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Geldanlage : Aktien sind ein guter Inflationsschutz

Bild: F.A.Z.

Gold und Immobilien schützen vor Inflation. Das weiß jeder. Was weniger bekannt ist: Auch Aktien schlagen sich wacker.

          Es ist die große Angst: Was passiert, wenn der Euro an Stabilität verliert? Was tun, wenn die Inflation zurückkommt? Noch ist zwar von der Geldentwertung wenig zu spüren. Im Gegenteil. Die Inflationsrate, die den Verlust des Geldwertes beschreibt, wird allen Prognosen zufolge in diesem Jahr unter zwei Prozent bleiben.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zumindest mittelfristig aber kann die Inflation kräftig steigen, warnen viele Ökonomen - wenn die Staaten ihre Defizite und Schuldenberge nicht in den Griff bekommen.

          Auch Aktien sind letztlich Realvermögen

          Viele Menschen denken nur an Gold oder Immobilien, wenn sie Angst vor der Inflation haben und ihr Geld schützen wollen. Dabei können auch Aktien gegen Inflation absichern. „Wenn die Inflation zurückkommt, sind Aktien eine gute Geldanlage“, sagt Frank Naab, Leiter des Portfolio-Managements beim Bankhaus Metzler. „Zumindest in einer bestimmten Menge - und wenn man sie richtig auswählt.“

          Wer Aktien kauft, wird schließlich Eigentümer an einem Unternehmen. „Bei hoher Inflation ist Realvermögen besser als Nominalvermögen“, sagt Naab. Das heißt: lieber in Aktien oder Immobilien investieren als in festverzinsliche Wertpapiere aller Art. Steigt das Preisniveau, fallen auch die Gewinne der Unternehmen tendenziell höher aus. Damit klettert (bei gleichem Kurs-Gewinn-Verhältnis) der Aktienkurs. Anders ist es bei Wertpapieren mit festen Zinsen. Mit ihnen ist der Anleger in der Inflation der Verlierer.

          Inflation schadet auch Aktienkursen

          Nun verlieren in Zeiten extremer Inflation auch Aktien an Wert. „Inflation erhöht die Unsicherheit, das belastet die Konjunktur“, sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Wenn die Inflation so extrem ist, dass Unternehmen zusammenbrechen und die Wirtschaft nicht mehr funktioniert, dann macht sich das natürlich auch in den Aktienkursen bemerkbar.

          So stiegen in der Hyperinflation Deutschlands zwischen den beiden Weltkriegen zwar die Kurse der Aktien auf dem Papier an: Auch Aktien waren auf einmal Billionen wert, die extremen Steigerungen können in Kurscharts kaum dargestellt werden. Zugleich verlor die Mark aber noch stärker an Wert. Wenn man deshalb die Kurse der Aktien dieser Zeit in Dollar verfolgt, sind sie deutlich gesunken.

          Aktienbesitzer fahren bei Währungsreformen besser

          Trotzdem fuhren Aktionäre immer noch besser als die Besitzer von Staatsanleihen oder Bargeld. Für Letztere war die Entwicklung vernichtend. Sie verloren praktisch alles. Für das Geld, das man an einem Tag für den Verkauf eines Hauses bekam, konnte man sich schon bald darauf nur noch eine Bratwurst kaufen.

          „Auch beim Währungsschnitt nach dem Zweiten Weltkrieg, als die D-Mark die Reichsmark ablöste, konnten Aktienbesitzer mehr herüberretten als die Besitzer von Sparguthaben oder Bargeld“, sagt Franz-Josef Leven vom Deutschen Aktieninstitut. „Die Aktionäre haben vielleicht ein Drittel oder ein Viertel ihres Vermögens gerettet, während die Besitzer von festverzinslichen Wertpapieren fast alles verloren haben.“

          Bei moderater Inflation ist das Wachstum entscheidend

          Komplizierter ist die Entscheidung „Aktien oder Anleihen“, wenn die Inflation zwar kommt, aber nicht ganz so dramatisch ausfällt. In diesem Fall hängt die Entscheidung auch davon ab, wie sich die Wirtschaft sonst entwickelt.

          Die Credit Suisse hat dazu zwei Phasen mit Inflation, die siebziger und die späten achtziger Jahre untersucht. Sie kommt zu dem Ergebnis: „Entscheidend ist, ob es sich um Inflation mit Wirtschaftswachstum handelt oder um Inflation ohne Wachstum“, sagt Oliver Adler, Leiter der internationalen Volkswirtschaftsanalyse der Bank.

          Ist die Inflation hoch, aber die Wirtschaft wächst, wie das etwa in den späten achtziger Jahren der Fall war, entwickeln sich die Aktienkurse recht erfreulich. Dann sind Aktien die bessere Anlage als Anleihen. „In einer Phase mit hoher Inflation und wenig Wachstum hingegen, der Stagflation, bieten Aktien keinen guten Schutz“, sagt Adler. Eine solche Phase gab es etwa in den 70er Jahren nach Ölkrise und starken Lohnerhöhungen.

          In jedem Fall gilt: Wenn Anleger Aktien zum Schutz vor Inflation einsetzen wollen, ist die richtige Auswahl entscheidend. In einer sehr extremen Inflation überleben am ehesten große Unternehmen, die Dinge herstellen, die man immer braucht. Das spricht für sogenannte Bluechips, Großunternehmen etwa aus dem Dax. „In vergangenen Inflationsphasen haben sich außerdem die Aktien von Nahrungsmittelherstellern als vergleichsweise stabil erwiesen“, sagt Metzler-Anlageexperte Naab. „Essen müssen die Menschen schließlich immer.“

          Nahrungsmittel, Versorger, Rohstoffe

          Bei einer Inflation, die nicht ganz so dramatisch ausfällt, ist eine andere Frage entscheidend: Wie viel Marktmacht hat ein Unternehmen, um bei steigender Inflation seine Preise anzuheben? „Die Flut hebt nicht alle Boote“, sagt Metzler-Aktienexperte Naab.

          Industrieaktien wie Siemens hält er für relativ inflationssicher, weil solche Unternehmen eine starke Marktstellung hätten. Zu den geeigneten Aktien zählt er außerdem die meisten Maschinenbauer und Luxusgüterhersteller. Auch Energieversorger (“die bilden ja fast ein Oligopol“) und die Pharmabranche dürften sich Naabs Ansicht nach wegen ihrer hohen Gewinnmargen in einer Inflation gut schlagen. „Natürlich nur, wenn der Staat nicht auf die Idee kommt, gerade in diesen Bereichen die Preise zu regulieren oder die Gewinne abzuschöpfen.“

          Einen Vorteil haben in der Inflation auch solche Unternehmen, die wenig Vorprodukte einkaufen müssen. „Rohstoffproduzenten, Minenunternehmen und Energieversorger sind durch ihre Positionierung am Beginn der Wertschöpfungskette zunächst vor höheren Einkaufspreisen geschützt“, sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der VP Bank in Liechtenstein. Solche Unternehmen können ihre Preise anheben, ohne selbst viel mehr zahlen zu müssen. „Auch Immobilien- und Infrastrukturgesellschaften sollten die Teuerung auf ihre Kunden überwälzen können.“

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