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Forschungsprojekt zu stabilen Banken : Frankfurter Finanzkompetenz vom Campus Westend

Das Ziel mag nicht sehr ambitiös klingen, aber auch in den Wirtschaftswissenschaften ist vieles eine Frage des Geldes. „Das jährliche Budget des House of Finance beträgt 13 und 14 Millionen Euro“, erläutert König; ein Teil des Geldes stammt aus privaten Quellen. Für eine deutsche wirtschaftswissenschaftliche Fakultät mögen 14 Millionen Euro viel Geld sein, im internationalen Vergleich ist es nicht sehr viel. So hat die schweizerische Großbank UBS der Universität in Zürich eine Spende über 100 Millionen Franken zukommen lassen. Auch deutsche Topökonomen an amerikanischen Universitäten verdienen deutlich mehr als Ökonomen in Frankfurt.

Roman Inderst
Roman Inderst : Bild: Röth, Frank

Wirtschaftswissenschaftler werden überwiegend an der Zahl ihrer Publikationen in ranghohen Fachzeitschriften gemessen. In dieser Hinsicht besitzt Frankfurt zwei Leuchttürme: Der Finanzexperte Roman Inderst ist einer der forschungsstärksten deutschen Ökonomen überhaupt, und der Makroökonom Volker Wieland besitzt nicht nur internationales Ansehen, sondern wurde als einer der „Fünf Weisen“ in den deutschen Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage berufen. Den Publikationserfolg einer Einheit auf wenige Leuchttürme zu stützen kann sich indessen als eine riskante Strategie erweisen, weil gute Ökonomen gegen Abwerbungen nicht immun sind. In den vergangenen Jahren haben alleine drei in der Branche hochangesehene Makroökonomen Frankfurt wieder verlassen.

Volker Wieland
Volker Wieland : Bild: Eilmes, Wolfgang

Wissenschaftler wollen sich als Politikberater etablieren

Auf der Aktivseite sieht König auch die wachsende Zahl von Studenten, unter denen der Auslandsanteil beachtlich hoch liegt, sowie die stark gewachsene internationale Verflechtung der Frankfurter Ökonomen mit Kollegen diesseits und jenseits des Atlantiks. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Makroökonomen, Finanzexperten und Juristen hat sich zwar verbessert, ist aber steigerungsfähig. Auch wenn König von einem gewachsenen Teamgeist spricht, fördert der Anspruch nach Publikationen in möglichst prestigeträchtigen Zeitschriften nicht die Zusammenarbeit: Jede einzelne Disziplin hat ihre speziellen Zeitschriften, während fachübergreifende Arbeiten von den renommiertesten Zeitschriften oft nicht honoriert werden.

In dieser Zeit kommt SAFE, vom Land Hessen für sechs Jahre finanziert, gerade recht. SAFE ist mit sechs eigenen Professuren und mehreren Juniorprofessuren selbst gut aufgestellt, soll aber über Kooperationen mehr als 50 Professoren und eine gleiche Zahl von Nachwuchswissenschaftlern an sich binden. Krahnen zeigt sich ehrgeizig: „Wir wollen ein führendes Forschungszentrum in Europa werden. Das heißt, wir stehen auch in einem internationalen Wettbewerb.“ Unter anderem müssten die Wirtschaftswissenschaftler bereit sein, mit Vertretern anderer Disziplinen zusammenzuarbeiten: „Wir Ökonomen müssen uns öffnen und lernen, mit Fachvertretern aus anderen Wissenschaften wie der Soziologie, der Geschichte und dem Recht zusammenzuarbeiten.“

Eine Herausforderung für die in dem Projekt versammelten Wissenschaftler wird darin bestehen, sich als Politikberater zu etablieren. Schon heute beraten Ökonomen aus dem House of Finance in vielerlei Hinsicht - meist diskret im Hintergrund und ohne ausgeprägte Neigung zur Selbstdarstellung in der Öffentlichkeit. In Frankfurt denkt man darüber nach, die eigene Kompetenz künftig offensiver zu vermarkten, freilich ohne eine Person herauszustellen. „Es ist nicht unser Ansatz, uns mit einer Führungsfigur nach außen zu präsentieren. Wir haben mehrere Gesichter, die sich je nach Themenbereich äußern“, sagt Krahnen.

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