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Forschungsprojekt zu stabilen Banken : Frankfurter Finanzkompetenz vom Campus Westend

Das House of Finance im Frankfurter Westend Bild: Setzer, Claus

Alle wünschen sich stabile Banken und Finanzmärkte, doch von allein entstehen sie nicht. Das neue Forschungsprojekt SAFE an der Frankfurter Universität will Erkenntnisse über das Bankensystem fördern und sogar eine aktive Rolle in der Politikberatung spielen.

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          Als vor fünf Jahren die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers zusammenbrach, geriet das internationale Finanzsystem vorübergehend an den Rand des Zusammenbruchs. Die Euro-Krise hat neue Ängste vor Instabilitäten zum Nachteil vieler Menschen geweckt. Dies sollte die Stunde von Ökonomen sein, die nicht nur theoretisch in ihrem Elfenbeinturm forschen, sondern auch der Politik und anderen Interessierten mit kundigem und verständlichem Rat zur Seite stehen. Zwei wesentliche Erkenntnisse hat die Krise auf der Suche nach einer stabilen Ordnung und Regulierung seit dem Untergang von Lehman Brothers gebracht: Erstens fehlt es den Finanzmärkten an eigenen Stabilisierungsmechanismen und einer ausreichenden Selbstdisziplin. Folglich bedürfen die Finanzmärkte und ihre Teilnehmer vom Staat gesetzter Regeln. Zweitens hat sich aber auch der Staat als fehlbar erwiesen und durch eigenes Handeln zur Krise beigetragen.

          Viele Ökonomen arbeiten an neuen Ideen und Konzepten, aber ein großer Teil der Arbeit ist noch nicht getan. Daher ist es eine begrüßenswerte Nachricht, dass die Finanzforschung am Wissenschaftsstandort Frankfurt mit der feierlichen Eröffnung des sogenannten SAFE-Projekts an diesem Donnerstag einen erheblichen Schritt vorankommt. Im Rahmen von SAFE sollen Wissenschaftler zum einen Spitzenforschung in den Bereichen Banken und Versicherungen, gesamtwirtschaftliche Analyse, Finanzpolitik, Finanzen der privaten Haushalte, Unternehmensfinanzierung und Finanzmärkte leisten.

          Nachhaltige Finanzarchitektur für Europa schaffen

          Das ist aber nicht alles: „Wir streben eine bedeutendere Rolle in der Politikberatung an, auch wenn 90 Prozent unserer Mittel in die Forschung fließen und diese ganz den Prioritäten der Wissenschaft folgen wird“, sagt Jan Krahnen, Finanzprofessor an der Goethe-Universität und Wissenschaftlicher Direktor des neuen Forschungsprojekts. „Aber wir wollen nicht selbst Politik machen, sondern diese von unabhängiger Seite beraten.“

          Jan Pieter Krahnen
          Jan Pieter Krahnen : Bild: Eilmes, Wolfgang

          Um das SAFE-Projekt - das Kürzel steht für die englischsprachige Bezeichnung „Sustainable Architecture for Finance in Europe“ (Nachhaltige Finanzarchitektur in Europa) - in seiner Bedeutung einzuordnen, erscheint es sinnvoll, die Frankfurter Anstrengungen im Bereich der Finanzforschung im Zusammenhang zu betrachten. Der Frankfurter Fachbereich Wirtschaftswissenschaften besaß nach dem Zweiten Weltkrieg lange Zeit Schwerpunkte in der empirischen Wirtschaftsforschung und in der Sozialpolitik, aber nicht in der Erforschung von Banken, Finanzmärkten und Geldpolitik, obgleich in unmittelbarer Nähe der Universität der wichtigste Finanzplatz auf dem Kontinent entstand und sich mit der Deutschen Bundesbank die lange Zeit führende Notenbank Europas etablierte.

          Erst spät besann man sich, die Standortvorteile Frankfurts zu nutzen und das von dem Ökonomen Karl Häuser gegründete kleine Institut für Kapitalmarktforschung als Nukleus für einen Forschungsschwerpunkt Geld und Finanzen zu nutzen, der sich im Jahre 2008 mit dem auf dem neuen Campus Westend gelegenen House of Finance mächtig etablierte. Im House of Finance arbeiten Makroökonomen, Finanzexperten und Wirtschaftsjuristen unter einem Dach. Doch nicht nur das zur Goethe-Universität gehörende House of Finance und seine in ihm ansässigen Lehrstühle und Institute stehen für die Entwicklung der Finanzforschung am Main, sondern auch die aus der alten Bankakademie entstandene und noch im Ostend ansässige Frankfurt School of Finance and Management.

          Leuchtturm der deutschen Finanzforschung

          Das House of Finance als Leuchtturm der Frankfurter Finanzforschung ist in den vergangenen Jahren vorangekommen, aber noch nicht am Ziel. „Wir haben etwa drei Viertel des Weges zurückgelegt, den wir uns bei der Gründung vorgenommen haben“, sagt der Geschäftsführende Direktor Wolfgang König. „Unser Ziel besteht darin, in ein paar Jahren zu den 20 bis 30 besten wirtschaftlichen Fachbereichen in Europa zu gehören. Heute befinden wir uns auf Platz 30 bis 35.“

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