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Im Gespräch: Bob Janjuah, Royal Bank of Scotland : „Der wahre Test für Europa kommt erst noch“

  • Aktualisiert am

Bob Janjuah, Chefstrage der RBS Bild: Privat

Die Kurse an den Börsen tendieren nach oben, während sich der Euro erholt. Das wird jedoch nicht von Dauer sein, erklärt Bob Janshua, Chefstrage der Royal Bank of Scotland. Er fürchtet, dass Europas Probleme noch lange nicht gelöst sind.

          Die Kurse an den Börsen tendieren seit Tagen nach oben, während sich der Kurs des Euro gegen den Dollar etwas erholt. Solche Kursbewegungen werden jedoch nicht von Dauer sein, erklärt Bob Janshua, Chefstrage der Royal Bank of Scotland. Er fürchtet, Europas Wirtschafts- und Finanzprobleme seien noch lange nicht gelöst.

          Grundsätzlich seien die Wachstumserwartungen des Marktes zu hoch. Spätestens wenn Griechenland die vom internationalen Währungsfonds gestellten Bedingungen nicht erfüllen könne, werde Europa von den Märkten erneut getestet werden. Der Euro werde gegen den Dollar weiter nachgeben.

          Viele Anleger wurden haben in den vergangenen Tagen Aktien gekauft. Sie seien günstig, heißt es. Denken Sie das auch?

          Ich hatte im Frühjahr prognostiziert, dass die Aktienmärkte - ich rede konkret von S&P 500 - um zehn bis 15 Prozent korrigieren würden und dass danach eine kurze konstruktive Phase im Juni und Juli folgen würde. Denn nachdem sich eine anfängliche Panik verflüchtigt, kommt es üblicherweise zu einer Kurserholung an den Börsen. In diesem Rahmen können die Kurse in den kommenden drei Wochen um weitere fünf Prozent steigen.

          Also steigen die Kurse im Moment nur aus psychologischen Gründen?

          Ja, es handelt sich um eine so genannte „Erleichterungsrally“. Die Kursgewinne gehen nicht von fundamentalen Gegebenheiten aus.

          Was machen Anleger daraus?

          Konservative Anleger sollten sich um kurzfristige Kursbewegungen dieser Art nicht kümmern, sondern eher um die weiter gefassten Rahmenbedingungen. Und diese sind auf Sicht von sechs Monaten negativ für Aktien und kurspositiv für Staatsanleihen sowie für Zinspapiere von Unternehmen guter Qualität. Wer in diesem Zeitraum unbedingt Aktien halten will, sollte die Papiere der solidesten Unternehmen in Deutschland, Europa, Großbritannien und den Vereinigten Staaten erwerben.

          Welche Branchen sind interessant?

          Ich würde Finanzwerte vermeiden und auf Aktien nichtzyklischer Unternehmen setzen, die Anlegern hohe Einkommensströme bieten. Die Papiere von Telekommunikations- oder Versorgungsunternehmen beispielsweise. Grundsätzlich wäre ich vorsichtig, da die Wachstumserwartungen allgemein viel zu hoch sind.

          Die Anleihen welcher Staaten würden Sie kaufen?

          In erster Linie Treasuries beziehungsweise in Dollar denominierte Papiere. Denn wir gehen davon aus, dass der Dollar seine Aufwertungsbewegung gegen den Euro und andere Währungen in den kommenden sechs Monaten wieder aufnehmen wird. Wir lieben auch britische Staatsanleihen. Anlegern mit sehr geringem Risikoprofil empfehlen wir den Kauf von deutschen Bundesanleihen. Wer etwas Risikoappetit hat, kann italienische Staatsanleihen kaufen, um etwas mehr Rendite zu erhalten. Dagegen betrachten wir die Papiere der peripheren Staaten Europas sehr vorsichtig, auch die von Frankreich.

          Wie würden Sie die makroökonomischen Rahmenbedingungen umschreiben?

          Allgemein rechnet man mit einem Weltwirtschaftswachstum zwischen viereinhalb und fünf Prozent. Wir dagegen denken, die Dynamik wird in der zweiten Hälfte des Jahres deutlich nachlassen. Und im kommenden Jahr wird das Wachstum deutlich niedriger liegen, nämlich bei zweieinhalb bis drei Prozent.

          Wieso?

          Die Nachfrage aus dem privaten Sektor wird sehr gering bleiben. Das gilt vor allem für die Vereinigten Staaten, Großbritannien und die Randstaaten Europas. Die Unternehmen, vor allem die großen, stehen zwar solide da. Allerdings verhalten sie sich sehr konservativ. Sie senden keine starken Signale aus, was Investitionen, Kreditaufnahme oder auch die Einstellung frischen Personals anbelangt. Dazu kommt, dass die Wirkung der massiven staatlichen Stimulierungsmaßnahmen rasch und deutlich nachlässt.

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