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Fonds : Fokussierung auf historische Durchschnittsrenditen hat Tücken

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Bild: AP

Performance-Vergleiche sind bei Fonds ein beliebtes Vergleichsinstrument. Doch historische Durchschnittsrenditen sagen laut dem Finanzanalysehaus Scope nichts über den tatsächlichen individuellen Erfolg eines Fonds aus.

          Wenn es darum geht, Fonds und deren Leistungsfähigkeit zu beurteilen, wird gerne auf Performance-Ranglisten zurückgegriffen. Das ist auch legitim, schließlich ist die Wertentwicklung eines der Kriterien bei der Einschätzung und bei der Auswahl von Fonds.

          Allerdings muss man als Anleger natürlich wissen, dass es sich dabei um kein Allheilmittel handelt. So ist beispielsweise die in der Vergangenheit erzielte Wertentwicklung bekanntlich keine Garantie für die zukünftige Entwicklung eines Fonds. Und das wird inzwischen auch allgemein berücksichtigt.

          Und es muss aufgepasst werden, dass nicht Äpfel mit Birnen verglichen werden. Das Analyse- und Advisoryinstitut Scope Research weist deshalb in einer Kurzeinschätzung noch auf den einen oder anderen Punkt hin, den es beim Betrachten von Performance-Ranglisten zu beachten gilt. Kritisch sieht das auf die Analyse und Bewertung von Investmentmärkten, Kapitalanlagen und Managementgesellschaften, sowie auf der Unterstützung von institutionellen Intermediären und Investoren bei der Produktselektion und Steuerung von Investmentportfolien fokussierte Institut die in der Fondsbranche gerne verwendete Strategie, für einen Index oder bestimmten Markt für die Historie eine durchschnittliche Performance aller Fonds dieser Vergleichsgruppe zu berechnen.

          Historische Durchschnittsrenditen geben oftmals ein statistisch verzerrtes Bild wieder

          Das Resultat dieser Berechnungen soll zeigen, wie sich die Performance aller Fonds im Beobachtungszeitraum im Schnitt entwickelt hat. Dazu wird typischerweise die Rendite aller Fonds einer Kategorie gemessen, der Durchschnitt gebildet und anschließend annualisiert. Doch laut den Experten von Scope hat diese Angabe nicht nur mehrere Haken, sondern sie ist auch statistisch verzerrt und irreführend.

          Erstens, so die Einschätzung, sage diese durchschnittliche Rendite nichts über den tatsächlichen, individuellen Erfolg aus. Zweitens würden Ausgabeaufschläge, Depotgebühren und sonstige Transaktionskosten oft nicht berücksichtigt. Drittens würden alle Fonds gleich gewichtet. Um eine Aussage darüber zu treffen, ob und um wie viel das Vermögen der Anleger tatsächlich gestiegen ist, müssten die Fonds aber gemäß ihrer Größe gewichtet werden. Und viertens würden Steuern nur unzureichend berücksichtigt.

          Die durchschnittliche jährliche Rendite ist und bleibe unter de Strich nun einmal ein statistischer Wert. Sie sage nichts über den tatsächlichen individuellen Erfolg aus, so die Kritik. Der Anleger kauft aber nicht den Durchschnitt. Vielmehr entscheidet er sich für einen oder mehrere Fonds. Diese wiederum können besser oder schlechter laufen als der Durchschnitt. Dieser Punkt vermag durch Glück oder Können vielleicht irrelevant sein. Zudem sind jedoch die bereits genannten Faktoren wie Ausgabeaufschläge, Depotgebühren, Transaktionskosten aus Umschichtungen sowie steuerliche Aspekte und deren Einfluss auf das Gesamtergebnis zu berücksichtigen.

          Schlechte Fonds fallen heraus

          Zusätzlich hinzu kommt auch noch das als Survival Ship Bias bezeichnete Phänomen. Hiermit ist gemeint, dass erfolglose Fonds oft geschlossen werden, was zu einer statistischen Verzerrung führt. Dies macht sich etwa in exotischen Indizes stark bemerkbar. Hedge-Fonds-Indizes beispielsweise weisen oft eine erfolgreiche Historie auf. Vergessen wird aber, dass die schlechten Hedgefonds, bei denen Anleger ihr Geld nahezu komplett verloren haben, aus dem Index herausfliegen und somit ein verzerrtes Bild entsteht. Werden die schlechten Produkte herausgerechnet, muss zwangsläufig ein im Schnitt besseres Ergebnis herauskommen.

          Schlussendlich taugt eine solche Berechnung laut Scope nicht dazu, um eine Aussage darüber zu treffen, wie hoch die Wertentwicklung tatsächlich war. So kann es zum Beispiel passieren, dass kleine Fonds besonders erfolgreich waren, während die großen Flaggschiffe aufgrund ihrer Unbeweglichkeit eine unterdurchschnittliche Rendite erwirtschaftet haben. Würde man in dieser Berechnung die Größe aber berücksichtigen, ergäben sich hier wahrscheinlich andere Werte, bemängelt Scope am Ende der Kurzstudie.

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