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Geldpolitik : Der gefährliche Weg der Fed

Die Fed braucht auch Glück Bild: AFP

Die amerikanische Notenbank lässt die Leitzinsen auf länger Sicht niedrig, weil sie dies für die beste Richtung aus dem Jahrhundertbrand hält. Doch eine weitere Verstetigung der Erwartung einer sekundierenden Geldpolitik scheint gefährlich. Ein wenig Unberechenbarkeit könnte die Finanzmärkte besser erziehen.

          5 Min.

          Die Börsen freuen sich. Denn die amerikanische Notenbank will die Leitzinsen noch für längere Zeit niedrig, das heißt bei Null und damit real negativ halten. Eine wunderbare Aussicht für alle, die an den Finanzmärkten mit großem Geld, das heißt auf Kredit, agieren können. Wer sich für weniger als 1 Prozent Geld leiht, muss nur 1 Prozent Bruttorendite erzielen, um auf einen ordentlichen Schnitt zu kommen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Eine gute Nachricht also, nicht nur für die Finanzmärkte. Denn wie die amerikanischen Währungshüter beteuern, handeln sie nicht aus Sorge um diese, auch wenn die Fed letztlich ähnlich wie deutsche Handelskammern ein Zwangsverband der Banken ist.

          Sorgen in der Rückschau

          Nein, es ist die Realwirtschaft, für die sich der Offenmarktausschuss (FOMC) zwar zuversichtlicher zeigt, doch wo die Aktivität am Häusermarkt unverändert sei und sich der Wohnbau weiter abgeschwächt habe.

          Einige Ausschussmitglieder warnten vor einer zu frühen Anhebung des Leitzinses aus Sorge, die Konjunkturerholung könne durch eine zu schnelle Zinserhöhung abgewürgt werden. Dann gebe es kaum noch Raum für einen erneuten monetären Stimulus.

          Blendet man in der Zeit einige Jahre zurück, können diese Auffassungen besorgniserregend klingen. Im Herbst 2003 zeigten die Konjunktursignale in Amerika nach allgemeiner Auffassung eine Erholung an. Am Arbeitsmarkt sahen die Währungshüter aber noch keine Wende. Nach Einschätzung des auch heute noch amtierenden Präsidenten der Federal Reserve von Kansas City, Thomas Hoenig, waren Wachstumsraten von 4 Prozent oder mehr notwendig, um die Zahl der Arbeitslosen zu verringern. Das aktuelle Leitzinsniveau von 1 Prozent sei geeignet, um das Ziel eines inflationsfreien hohen Wirtschaftswachstums zu erreichen. Donald Kohn, seinerzeit Mitglied im Direktorium der Federal Reserve sagte, dass niedrige Leitzinsen noch für geraume Zeit notwendig seien, um den Konjunkturaufschwung zu sichern.

          Kommt die Liquidität nicht an?

          Der Rest ist Geschichte. Die Zinsen bleiben noch rund ein Jahr lang auf niedrigem Niveau und wurden auch dann nur zögernd angehoben. Erst im Dezember 2005 sprach der damalige Notenbankpräsident Alan Greenspan nicht mehr davon, dass die Geldpolitik die amerikanische Wirtschaft stimuliere. Das Zinsniveau galt als „neutral“, und das zu einem Zeitpunkt, an dem der Immobilienmarkt schon stark überbewertet war. Die der zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihen waren niedriger als zum Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung 2004, weil die langfristigen Zinsen der Fed nicht gefolgt waren und die amerikanische Wirtschaft weiter im Geld schwamm. Die Party hatte sich längst verselbständigt und aus Sorge vor dem raschen Ende wurden die Zinsen wieder gesenkt, die Stimmung weiter am Kochen gehalten - mit den bekannten Folgen.

          Indes sind die Verhältnisse 2010 etwas anders. Die Finanzkrise wirkt in der Realwirtschaft weiter fort. In den ersten sechs Wochen des Jahres gingen die Firmenkredite in den Vereinigten Staaten auf Jahresbasis um 16 Prozent zurück. Auch in Deutschland wurden im vierten Quartal fast 18 Prozent weniger Kredite vergeben.

          Offenkundig kommt die zur Verfügung gestellte Liquidität nicht dort an, wo sie volkswirtschaftlich benötigt wird, sondern bleibt auf den Finanzmärkten. Das ist einzelwirtschaftlich durchaus verständlich, solange mit risikoarmen Staatsanleihen problemlos wenigstens bescheidene Erträge zu erwirtschaften sind. Firmenkredite sind riskanter und erfordern eine langfristige Kapitalbindung, die auch noch mit Eigenkapital zu unterlegen sind. Sie sind nicht diskontfähig und können so nicht zur Geldbeschaffung eingesetzt werden.

          Großproblem Inflation

          Grund genug zu der Annahme, das geldpolitische Paradigma sei zumindest zu überprüfen. Allerdings passt die Tatsache, dass die Firmenkreditvergabe noch nicht wieder angesprungen ist, damit durchaus zusammen, geht es doch von Wirkungsverzögerungen von ein bis zwei Jahren aus.

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