https://www.faz.net/-gv6-981

Geldanlage : Finanzprodukte für jedermann

Es ist nicht immer ganz leicht, sich den Weg durch den Dschungel der Finanzprodukte zu bahnen Bild: Jan Bazing

Die meisten Menschen kümmern sich um die Verwaltung ihres Geldes nicht mehr als unbedingt notwendig. Gerade sie laufen Gefahr, falsche Entscheidungen zu treffen. Wissen über grundlegende Finanzprodukte kann Abhilfe schaffen.

          Kunden von Banken, Versicherungen und anderen Finanzunternehmen können sich fühlen wie Käufer in einem Supermarkt. Das Angebot ist erfreulich reichhaltig. Qualität, Preiswürdigkeit und Herkunft der Produkte sind aber nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Auch sind die Ansprüche verschieden. Manche Zeitgenossen betreiben die Kapitalanlage wie ein Hobby und interessieren sich auch für exotische Finanzprodukte. Die meisten Menschen scheinen hingegen zufrieden, wenn sie sich nicht mehr um die Verwaltung ihres Geldes kümmern müssen als unbedingt notwendig. Gerade sie laufen Gefahr, falsche Entscheidungen zu treffen. Denn die von ihnen konsultierten Ansprechpartner in Banken, Versicherungen oder anderen Finanzunternehmen sind nicht nur Berater. Sie sind Verkäufer, die von ihren Arbeitgebern an der Verkaufsleistung gemessen werden.

          Daher beginnt der Finanzmarkt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine Serie über grundlegende Finanzprodukte. Die meisten Menschen besitzen ein Girokonto, viele auch ein Festgeld- oder Sparkonto, auf dem sie Geld für Notfälle vorhalten. Obgleich diese Produkte sehr einfach sind, entgehen den Deutschen jedes Jahr Zinserträge in Milliardenhöhe, weil sie ihr Konto entweder bei der falschen Bank unterhalten oder weil sie mit dem Management ihrer monatlichen Einnahmen und Ausgaben überfordert sind. Eine befriedigendere Verwaltung des eigenen Geldes beginnt für viele daher mit der Erkenntnis, wie man einfache Bankkonten optimal führt. Viele junge Leute kämen besser mit ihrem Geld aus, wenn sie freiwillig auf einen Überziehungskredit und eine Kreditkarte verzichteten. Oft lässt sich beobachten, dass Kunden von Finanzunternehmen die mit den Produkten verbundenen Kosten nicht kennen oder unterschätzen. Auch bei der Aufnahme von Krediten sind Kunden im Umgang mit ihrer Bank häufig unsicher, was ihrer Verhandlungsposition schadet.

          Ein treuer Begleiter vieler Menschen sind Versicherungen, aber gerade auf diesem Gebiet wird viel Geld ohne großen Nutzen ausgegeben. Manche Abschlüsse sind schlichtweg unnötig, andere sollten nach einigen Jahren überprüft werden. Ein Vertrag, den ein Mittzwanziger aus seinerzeit möglicherweise guten Gründen abgeschlossen hat, kann sich 20 Jahre später als nicht mehr angemessen erweisen. Ein Konsens dürfte darin bestehen, dass die private Haftpflichtversicherung und die Berufsunfähigkeitversicherung zur finanziellen Grundausstattung gehören sollten. Aber schon die in Deutschland außerordentlich beliebte und im Prinzip sehr nützliche Lebensversicherung wirft Fragen auf. Soll man die Versicherung mit der Altersvorsorge verbinden und eine Kapitallebensversicherung abschließen, die darauf setzt, dass der mit gutem Geld dafür entlohnte Versicherer eine erfolgreiche Hand in der langfristigen Kapitalanlage besitzt? Oder reicht eine Risikolebensversicherung, die dem Versicherer nicht auch noch die Aufgabe der Kapitalanlage überträgt?

          Für Kapitalanlagen gelten drei alte, gerne verdrängte Grundsätze

          In mittleren Jahren steht oft der Erwerb von Wohneigentum an, meist zur Eigennutzung. Aber Immobilien sind auch eine Kapitalanlage. Ein Kapitalanleger kann Wohneigentum erwerben und anschließend vermieten. Alternativ kann er sich an Immobilienfonds oder Immobilienunternehmen beteiligen, wobei geschlossene Immobilienfonds zuletzt nicht nur gute Nachrichten veröffentlicht haben. Anlagen in Immobilien mögen langfristig sicherer sein als reine Finanzanlagen, aber auch Immobilien unterliegen Wertschwankungen.

          Für die Kapitalanlage gelten vor allem drei alte, aber gerne verdrängte Grundsätze. Erstens soll ein Kunde nur Finanzprodukte erwerben, die er versteht und deren Risiken er einschätzen kann. Zweitens wird immer wieder übersehen, dass hohe Renditen nur unter Inkaufnahme hoher Risiken angestrebt werden können. Drittens gilt, dass Kapitalanlagen nicht allein aus steuerlichen Gründen gewählt werden sollten. Ein Anlageprojekt muss zunächst aus sich heraus einen wirtschaftlichen Sinn haben, ehe der steuerliche Aspekt bedacht wird.

          Die meisten Fondsmanager erzielen langfristig nur durchschnittliche Renditen

          Abhängig von ihren Kenntnissen und ihrer Risikoneigung können Anleger natürlich anspruchsvolle Produkte wählen. Für jene Menschen, die ihr Geld nicht selbst verwalten wollen, können Anteile an Investmentfonds eine Alternative bieten. Aber auch hier lohnt es sich, genau hinzuschauen. Der von einem Fondsmanager aktiv verwaltete Fonds kostet in aller Regel nicht wenig Geld, aber die Erfahrung zeigt, dass die meisten Fondsmanager langfristig nicht in der Lage sind, überdurchschnittliche Renditen zu erzielen. Daher sind in den vergangenen Jahren börsennotierte Indexfonds (ETF) populär geworden.

          Sie versprechen keine überdurchschnittlichen Renditen, sondern nur die jeweilige Marktrendite. Ein deutscher Aktien-ETF, der sich am Dax orientiert, lässt den Anleger somit an der Entwicklung des Dax partizipieren; er versucht aber nicht, besser zu sein als der Dax. ETFs sind billiger als aktiv verwaltete Fonds. Kritischer ist zu sehen, dass manche Anbieter von börsennotierten Indexfonds umfangreiche Geschäfte an Terminmärkten betreiben. Somit ähnelt die Welt der Kapitalanlage einem Dschungel. Es ist an der Zeit, in diesen Dschungel Schneisen zu schlagen.

          Topmeldungen

          Mordfall Lübcke : Die Falle der AfD

          Die AfD ist an Scheinheiligkeit nicht zu überbieten. Die Krokodilstränen über den Tod eines Repräsentanten des „Systems“, das sie aus den Angeln heben will, kann sie sich sparen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.