmanager Clive Dennis von der Fondsgesellschaft Schroders in London. Denn Amerika werde sich im Abwertungswettlauf durchsetzen.

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          Der Euro hat in den vergangenen Wochen deutlich gegen den Dollar aufgewertet. Dieser Trend wird sich fortsetzen, erklärt Fondsmanager Clive Dennis von der Fondsgesellschaft Schroders in London. Amerika werde sich im Abwertungswettlauf durchsetzen, denkt er.

          Er rechnet auch nicht mit einem neuen Plaza- oder Louvre-Abkommen. Unter dem vielfach geäußerten Verlangen nach Kooperation in Währungsfragen sei im Kern die Forderung zu verstehen, China und der Rest der asiatischen Staaten mögen ihre Währungen deutlicher als bisher aufwerten lassen.

          Der Kurs des Euro ist gegen den Dollar seit Juni um fast 17 Prozent gestiegen. Wie geht es weiter?

          Der Trend wird sich fortsetzen. Denn die amerikanische Zentralbank wird ihre Bilanz weiter ausweiten, da sich der Arbeitsmarkt langsamer erholt als bisher erwartet und weil die Inflation tief ist. Auf der anderen Seite wird dem europäischen Markt Liquidität entzogen. Ein schwacher Dollar ist das Mittel, um in Amerika zu einer höheren Inflation zu sorgen. Wir werden noch vor Ende des Jahres Kurse von 1,50 Dollar je Euro sehen.

          Wie stark geht die Bewegung auf technische und fundamentale Faktoren zurück?

          Wir denken, Wechselkurse werden aus einer Kombination dieser Faktoren bewegt. Die oben schon genannten fundamentalen Gründe werden nun unterstützt von Chart- und Stimmungsindikatoren. Man denke nur daran, dass der Markt noch vor zwei, drei Monaten dachte, der Euro werde untergehen. Außerdem intervenieren die asiatischen Staaten aggressiv. Die Dollars, die sie dabei kaufen, werden sie zum Teil in Euro umschichten.

          Was bedeutet die Aufwertung des Euro makroökonomisch? Wird sie Europas Wirtschaft destabilisieren?

          Ein stärker Euro bringt deflationäre Effekte mit sich. Für die europäischen Randstaaten mit ihren fiskalischen und budgetären Problemen wäre das das letzte, was sie brauchen könnten. Allerdings würden im Gegenzug in Europa an den Rentenmärkten wohl die Renditen fallen und diesen Nachteil ausgleichen.

          Welche Instrumente nutzen die Zentralbanken, um in die Devisenmärkte zu investieren und welchen Appetit entwickeln sie dabei?

          Zentralbanken kommen durch den Aufbau von Währungsreserven in den Markt. Gerade in Asien nahmen in den vergangenen Monaten die Dollarreserven deutlich zu und wurden schließlich diversifiziert. Der Euro als liquider Markt zieht einen großen Teil dieser Mittelzuflüsse auf sich. Es kommt jedoch am Rande auch zum Aufbau von Positionen in so genannten Rohstoffwährungen.

          Japan, Europa, die Vereinigten Staaten, China und Großbritannien - sie alle scheinen ein Interesse daran zu haben, ihre Währungen abwerten zu lassen. Wer hat die größten Chancen, diesen Wettbewerb zu gewinnen?

          Die Vereinigten Staaten sind mehr als gewillt, Geld zu drucken, um auf diese Weise den Dollar zu schwächen. Die Briten dürften zu einer ähnlichen Strategie neigen. Dagegen ist es unwahrscheinlich, dass sich in Europa die „Gelddrucker“ durchsetzen werden.

          Wie wollen Sie von ihrer Prognose profitieren?

          Wir haben den Dollar in unseren Depots stark untergewichtet. Dagegen haben wir andere Währungen gekauft, unter andrem den Euro.

          Wie engagieren Sie sich im Devisenmarkt?

          Wir verwalten einen reinen Währungsfonds, der ohne den umständlichen Umweg über Anleiheinvestments und den damit verbundenen Bonitäts- und Durationsrisiken direkt investieren kann. Er lässt sich als zusätzliche Anlageklasse neben Aktien oder Anleihen betrachten, die Zugang zum liquidesten Markt weltweit bietet. Sie ist langfristig zudem kaum mit anderen Anlageklassen korreliert. Wir ziehen bei unseren Investitionen einfache, verständliche und transparente Instrumente vor und verwenden vor allem Devisenterminkontrakte.

          Rechnen Sie damit, dass am kommenden Wochenende beim Treffen von IWF- und Weltbankvertretern die Regeln des Devisenmarktes geändert werden?

          Der amerikanische Finanzminister Timothy Geithner machte jüngst klar, dass die Vereinigten Staaten eine stärkere Kooperation in Wechselkursfragen anstrebten. Jean-Claude Trichet, der Präsident der Europäischen Zentralbank erklärte, Währungsfragen würden am Wochenende besprochen werden. Wir jedoch erwarten kein neues Plaza- oder Louvre-Abkommen. Ich denke, solche Äußerungen sind nur Platituden. Wir denken, unter Kooperation ist die Forderung zu verstehen, China und der Rest der asiatischen Staaten sollten ihre Währungen deutlicher aufwerten lassen als bisher.

          Chinas Premierminister Wen Jiabo jedoch machte noch in dieser Woche klar, es sei nicht auf eine stärkere Aufwertung vorbereitet. Wir rechnen in den kommenden zwölf Monaten mit einer Aufwertung des Yuan um vier bis fünf Prozent. So lange sich China in dieser Frage nur langsam bewegt, wird auch der Rest Asiens die Märkte kaum frei entscheiden lassen, wo die Wechselkurse ihrer Währungen liegen sollten. Wir werden möglicherweise einige Statements sehen. Sehr wahrscheinlich ist das G20-Treffen in Seoul im November wichtiger.

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